Übernahme mit Ansage
Stefanie Schreck (Mitte) mit ihren Eltern Gertrude und Erich Schreck im Familienbetrieb. Der offizielle Übergang ist geschafft und die nächste Generation übernimmt die Führung. (© J.Jamy)
In einer Branche, in der vielerorts die Suche nach Nachwuchs zur Zitterpartie wird und Traditionsbetriebe an fehlenden Nachfolgern scheitern, sorgt ein Familienunternehmen in der Oststeiermark für ein selten gewordenes Erfolgsbild: Bei EP:Schreck ist der Generationswechsel nicht nur gelungen, sondern er ist eine klare Ansage. Mit April 2025 übernahm Stefanie Schreck das Ruder. Sie führt fort, was ihr Vater vor 35 Jahren in einer kleinen Werkstatt begann.Als Erich Schreck am 1. Dezember 1990 sein erstes Geschäft eröffnete, war das alles andere als ein glamouröser Start-up-Moment wie bei Microsoft oder Apple, die praktisch zeitgleich starteten – und doch begann die Reise ebenfalls in einer Garage. „Ich sag immer: Ich hab‘s nicht ganz so weit gebracht wie ein Bill Gates oder ein Steve Jobs, aber bei mir war es eben die Werkstatt hinter dem Haus. Ich habe als Kommunikationstechniker begonnen, wir hatten das Gewerbe und später kam dann der Handel und die Elektrotechnik dazu. Unser Konzept war immer Handel plus Service – Werkstatt und Verkauf, das war unser Fundament.“
Erich Schreck erinnert sich noch gut an die Anfänge: „Wir haben all das aufgebaut, während 1990 gleichzeitig MediaMarkt nach

Österreich gekommen ist. Damals hieß es: ‚Von den 3.000 oder 4.000 Fachhändlern bleibt eh nur die Hälfte übrig.‘ Aber da haben sie sich verschätzt. Gerade die Ein-Mann-Betriebe, die EPUs und die klassischen Familienunternehmen bringt man nicht so einfach um.“ Daher erfolgte bereits 1995 der erste Umbau. Aus den ursprünglichen 20 Quadratmetern Verkaufsfläche wurden rund 140. 2012 folgte der nächste Zubau. „Als wir damit fertig waren, merkten wir schnell: Es ist wieder zu klein“, sagt Erich Schreck schmunzelnd und so kam vor wenigen Jahren eine Erweiterung von etwa 600 Quadratmetern hinzu. Die frühen Jahre waren geprägt von harter Arbeit und viel Einsatz: „Wir haben mit Fernsehern und Videorecordern angefangen. Damals sind wir am Abend noch zum Kunden nach Hause gefahren. Dort haben wir die Geräte programmiert, erklärt und VBS-Aufnahmen eingerichtet. Das hat oft Stunden gedauert. Verkauft hat man zwar weniger als heute, aber man hat noch etwas verdient“, erinnert er sich. „Später kam die Weißware dazu, besonders stark waren wir immer bei Einbaugeräten. Ganze Einbau-Sets, das war wirklich unser Schwerpunkt. Das Elektrotechnik-Gewerbe hatten wir zwar schon in den 90er-Jahren angemeldet, aber mit den Installationen sind wir damals trotzdem nie richtig in Fahrt gekommen.“
Nach all den Jahren harter Arbeit und dem behutsamen Aufbau des Unternehmens war es im April 2025 schließlich so weit: Der Staffelstab ging offiziell an seine Tochter Stefanie. Die Übergabe war keine spontane Bauchentscheidung, sondern ein professionell vorbereiteter Prozess: „Wir haben schon vor etwa fünf Jahren begonnen, den Übergabeprozess vorzubereiten. Wir haben dafür eine Demografieberatung genutzt, die zu 100 Prozent von der EU gefördert wurde. Dabei wurde praktisch zusammen mit den Mitarbeitern ein Plan erstellt. So wussten alle: Stefanie wird die ‚Kronprinzessin‘, wie wir es damals scherzhaft genannt hatten. Wir sind das Ganze Step-by-Step angegangen“, erzählt er. Am 1. April 2025 wechselte Erich Schreck in die Korridorpension und mit diesem Datum verschoben sich auch die Rollen. „Stefanie ist die neue Geschäftsführerin und meine Frau die Prokuristin. Ich darf höchstens von Lieferanten ein Packerl übernehmen“, scherzt er. Und weiter: „Ich bin zwar Gesellschafter, aber habe mit dem Operativen gar nichts mehr zu tun. Der Übergang war auch für die Mitarbeiter ganz einfach. Die haben uns ‚Alte‘ sofort links liegen lassen. Was Stefanie sagt, gilt. Und wenn ich etwas sage, gilt’s nicht mehr“, (lacht).

