iRobot: Zukunft gesichert?
Roboterpionier iRobot soll im Rahmen eines Chapter-11-Verfahrens an seinen wichtigsten chinesischen Zulieferer übergehen. Für Kunden und Partner in Europa soll alles unverändert weiterlaufen wie bisher, wie der Exklusivdistributor für Österreich und Deutschland, Witt A/S, seine Handelspartner in einem Schreiben informiert. (Bild: iRobot)
iRobot hat in den USA Insolvenz angemeldet und soll im Rahmen eines Chapter-11-Verfahrens an Picea übergehen. Picea ist einer der weltweit größten (OEM-)Hersteller von
Staubsaugerrobotern und seit 2023 strategischer Partner von iRobot. Für Handelspartner und Kunden ist das eine gute Nachricht, denn die internationalen Gesellschaften von iRobot, einschließlich der Aktivitäten in Europa, werden ihren Betrieb unverändert fortsetzen. Die App, der Ersatzteile- und Zubehör-Verkauf sowie alle Garantie- und Kundendienstleistungen werden wie gewohnt fortgesetzt, wie in einem Schreiben an die Handelspartner betont wird.Anfang der 2000er Jahre eroberte iRobot mit seinen Saugrobotern die Haushalte. Der Roomba läutete eine neue Ära des Staubsaugens ein. Für das amerikanische Unternehmen iRobot, das von drei Robotik-Ingenieuren der US-Spitzenuni MIT gegründet wurde und zunächst vor allem auf Roboter für militärische Zwecke spezialisiert war, ein gelungener Start in die Zivilwelt. In den darauffolgenden Jahren wurden Millionen der neuartigen Helferlein verkauft und „Roomba“ wurde nahezu zum Synonym für Saugroboter – so wie „Uhu“ für Klebstoff. Doch schnell wuchs aus Fernost eine gigantische Konkurrenz aus Nachahmerprodukten an – die günstiger waren, und bald auch schon technologisch immer besser wurden. iRobot strauchelte zunehmend, ein Deal mit Amazon sollte den Roboterpionier retten. Konkret bot der Internetgigant 2022 1,7 Milliarden US-Dollar für den Roomba-Hersteller. Amazon wollte mit der Übernahme als Ergänzung seiner „Alexa“-Sprachsteuerung zum Weltmarktführer des damals florierenden Smarthome-Trends werden. Doch Amazon und iRobot hatten ihre Rechnung ohne Brüssel gemacht. Die EU-Wettbewerbshüter untersagten den Deal, weil sie eine zu große Marktmacht fürchteten.
Nach der gescheiterten Amazon-Übernahme
Nach der gescheiterten Amazon-Übernahme kündigte iRobot eine umfassende Restrukturierung an, die auch die Entlassung eines Teils der Belegschaft umfasste. Darüber hinaus wurden die Vertriebs- und Marketingausgaben reduziert. Parallel dazu brachte iRobot Anfang dieses Jahres eine neue Produktlinie auf den Markt, die erstmals mit Lidar-Navigation arbeitete. So versuchte iRobot den Rückstand zu den Wettbewerbern aufzuholen und wieder konkurrenzfähige Produkte anzubieten.
Doch die Strategie ist nicht aufgegangen und nun hat iRobot in den USA Insolvenz (Chapter-11-Verfahren) angemeldet. Allerdings gibt es auch einen Masterplan, wie der einstige Roboterpionier wieder zu alter Stärke auflaufen soll. Und zwar wird iRobot komplett vom chinesischen Unternehmen Picea übernommen, einem Lohnfertiger bzw. OEM-Hersteller, bei dem seit Jahren Haushaltsroboter, wie die Roombas aber auch andere Saugrobotermarken, vom Band laufen. Für iRobot und seine Kunden eine gute Nachricht, denn so werde garantiert, dass sowohl die Roomba-App als auch die Ersatzteilversorgung und die Marke an sich reibungslos weiterfunktionieren.
iRobot in Österreich und das Schreiben an die Handelspartner
In Österreich (und Deutschland) wird iRobot ja seit zwei Jahren exklusiv vom skandinavischen Unternehmen Witt vertrieben. Witt hat das österreichische iRobot Team rund um VL Christoph Lang damals komplett übernommen, wodurch sich in der Betreuung der Handelspartner im Grunde nichts verändert hat.
