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Dienstag, 17. Februar 2026
Schutzschirm gegen Erpressungsversuche

IG Windkraft: Erneuerbare Energien sichern Österreichs Energieunabhängigkeit

Energiezukunft | Dominik Schebach | 22.01.2026 | |  
IG Windkraft Geschäftsführer Florian Maringer und Christoph Zipf vom europäischen Windenergieverband WindEurope präsentierten die neuesten Zahlen zu Energiesicherheit und -unabhängigkeit in Wien. IG Windkraft Geschäftsführer Florian Maringer und Christoph Zipf vom europäischen Windenergieverband WindEurope präsentierten die neuesten Zahlen zu Energiesicherheit und -unabhängigkeit in Wien. (© IG Windkraft/APA-Fotoservice/Roland Rudolph) Gerade in Zeiten erhöhter internationaler Spannungen macht man sich durch Energieimporte erpressbar, wie die jüngste Vergangenheit mehrmals bewiesen hat. Dabei könnte sich Europa bei einem konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energie nach einer heute vorgestellten Studie der IG Windkraft im Jahr 330 Mrd. Euro sparen. Nach Ansicht des Interessensverbandes wird deswegen 2026 das Entscheidungsjahr für mehr Energieunabhängigkeit des alten Kontinents.

Energiesicherheit und -unabhängigkeit waren die bestimmenden Themen der heutigen Pressekonferenz der IG Windkraft in Wien. In einer Zeit der Umbrüche, in denen imperialistische Großmachtträume von Diktatoren und „NATO“-Partnern kleine Staaten zu erdrücken drohen, müsse man Energieunabhängigkeit in alle Überlegungen miteinbeziehen. Denn Europa importiert heute über ein Viertel seines Gases (27%) aus den USA, eine Zahl, die mit dem finalen Abschied aus russischem Gas noch steigen wird. Bis 2030 wird Europa fast die Hälfte seines Gases aus den Vereinigten Staaten beziehen – eine schwerwiegende Abhängigkeit in Zeiten belasteter Beziehung (2021 waren es noch 5%). Nach wie vor werden 12% von Europas Gasbedarf aus Russland bezogen.

„Ein imperialistischer Diktator der Krieg führt im Osten, ein NATO-Partner im Westen, der Angriffspläne hegt – wenn Wirtschaftsforscher sagen, es geht nicht ums Konservieren, sondern ums Transformieren, dann ist der Ausbau der Erneuerbaren wichtigster Schlüssel für die heimische Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit von Haushalten, Wirtschaft und Industrie“, so IG Windkraft-Geschäftsführer Florian Maringer. Während in Österreich nach letzten Zahlen erneut mehr Menschen arbeitslos oder in Schulungen gemeldet sind, ist in Bundesländern wie der Steiermark jeder Dritte im produzierenden Bereich tätig. Auch in Kärnten oder Oberösterreich hängt jeder zweite bzw. fünfte Arbeitsplatz an der Industrie. „Gerade durch sicheren, günstigen und regionalen Strom können Erneuerbare in volatilen Zeiten ‚Industrie-Joker‘ und Schutzschirm gegen den geopolitischen Sturm für Europa und Österreich werden.“

1.600 Mrd Euro Ersparnis für Europa

Vergangenes Jahr hat Windenergie 19% des europäischen Strombedarfs abedeckt. 52% wurden mittels Kernkraft und fossiler Energieträger bestritten.(Foto: IG Windkraft)

Der Ausbau erneuerbarer Energien, die zunehmende Elektrifizierung und die Entlastung der Energiekosten könne verhindern, dass die europäische Industrie ihre Produktion ins Ausland verlagern muss, wie auch eine aktuelle europäische Studie zeigt: Während die EU jährlich noch bis zu 400 Milliarden Euro für fossile Brennstoffe ausgibt (Österreich rund 14 Milliarden Euro), zeigt die Studie von WindEurope in Zusammenarbeit mit dem weltweit führenden Elektrifizierungs-Energieunternehmen Hitachi Energy, dass ein auf erneuerbaren Energien basierendes Strom-System der EU bei zügiger Transformation bis zu 1,6 Billionen Euro sparen könnte. Bereits bis 2035 spart das Szenario mit erneuerbaren Energien im Vergleich zu anderen Szenarien bis zu 331 Milliarden Euro. „Unsere Zahlen zeigen: Durch einen schnelleren Ausbau der Erneuerbaren sparen Europas Unternehmen und Haushalte Milliarden – selbst wenn man die entstehenden Netz- und Speicherkosten miteinberechnet“, so Christoph Zipf vom europäischen Windenergieverband WindEurope in Brüssel.

