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Sonntag, 25. Januar 2026
Kommentar E&W 12 / 2025

Ungeschönt

Über den Rand | Stefanie Bruckbauer | 07.12.2025 | Bilder | |  Meinung
(Bild: Murali nath, pixabay.com) (Bild: Murali nath, pixabay.com) Weihnachten naht und damit auch das Ende des Jahres. Das ist traditionell die Zeit, um einen Blick zurückzuwerfen und einen nach vorne, und das mache ich nun auch.

Weihnachten naht und damit auch das Ende des Jahres. Das ist traditionell die Zeit, um einen Blick zurückzuwerfen und einen nach vorne.

Der Blick zurück zeigt: Nach 2021, 2022, 2023 und 2024, war auch 2025 kein einfaches Jahr. Aber es ist ja fast vorbei und es liegt in der Natur des Menschen zu hoffen, an das Positive zu glauben und so halten wir fest an den Prognosen, die da behaupten „2026 kommt endlich der Aufschwung“. Doch ganz ehrlich? Ich glaubs nicht!

Die zwei „Kleinkinder“, amerikanischer und russischer Herkunft, messen sich weiterhin im Weitpinkeln auf der Weltbühne und bringen dieses ohnehin nicht so stabile Gefüge aus Weltpolitik, Weltwirtschaft und Gesellschaft, das eigentlich ein Miteinander und kein Gegeneinander darstellen sollte, immer mehr ins Wanken. Eine Ebene tiefer: Das Konstrukt EU, das immer mehr mit sich selbst, seinem Erhalt und dem seiner Glaubwürdigkeit beschäftigt ist. Und dann der Blick nach Österreich …

Ein … wie heißt es so schön … „strukturelles Systemversagen“ ist im Gange. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Inflation sinkt nur langsam. Die Schulden liegen bei rund 83% Prozent des BIP. Der Staat gibt jedes Jahr mehr aus, als er einnimmt und hat gleichzeitig eine der höchsten Steuerquoten der Welt.  Die Industrie wandert ab, weil Produktivität und Standortattraktivität abnehmen, parallel dazu wachsen Lohnnebenkosten, Bürokratie und Energiekosten.

Unser Staatsbudget lässt kaum Spielraum, um irgendwie gegenzusteuern. Trotzdem wird die Lage schöngeredet und dringliche Probleme werden mit Kurzfrist-Pflastern überdeckt. Es braucht endlich den Mut und die Ehrlichkeit, das Offensichtliche und Notwendige auszusprechen. Es kann nicht immer nur weiter versprochen werden, dass alles gut wird. Den Menschen muss hingegen ungeschönt klargemacht werden, dass es nur dann besser werden kann, wenn wir bereit sind, etwas zu verändern. Und es braucht drastische Veränderungen und tiefgreifende Umbrüche – in der Steuerpolitik, im Pensionssystem, im Gesundheits- und Bildungswesen, in der Verwaltung. Daran führt kein Weg vorbei, wenn wir wollen, dass sich die Lage bessert. Und ja, das wird schmerzen, weil es Wohlstandseinschnitte mit sich bringen würde. Und genau deswegen wird lieber weiter ausgewichen, vertröstet und verdrängt. Die einzigen, die profitieren, sind die hassschürenden, spaltenden, lauten Gruppierungen. Diese erfahren immer mehr Zuspruch seitens der Bevölkerung, dabei haben sie ebenso keine Ideen und keinerlei Ansatz, wie all die Probleme gelöst werden können …

Die Lage ist schon länger offensichtlich. Aber keiner ändert etwas. Warum ist das so? Ist der Leidensdruck vielleicht noch nicht groß genug? Ich weiß es nicht. Und ich werde diese Frage jetzt auch nicht klären können, weswegen ich mich nun vorerst Mal auf Weihnachten konzentrieren werde. Auf diese schöne ruhige Zeit, die ich genießen möchte.

Fürs neue Jahr wünsche ich uns ALLEN mehr Mut und Verantwortungsbewusstsein, damit wir die Dinge gemeinsam anpacken und die Realität annehmen können, statt sie zu verdrängen. Weil, wie man so schön sagt: Wer die Realität akzeptiert, kann die Zukunft gestalten. Mit Mut und Willensstärke wird aus Stillstand wieder Tatkraft.

Bilder
(Bild: Murali nath, pixabay.com)
(Bild: Murali nath, pixabay.com)
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