„War nie der Plan“
Dabei war es lange keineswegs sicher, dass Stefanie Schreck den Betrieb einmal übernehmen würde. „Das war nie der Plan, dass ich die Firma übernehme“, erzählt sie. „Ich habe die Handelsakademie abgeschlossen und eine Ausbildung in der Bilanzbuchhaltung gemacht. Danach habe ich zu Hause im Betrieb zu arbeiten begonnen und plötzlich hat mir das richtig gefallen. Mit der Zeit habe ich aber gemerkt, dass mir der technische Aspekt fehlt. Ich war im Verkauf, ich war im Büro, aber in die Technik bin ich nie richtig hineingewachsen. In der Werkstatt habe ich schon geholfen, aber richtig ausgekannt habe ich mich nicht. Deshalb bin ich irgendwann zu meinem Papa gegangen und habe gesagt, dass ich vielleicht einmal woanders arbeiten möchte, um etwas dazuzulernen.“
Über die Innung bekam die 28-Jährige schließlich die Chance auf eine Lehrstelle bei e.denzel in Graz. Ihr Vater erinnert sich noch gut: „Am Samstag vor ihrem ersten Ausbildungstag habe ich ihr noch gezeigt, wie man den Bohrer in die Hilti einspannt. Am Montag ist sie schon bei e.denzel gestanden. Und ab da hat sie sich voll reingesteigert.“ Ein Glücksfall, denn viele Unternehmen zögerten am Anfang: „Es war gar nicht so leicht, eine Firma zu finden, weil sich ja jeder ausmalen konnte, was schätzungsweise mein Ziel war, inklusive der Gefahr, Mitarbeiter abzuwerben. Aber das Wichtigste ist, dass ich dort gemerkt habe, dass mir die Technik viel mehr liegt als alles, was ich vorher gemacht habe. Es hat mich richtig begeistert. Die Technik war spannender als die Buchhaltung oder der Verkauf, das war plötzlich ganz klar.“
Daher absolvierte Stefanie Schreck die Lehrabschlussprüfung in Elektrotechnik und Mechanik und kehrte in den Familienbetrieb zurück. Sie widmete sich den Bereichen, die zuvor zu kurz kamen: Installationen, Kundenberatung und erneuerbare Energien. „Wir haben vier, fünf Anläufe gebraucht, bis wir die E-Installation wirklich etabliert hatten“, erzählt Erich Schreck. „Ich habe mir immer gedacht, es kann nicht das Ziel sein, dass ich bei der Eingangstür stehe und warte, bis jemand eine Waschmaschine kauft. Wir wollten diversifizieren, mehrere Standbeine aufbauen. Viele Geschäfte haben die E-Installation dabei und machen den Handel nur als Hobby. Bei uns war der Handel immer Hauptgeschäft, und Service war immer dabei. Dann haben wir gesagt, wir müssen schauen, dass wir mehr Dienstleistung reinbringen. Im Internet kann jeder verkaufen, aber gute Dienstleistung ist das Entscheidende. Deshalb bieten wir heute auch Lösungen im Bereich erneuerbare Energien an.“
„Einfach machen“

Doch was macht die Elektrobranche für die Neo-Geschäftsführerin jetzt eigentlich so besonders? Darauf hat die 28-jährige schnell eine Antwort: „Es verändert sich ständig. Wenn ich an die Anfangszeit denke und die Produkte, die wir damals verkauft haben, und mit heute vergleiche, sieht man, dass sich alles wandelt. Es bleibt immer spannend.“ Auf die Frage, ob das Aufwachsen in einem Familienbetrieb eher Motivation oder Abschreckung ist, meint sie lachend: „Es ist auf keinen Fall abschreckend, wenn man gerne arbeitet und den Sinn dahinter sieht. Es gibt Momente, wo ich zum Beispiel beim Kunden zuhause bin und denke: ,Ist das noch Arbeiten oder eigentlich schon Hobby?´ Ich mache das, was mir gefällt …“ Ihr Vater stimmt zu: „Wenn du einen halben Tag im Geschäft stehst und den Kunden hilfst, merkst du, dass du wirklich etwas bewegst. Du reparierst einen Geschirrspüler, erklärst einem Kunden die Technik, und er geht zufrieden nach Hause. Manchmal verdient man dabei nichts, aber du siehst, dass du einen Unterschied machst. Das ist es, was unsere Existenz ausmacht: Wir lösen die Probleme unserer Kunden.“
„Es macht richtig Spaß“