Witt hat anlässlich der aktuellen Geschehnisse rund um iRobot (und der medialen Berichterstattung, in der die Lage nicht ganz korrekt beschrieben wurde) ein Schreiben an seine Partner verfasst. Darin wird erklärt:
„Nach mehreren Monaten der Spekulationen hat iRobot einen sogenannten Prepacked Restructuring Agreement (RSA) gemäß Chapter 11 des US-amerikanischen Insolvenzrechts eingereicht. Diese Ankündigung der Restrukturierung stellt einen wichtigen Meilenstein zur Sicherung des langfristigen Wachstums von iRobot dar. (…)
Im Rahmen der vorab verhandelten Restrukturierungsvereinbarung wird Picea 100 % der Anteile an iRobot übernehmen. Picea – einer der weltweit größten Hersteller von Staubsaugerrobotern mit mehr als 7.000 Mitarbeitenden und über 1.300 Schutzrechten im Bereich des geistigen Eigentums – ist seit 2023 strategischer Partner von iRobot und zugleich der größte besicherte sowie unbesicherte Gläubiger des Unternehmens. Die gerichtliche Restrukturierung von iRobot wird voraussichtlich Anfang Februar 2026 – oder früher – abgeschlossen sein. (…)
Es ist von großer Bedeutung zu betonen, dass iRobot während des gesamten Prozesses den Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fortführt. Es werden keine Auswirkungen oder Unterbrechungen der Kernaktivitäten erwartet – weder für Handelspartner und Endkunden noch in Bezug auf die App oder den laufenden Produktsupport. Auch die internationalen Gesellschaften von iRobot, einschließlich der Aktivitäten in Europa, werden ihren Betrieb unverändert fortsetzen, da sich die Restrukturierungsvereinbarung ausschließlich auf die US-amerikanischen Gesellschaften bezieht.
Eine Restrukturierung ist für einen starken Lieferanten wie iRobot niemals ein idealer Schritt. Wir sind jedoch überzeugt, dass das Ergebnis dieser Vereinbarung genau das ist, was die Marke iRobot benötigt, um gestärkt aus dieser Phase hervorzugehen. Kurz gesagt: iRobot ist gekommen, um zu bleiben, und wir werden iRobot weiterhin dabei unterstützen, ein noch stärkeres Fundament für die Zukunft aufzubauen. Sollten Sie Fragen zu iRobot oder Witt haben, zögern Sie bitte nicht, sich an Ihr lokales Witt-Team zu wenden.“
Auf den Punkt gebracht
Nochmals auf den Punkt gebracht bedeutet das:
- iRobot bleibt bestehen – die Umstrukturierung dient dazu, ein stärkeres Unternehmen zum Nutzen der Privatkunden zu schaffen.
- iRobot wird gestärkt aus der vorab vereinbarten Umstrukturierung hervorgehen, die Anfang Februar oder früher genehmigt werden soll.
- Picea wird 100 % übernehmen und in das Unternehmen investieren.
- Nur US-Unternehmen befinden sich in Umstrukturierung – in Europa läuft der Geschäftsbetrieb wie gewohnt weiter.
Alles funktioniert weiterhin:
- Die iRobot Apps funktionieren weiter wie gewohnt.
- Sie können die Roboter wie gewohnt bedienen, Ersatzteile und Zubehör kaufen.
- Alle Garantie- und Kundendienstleistungen werden wie gewohnt fortgesetzt.
„Mit gewohnter Zuverlässigkeit“
Christoph Lang, Vertriebsleiter und Prokurist bei Witt Österreich und Deutschland, betont im Gespräch mit elektro.at abschließend noch Mal: „Witt Österreich wird mit gewohnter Zuverlässigkeit weiterhin den Fachhandel für iRobot betreuen – und darüber freut sich das gesamte Team!“
