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Freitag, 16. Januar 2026
Aus der E&W 12/2025: Vorstellung der neuen Landesgremien

Landesgremium Wien: Eine überaus bunte Branche

Hintergrund | Wolfgang Schalko | 22.12.2025 | |  Menschen, Wissen
Von Obmann Johann Klein und dem WK Wien-Team wurden mehrere Initiativen gestartet, um Nachwuchs- und Fachkräfte in den Wiener Elektro- und Einrichtunsgfachhandel zu holen. Von Obmann Johann Klein und dem WK Wien-Team wurden mehrere Initiativen gestartet, um Nachwuchs- und Fachkräfte in den Wiener Elektro- und Einrichtunsgfachhandel zu holen. (© Foto Weinwurm) Rund 2.560 aktive Mitglieder verzeichnet das Wiener Landesgremium des Elektro- und Einrichtungsfachhandels derzeit – wobei die „nackten” Zahlen von 1.600 Elektro- und 960 Einrichtungshändlern leicht über die enorme Diversität der Sparte hinwegtäuschen könnten…

Zur Vielfalt des Wiener Elektro- und Einrichtungsfachhandels halten Landesgremialobmann Johann Klein und Fachgruppengeschäftsführer Ruolf Vogt gleich am Beginn des Gesprächs etwas Wesentliches fest:

Vogt: Unsere Mitglieder setzen sich aus ganz unterschiedlichen Untergruppen zusammen. Von den 1.600 Elektrohändlern haben wir alleine ca. 600 Handyshops in Wien. Daneben gibt es große Gruppe, die sowohl Elektroinstallation als auch Elektrohandel als Mitgliedschaft hat, und wir haben eine große Gruppe Elektro-Großhändler, die oftmals Spezial-Sortimente vertreiben. Und dann eben eine Menge Kleinstgruppen, wie Musikinstrumente-Händler, Tonträger-Händler und sogar noch einige Videotheken sowie einen Betrieb, der nur mit E-Scootern und elektrischen Einrädern, Skate- und Longboards sowie Hoverboards handelt.

Klein: Im Einrichtungshandel macht die Großfläche österreichweit an die 70% des Gesamtumsatzes, der Rest verteilt sich auf die Fachgeschäfte – und davon gibt es in Wien sehr viele kleinere und mittlere, die zumeist gut im Straßenverkauf erkennbar sind. Viele dieser Wohn- und Einrichtungsstudios sind Gesamtausstatter mit einer gewissen Spezialisierung – in meinem Geschäft ist die Kernkompetenz z.B. die Küche. Wir haben unter den Mitgliedern tatsächlich auch eine respektable Anzahl an Küchenstudios, weitere wichtige Gruppen sind die Betten- und Matratzenhändler, Händler für handgeknüpfte Teppiche, Vintagemöbelhändler sowie Geschäfte, die sich auf Deko- bzw. Geschenksartikel spezialisiert haben. Viele Unternehmer suchen da ihre Nische, und das macht den Einrichtungsfachhandel äußerst vielfältig.

Wie sieht es mit den Lehrlingen aus?

Geschäftsführer Rudolf Vogt: „Es mangelt nicht nur an Lehrlingen, sondern auch an der Vielfalt an Lehrbetrieben.“ (©studiowey)

Vogt: Mit einem Wort: rückläufig. In der Einrichtungsberatung gab es im Oktober 2024 31 Lehrlinge im dritten Lehrjahr, heuer sind es 23. Und in der Elektro-Elektronikberatung hat sich die Zahl von 27 auf 15 im gleichen Zeitraum fast halbiert. Das Thema Lehrlinge ist generell schwierig zur Zeit. Der größte Lehrlingsausbilder im Elektrofachhandel ist Media Markt. Der hat früher sogar eine eigene Klasse in der Berufsschule beschickt, in der Zwischenzeit sind die Media Markt-Lehrlinge aber mit den restlichen des Elektrohandels zusammengefasst – die allerdings nicht sehr viele sind. Und selbst wenn alle diese Lehrlinge ihre Ausbildung fertig machen, stellt sich immer noch die Frage, ob sie der Branche erhalten bleiben. Denn auch diesbezüglich sehen wir nicht allzu positive Entwicklungen – sogar die Gewinner unserer Lehrlings-Wettbewerbe, also die, die besonders gut waren, haben dem Elektrohandel zum Teil den Rücken gekehrt. Die Unternehmen glauben gerne, mit einem ausgebildeten Lehrling auch das zukünftige Fachverkaufspersonal zu haben – doch das ist leider nicht so.

Klein: Im Einrichtungsfachhandel spiegelt sich die gleiche Situation wider: Die Großfläche – allen voran die XXXLutz-Gruppe – bildet eine große Anzahl an Lehrlingen aus, während es im Fachhandel bestenfalls eine handvoll pro Jahr sind. Der Stellenwert der Lehre ist einfach nicht mehr da, das hat sich über die Jahre zusehends verschlechtert. Überspitzt formuliert: Wer heute nicht lernen möchte, geht in die Lehre. Und wenn man sich mit den jungen Leuten unterhält, dann ist deren Einstellung zum Teil wirklich erschreckend.

Vogt: Man darf aber nicht vergessen, dass wir als Fachgruppe auch den gesamten Telekommunikationsbereich vertreten, und dort schaut die Statistik doch ein bisschen anders aus: Da gibt es beispielsweise 32 Lehrlinge bei Magenta/T-Mobile, 25 in den Post-Shops, 16 bei A1 und 12 bei Hartlauer sowie daneben eine ganze Reihe kleinerer Handyshop-Betreiber.