Stefanie Schreck hat auch eine klare Botschaft an junge Frauen, die ebenfalls in die Elektrobranche einsteigen möchten: „Man muss sich trauen. Die Welt ist leider noch sehr voreingenommen. In der Schule wird häufig suggeriert, Frauen sollten keine technischen Berufe wählen. Aber das stimmt nicht. Technische Berufe sind genauso für Frauen geeignet. Einfach machen. Es macht richtig Spaß.“ Natürlich macht die 28-Jährige keinen Hehl daraus, dass es auch Herausforderungen in der Branche gibt: „Das Internet ist natürlich eine große Konkurrenz. Dazu kommen wichtige Punkte wie der Reparaturbonus, der plötzlich gestoppt wird. Für uns als Betrieb muss aber ein bisschen Planbarkeit da sein. Ich muss ja wissen, wie viele Techniker ich beschäftige und wie ich sie einsetze. Wenn die Förderung dann von einem Tag auf den anderen plötzlich weg ist, funktioniert das einfach nicht. Viele unserer Kunden sind älter und brauchen Unterstützung. Da helfen wir ihnen natürlich und kümmern uns darum. Aber wie soll man ihnen erklären, dass die Förderung auf einmal weg ist – und dann plötzlich wieder da? Das ist für alle verwirrend.“
In diesem Zusammenhang hat Stefanie Schreck gleich einen Wunsch an die Industrie: „Nachdem wir eine Reparaturwerkstätte haben, wünsche ich mir, dass wir auch unterstützt werden. Ich kann nur dann guten Gewissens etwas verkaufen, wenn der Service dahinter auch funktioniert. Wenn ein Gerät repariert werden muss, aber der Kunde einen Monat auf ein Ersatzteil warten soll, dann geht das einfach nicht. Wir setzen bewusst auf Qualität – der Kunde soll lange etwas davon haben. Und dazu gehört, dass Ersatzteile verfügbar sind und die Garantieabwicklung so läuft, dass der Kunde gerne wieder zu uns kommt.“
Umso wichtiger ist es für die 28-Jährige, dass sie verlässliche Partner wie ElectronicPartner an ihrer Seite hat: „Es ist so praktisch, in einer Kooperation zu sein, weil ich für gewisse Dinge einfach viel weniger Zeit brauche, wenn ich zum Beispiel Flyer oder andere Marketingmaterialien benötige. Aber nicht nur marketingtechnisch spielt ElectronicPartner eine große Rolle. Wenn es zum Beispiel Probleme mit Lieferanten gibt, stehen sie auch hinter einem und helfen. Sie unterstützen uns, egal was unsere Probleme sind. Man steht nicht alleine da.“
Große Schreck-Familie
Die Neo-Chefin beschreibt ihren Führungsstil als „eher lockerer“. „Wir sind alle auf Augenhöhe. Wenn jemand Potenzial hat, dann fördern wir das auch. Wenn es Mitarbeitern in einer Abteilung nicht gefällt, schauen wir, dass wir etwas Passendes für sie finden. Wenn sie zum Beispiel nicht gerne im Verkauf sind und dafür lieber im Büro, lassen wir sie auch wechseln.“ Sie fügt hinzu: „Ich bin nicht der Mensch, der sagt, die Buchhaltung muss um Punkt 7 Uhr da sein. Am Ende des Tages ist es mir egal, wann die Buchhaltung gemacht wird, und wenn heute das Kind krank ist, ist es für mich kein Drama, aber wir sind halt auch eine große Schreck-Familie. Kein Mitarbeiter soll eine Nummer sein, sondern sein Privatleben sollte mit unserer Firma zusammenpassen und wir schauen, dass sich alle wohl fühlen. Wenn ich merke, dass wir uns als Firma und ich mich auch selber weiterentwickelt habe und Spaß bei der Arbeit habe, dann ist es für mich ein erfolgreiches Jahr gewesen.“
Shopping-Erlebnis
Die Zukunft hat Stefanie Schreck fest im Blick: „In zehn Jahren möchte ich, dass unser Geschäft viel stärker ein richtiges Shopping-Erlebnis bietet. Ich wünsche mir, dass die Menschen nicht nur kommen, um etwas zu kaufen, sondern um gerne hier zu sein. Ein kleiner Kaffeestand, ein paar gemütliche Sitzplätze – weg vom klassischen Supermarktgefühl, hin zu einer Atmosphäre, wie man sie aus der Innenstadt kennt: Ein Ort, an dem man sich wohlfühlt, stöbert, entdeckt.“ Sie hat also noch viel vor und alles spricht dafür, dass die Schreck-Geschichte genau in diese Richtung weitergeht und gerade erst in ihre nächste Runde startet.

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