Dieser Entwicklungspfad hätte den zusätzlichen Vorteil, dass ein auf Erneuerbarer Energie basierendes Energiesystem auch widerstandsfähiger gegen externe Schocks wäre. Damit sich allerdings die Vorteile der Erneuerbaren Energie nutzen lassen, müssen dieses Jahr die Weiche gestellt werden, wie Maringer und Zipf betonten. Denn Energieimporte (Öl und Gas) würden mit einem starken Ausbau der Erneuerbaren bis 2050 nur noch ein Fünftel (22%) der gesamten Energieversorgung Europas ausmachen. Ohne zügigem Ausbau weiterhin mehr als die Hälfte (54%).

Wo steht Österreich bei Wind?

In Österreich erzeugten zuletzt 1.447 Windräder – allen voran in Niederösterreich und im Burgenland – bis Ende 2025 mit einer Gesamtleistung von 4.221 MW rund 16% des österreichischen Stromverbrauchs. Damit können 2,7 Millionen Haushalte mit sauberem, regionalem Strom versorgt werden. Moderne Anlagen zeigen, wie effizient die Technologie mittlerweile ist: Ein modernes Windrad liefert genug Strom für rund 5.200 Haushalte. Bis Ende 2026 werden in Niederösterreich weitere 26 Anlagen, in der Steiermark 15 Anlagen und im Burgenland 3 Anlagen mit insgesamt rund 655 GWh Erzeugung entstehen. Notwendig wären deutlich mehr.

Schon heute trägt Europas Windbranche 55 Milliarden Euro zum europäischen BIP bei. Europaweit arbeiten bis zu 450.000 Menschen im Bereich (davon rund 9.000 in Österreich). Ein konsequenter Ausbau der Windenergie könnte die Zahl der europaweit in der Branche beschäftigten auf bis zu 600.000 hochtreiben. Wie schnell der Ausbau der Erneuerbaren Energie voranschreiten kann, wenn der notwendige politische Wille dahintersteht, zeigt ebenfalls ein Blick nach Europa: Die Windkraft allein deckte 2025 fast ein Fünftel des Strombedarfs der EU. Dabei betrug im Jahr 2000 der Anteil von Wind- und Solarenergie an der Stromerzeugung Europas gemeinsam erst 0,8%. Heute sind es bereits 30% (Erneuerbare insgesamt mit Wasserkraft u.a.: 47,5%).

In Österreichs Nachbarland Deutschland wurden im Jahr 2025 20.765 MW an Windkraftleistung genehmigt. Eine Steigerung um fast 50%. Das entspricht rund 2/3 des jährlichen Gesamtstromverbrauchs Österreichs oder mehr als dem Zehnfachen der einst jährlich geplanten Erzeugung des AKW Zwentendorf. Im Vergleich hat Österreich bisher insgesamt in allen Bundesländern aktuell rund 4200 MW an Windkraftleistung. Also ein Fünftel jenes Werts, der in Deutschland zuletzt jährlich zugebaut wird.

Schnellere Verfahren gefordert

Größter Hemmschuh beim weiteren Ausbau der Erneuerbaren bleiben der fehlende politische Wille sowie die langen Genehmigungsverfahren in Österreich. Derzeit sind zwar Projekte in einem Ausmaß von 3.600 MW geplant, doch es fehlen Genehmigungen. „Wir könnten, Stand heute, in den kommenden drei bis vier Jahren die Stromerzeugung aus Windkraft fast verdoppeln“, so Maringer.

Die erstinstanzliche Genehmigungsdauer lag in Deutschland 2025 im Schnitt bei 17 Monaten. In Österreich geht zwar der Weg zur erstinstanzlichen Genehmigung in der Regel zügig. Der darauffolgende Instanzenweg verursacht jedoch eine massive Verlängerung auf 5-8 Jahre, teils auch länger. In Europa sind die Emissionen des Kontinents in den letzten 25 Jahren zeitgleich um fast ein Drittel gesunken, während die Wirtschaft um 45% gewachsen ist. Das Energiesystem Europas ist für mehr als 75% der Treibhausgasemissionen am Kontinent verantwortlich.

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