Welche Möglichkeiten werden ergriffen, um die Situation zu verbessern?

Vogt: Von Seiten der Wirtschaft würde man sich mehr Unterstützung durch den Staat erwarten, wenn man Lehrlinge aufnimmt – so ähnlich wie beim Blum-Bonus, der seinerzeit schon einiges bewirkt hat. Dann gäbe es auch wieder mehr Lehrbetriebe. Denn uns fehlen nicht nur die Lehrlinge, sondern es mangelt auch an der Vielfalt an Lehrbetrieben in der Branche. Daher haben wir – unabhängig von der Lehre – im Wiener Elektro- und Einrichtungsfachhandel schon vor drei Jahren eine Initiative gestartet, das Thema Aus- und Weiterbildung zu forcieren: den sog. Bildungsbonus. Wenn sich zuwenige Lehrlinge finden, die man zu einem Fachverkäufer weiterentwickeln kann, werden eben oft Quereinsteiger genommen – ältere Menschen, Personen aus einem anderen Handelsberuf, etc. Und deren Fortbildung unterstützen wir mit 1.000 Euro pro Jahr.

Darüber hinaus hat die Sparte Handel seit 1. Jänner dieses Jahres noch eine eigene Akademie des Wiener Handels gelauncht, mit rund 45 Seminaren, die sogar mit 1.500 Euro pro Firma und Jahr gefördert werden. Aber obwohl die Unternehmen top ausgebildete Arbeitskräfte verlangen, sind sie zumeist nicht bereit, ihre Mitarbeiter für die dafür benötigte Zeit abzustellen – was ja sehr kurzsichtig ist. Wir selbst werden jedoch nicht müde zu betonen: Wer einen Fachkräftemangel hat, muss sich die Fachkräfte selbst heranziehen. Und das hängt nicht an der Lehre, sondern es gibt mehrere Schienen, die am Ende eine Fachkraft ergeben können.

Gibt es weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Wiener Händler?

Vogt: Einen wichtigen Punkt, gerade für den Elektrohandel, bilden unsere Join-the-Future-Aktivitäten. Diese Schulterschluss-Kampagne der gesamten Elektrobranche läuft seit 2023 über Social Media Kanäle und weist unglaubliche Zugriffsraten auf. Im Grunde geht es darum, das Thema Elektro bzw. Elektronik als Berufsfeld der Zukunft in die Köpfe der jungen Menschen zu bringen.

Klein: Außerdem haben wir insgesamt 16 kurze, unterhaltsame Videoclips für den Elektro- als auch den Einrichtungsfachhandel produziert, die in Kinos sowie über Social Media ausgespielt werden. So wollen wir die Aufmerksamkeit auf unsere Branchen lenken – zu aktuellen Themen und mit plakativen Produkten, wie TV-Geräten, Kühlschränken oder Elektroherden. Und wir veröffentlichen auch immer wieder Artikel in großen Tageszeitungen, wo wir auf beide Branchen hinweisen.

Wie beurteilen Sie die Kommunikation zwischen dem Landesgremium und den Mitgliedern?

Vogt: Das ist eine Frage, die aktueller nicht sein könnte, denn nach den jüngsten Ereignissen schien plötzlich jeder gegen die WKÖ zu sein – darunter sehr viele, die noch nie Unternehmer waren bzw. die gar nicht wissen, wie die Wirtschaftskammer strukturiert ist.

Aber es gibt natürlich generell viel Erklärungs- und Kommunikationsbedarf, wobei wir hier als Interessenvertretung in dem Dilemma stecken, wie man heutzutage kommunizieren soll, um in den Kopf jedes einzelnen Empfängers hineinzukommen. Bei über 2.500 Mitgliedsbetrieben ist erstens ein Sprachproblem evident, zweitens ein Verständnisproblem, da Themen oft sehr komplex sind und sich nur bis zu einen gewissen Grad vereinfacht darstellen lassen, und drittens die Art des Sendekanals. Von gedruckt über online bis hin zu Social Media hat jeder seinen präferierten Empfangskanal – und wir sollten alle diese Kanäle bedienen. Seit 1. November sind wir daher z.B. auch im gemeinsamen, wöchentlichen digitalen Newsletter der Wirtschaftskammer Wien vertreten. Trotz dieser Bemühungen und der tatkräftigen Unterstützung unserer Funktionäre befürchte ich, bei einer Umfrage unter den Mitgliedern würde ein großer Teil sagen, dass selbst die 98 Euro Grundumlage nicht gerechtfertigt sind und keinerlei Leistungen der Wirtschaftskammer benötigt werden, weil man ohnehin alles im Internet nachlesen könne. Woraufhin ich nur entgegnen kann: Und woher kommen diese Informationen? Wer macht sich Gedanken zu den Themen, bereitet sie auf und stellt sie dann ins Netz? 

Das Landesgremium Wien im Überblick:

Obmann: Johann Klein
Stellvertreter: Robert Pfarrwaller
Stellvertreter: Gerald Lehner

Geschäftsführer: Rudolf Vogt
Assistentin: Daniela Köhler

Telefon: 01 51450 3229
Mail: elektro-einrichtung@wkw.at
Web: wko.at/wien/elektro-einrichtung

 

Der Wiener Elektro- und Einrichtungsfachhandel deckt ein enorm breites Themenspektrum ab – auf das man die Endkunden mit eigens produzierten Videoclips aufmerksam macht. Alle der insgesamt 16 Clips gibt‘s auf der Website des Landesgremiums zum Ansehen.

 

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