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Freitag, 16. Januar 2026
Telekom-Kommentar E&W 12/2025

Haben wir den Bogen überspannt?

Telekom | Dominik Schebach | 07.12.2025 | Bilder | |  Meinung
Die Weihnachtssaison nimmt Fahrt auf. Die drei großen Netzbetreiber lassen auch dieses Jahr nichts anbrennen. Sie haben wieder zugkräftige Bundles aus attraktiver Hardware und entsprechenden Tarifen geschnürt, um die Kunden an den POS zu locken. Seitens der Netzbetreiber ist trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen der Optimismus groß, schließlich sind Smartphones inzwischen ein unverzichtbares Element in unserem täglichen Leben.

Wie weit inzwischen Smartphones ganz selbstverständlich vorausgesetzt werden, demonstriert dieser Tage die Billigfluglinie Ryanair. Seit dem 12. November hat der Carrier zu 100 % auf digitale Bordkarten umgestellt. Seither erhalten die Passagiere ihre digitale Bordkarte auf ihre Ryanair App, wenn sie online einchecken. Das sieht nicht jeder positiv. Die deutsche Verbraucherzentrale beklagt, dass mit diesem Vorgehen Menschen ohne Smartphones benachteiligt werden. Davon lässt sich die Fluglinie allerdings nicht beeindrucken. Auch von Kundenseite wird Ryanair hier kaum auf Widerstand stoßen. Für die meisten Passagiere ist die Nutzung einer App für Verwaltungen der Medien-Abos, Essensbestellungen oder Hotelbuchungen inzwischen etwas Alltägliches, also warum soll man sie nicht für die Buchung und Verwaltung der Flüge bei einer Billigfluglinie verwenden.

Diese unbestreitbare Convenience hat dem Smartphone zum Durchbruch verholfen und sorgt auch dafür, dass dieses – allen Aufrufen zum Handyfasten oder De-Toxing zum Trotz – für die Österreicher auch weiterhin unverzichtbar bleibt. Das Smartphone ist eben mehr als eine Kommunikationsplattform mit integrierter Kamera. Hier organisieren wir unser Leben, tätigen Einkäufe und lassen uns unterhalten. Gefördert wird dies durch das Addictive Design der gängigen Social Media Apps, in denen jede Interaktion eine sofortige Belohnung zur Folge hat. Der kleine Dopamin-Flash sorgt dafür, dass wir wieder ein wenig länger auf das Display in unserer Hand starren. Aber gerade vor der Weihnachtszeit beschleicht mich das Gefühl, dass wir den Bogen überspannt haben.

Wenn Erfahrungen nur noch erstrebenswert sind, wenn sie sich als Instagram-taugliche Häppchen aufbereiten lassen, dann läuft was schief. Dass nicht nur ich so denke, zeigen die Diskussionen rund um den Erdball bezüglich einer Einschränkung von Social Media-Apps für Jugendliche sowie Handyverboten an den Schulen. Der Telekomfachhandel tut jedenfalls gut daran, die Diskussion um die Handynutzung – besonders von Jugendlichen – genau zu verfolgen. Wenn Omnipräsenz von Smartphones nicht mehr als Convenience, sondern als Belastung wahrgenommen wird, hat das Auswirkungen auf deren Akzeptanz in der Gesellschaft.

Deswegen muss man nicht sofort um den Absatz fürchten. Aber die Kunden werden andere Prioritäten setzen. Und damit ändert sich auch der Verkauf. Gerade in der Weihnachtszeit, in der Smartphones auch gerne verschenkt werden, kann sich der Telekom-Fachhandel hier als wichtiger Partner des Endkunden beweisen, der die Konsumenten auch beim verantwortungsvollen Umgang mit dem Smartphone, Angeboten zum Jugendschutz oder Sicherheit berät. Mit dieser Grundlage steht einem erfolgreichen Weihnachtsgeschäft nichts entgegen.

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