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Freitag, 16. Januar 2026
Erneuerbare Energien-Kommentar E&W 12/2025

Perspektivisch betrachtet

Wolfgang Schalko | 07.12.2025 | Bilder | |  Meinung
Vieles liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters, während es sich bei manch anderem schlichtweg um Tatsachen oder Fakten handelt, die sich weder relativieren noch wegdiskutieren lassen. So wie das Ergebnis der Weltklimakonferenz im brasilianischen Belem (COP30).

Grundsätzlich habe ich gerne recht, aber in Hinblick auf das tragische Schauspiel jenseits des Atlantiks schmerzt es mich zugegebenermaßen mehr, mit meiner Prognose im vorigen Kommentar richtig gelegen zu sein. Mein darin geäußertes „mieses Gefühl“ hat sich bewahrheitet: Die Ergebnisse der COP30 (sofern man überhaupt von solchen sprechen kann) wurden allgemein als „enttäuschend” bezeichnet. Zurecht, wurden doch im Grunde keine substanziellen Fortschritte zur Eindämmung der Klimakatastrophe erzielt und jegliche Ambitionen zu einem ernst gemeinten und vollständigen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas von fossilgeleiteten Kräften (und der völlig unsinnigen Idee von billiger CO2-verursachender Energie) im Keim erstickt. Meines Erachtens ein echtes Armutszeugnis, das leider noch fatale Konsequenzen haben wird.

Passend zu Titel ein Schauplatzwechsel, ebenfalls über den Ozean, aber in die andere Richtung: nach China. Dort hatte ich (erstmals in meinem 45-jährigen Dasein) die Gelegenheit, die fernöstliche Kultur, die Menschen und das dortige Leben an sich kennenzulernen. Eine äußerst beeindruckende Erfahrung, wie Sie im „Reisebericht” zum Speicherhersteller Sigenergy in der E&W 12/2025 nachlesen können (und z.T. auch schon vor zwei Wochen an dieser Stelle konnten). Beeindruckend, weil Shanghai nicht nur für uns unvorstellbare Dimensionen aufweist (25 Millionen Einwohner und Bauwerke mit über 600 Meter Höhe!), sondern auch weil dort genau jener „Drive“ spür- und erlebbar ist, der in unseren Breiten stets nur beschworen wird. Man scheint sich dort nicht im Klein-Klein zu verlieren, sondern trotz der enormen Menschenmassen und Vielzahl an Betrieben in die gleiche Richtung zu arbeiten. Und das zu verwirklichen, was bei uns unter der Bezeichnung „Aufstiegsversprechen” mittlerweile in die Geschichtsbücher eingegangen ist. Dass ausgerechnet in jenem Land, das mehr PV-Leistung zubaut als der gesamte Rest der Welt, praktisch keine PV-Anlagen auf den Dächern zu sehen waren, hat mich zwar kurz irritiert – aber vermutlich sind das einfach nicht jene Maßstäbe, mit denen dort gemessen wird…

Dass Großes durchaus auch relativ zu betrachten ist, durfte ich – Schauplatzwechsel, die zweite – im beschaulichen 10.000-Einwohner-Städtchen Fürstenfeld erfahren. Der Ort ist seit der musikalischen Hommage von STS weit über die Grenzen der Steiermark hinaus bekannt und hätte sich dies spätestens jetzt auch aus energetischer Sicht verdient: Denn in den letzten fünf Jahren wurden dort unglaubliche 100 Mio. Euro in die Umgestaltung der Energieversorgung investiert – von der großflächigen PV-Anlage über gewaltige MWh-Stromspeicher (die auch zur Vermarktung genutzt werden) bis hin zum innovativen Holzpellets-Vergaser und der angedachten Revitalisierung der Geothermie (!) ein Gesamtkonzept, das ebenfalls auf ganzer Linie überzeugen kann. Und zugleich ein gutes Beispiel, wie sich auf höchst sinnvolle Weise Eindruck schinden lässt.

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