Sechstes Jahr in Folge im Minus: Gewerbe und Handwerk weiterhin unter Druck
„Wir hätten uns eine bessere Entwicklung erhofft, ganz überraschend kommt diese Tendenz aber nicht. Für die konjunkturelle Erholung wäre vor allem ein Anziehen der Bauleistung entscheidend. Und gerade das ist im Winter saisonal schwierig“, sagt Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ. (© D.Schebach)
Das Gewerbe und Handwerk ist weiterhin unter Druck. Während Österreichs Gesamtwirtschaft vergangenes Jahr laut Wirtschaftsforschern real um 0,5 Prozent gewachsen sein dürfte, bleibt die Bundessparte mit voraussichtlich real -4,3 Prozent deutlich negativ. Das geht aus der vierteljährlichen Konjunkturbeobachtung von KMU Forschung Austria hervor.Während die Preise im Gewerbe und Handwerk 2025 lediglich um 2,4 Prozent stiegen, kletterte die allgemeine Teuerung in Österreich auf 3,6 Prozent. Was auf den ersten Blick nach Zurückhaltung klingt, entpuppt sich als Belastung: Viele Betriebe konnten ihre gestiegenen Kosten nicht vollständig weitergeben. Das geht zulasten der wirtschaftlichen Substanz und hinterlässt Spuren. Auch der Ausblick auf das 1. Quartal 2026 sorgt kaum für Aufwärmung. Nur 15 Prozent der Betriebe erwarten Steigerungen ihrer Aufträge bzw. Umsätze. 27 Prozent befürchten weitere Rückgänge – somit ergibt sich ein negativer Saldo von 12 Prozentpunkten.
Die Erwartungshaltung in den investitionsgüternahen Branchen, die überwiegend vom Baubereich abhängig sind, fällt mit einem Saldo von -14 Prozentpunkten deutlich negativer aus als in den konsumnahen Branchen (Saldo -6 Prozentpunkte). „Die Erwartungen zeigen eine geringe Dynamik und sind weiterhin im negativen Bereich“, sagt Christina Enichlmair von KMU Forschung Austria: „Ein nachhaltiger Aufwärtstrend ist derzeit noch nicht in Sicht.“
„Bessere Entwicklung erhofft“
„Wir hätten uns eine bessere Entwicklung erhofft, ganz überraschend kommt diese Tendenz aber nicht. Für die konjunkturelle Erholung wäre vor allem ein Anziehen der Bauleistung entscheidend. Und gerade das ist im Winter saisonal schwierig“, sagt Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der WKÖ. Der sehr kalte Jänner habe dabei wohl auch nicht geholfen: „Wir setzen jetzt auf ein kräftiges Frühlingserwachen. Die deutlich gestiegene Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten gibt uns Anlass zur Hoffnung.“
Trotz der schwierigen Konjunktursituation will das Gewerbe und Handwerk seine Beschäftigten halten: Die Planung des Personalbedarfs fürs erste Quartal 2026 zeigt (wie schon in den fünf Jahren davor) ein kleines Plus. Langfristig betrachtet ist das saisonal untypisch, denn mit den „kalten Monaten“ geht üblicherweise geringerer Personalbedarf einher. „Das zeigt zwei Dinge: Das Thema Fachkräftemangel beschäftigt die Betriebe weiterhin stark. Und es ist ein erfreuliches Indiz, dass unsere Unternehmen den Glauben an den Aufschwung nicht verloren haben“, sagt Spartenobmann Denk. Mit Blick auf das erste Quartal 2026 gibt es einen Überhang an „Optimisten“ (mehr Betriebe mit positiven als negativen Erwartungen) bei den Personaldienstleistern und im Sicherheitsgewerbe (Saldo +14 Prozentpunkte), bei Kunststoffverarbeitern (+ 7 Prozentpunkte) sowie bei Fußpflege, Kosmetik und Massage (+4 Prozentpunkte). Negativ sind die Erwartungen vorrangig im Bauhilfsgewerbe (-31 Prozentpunkte), Holzbau (-30 Prozentpunkte) und bei den exportabhängigen Mechatronikern (-30 Prozentpunkte).
Gleichstellung bei Energiepreisen
Wichtig sei es, dass eine Strategie für die produzierende Wirtschaft die vielen Klein- und Mittelbetriebe im Land inkludiert, fordert Denk: „Österreich ist ein KMU-Land. 99,6 Prozent der heimischen Betriebe fallen in diese Kategorie, sie bilden das Rückgrat der Wirtschaft. Wenn Österreich auf die Überholspur gebracht werden soll, müssen ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden.“ Dazu zähle auch die Gleichstellung bei den geplanten begünstigten Energiekosten. Schließlich sei von der Kostenexplosion jeder Betrieb betroffen; und auch im Gewerbe und Handwerk gibt es besonders energieintensive Branchen, etwa das Lebensmittelgewerbe (Bäcker, Fleischer, Konditoren, Nahrungs- und Genussmittelgewerbe, Müller und Mischfuttererzeuger) oder die Textilreiniger.
Gewerbe und Handwerk als „Talentschmiede“
Einen kleinen Lichtblick bieten hingegen die Lehrlingszahlen. Der Rückgang um 1455 Lehrlinge (-3,2 Prozent) sei zwar schmerzhaft, dennoch war das Gewerbe und Handwerk mit 43.965 Lehrlingen in betrieblicher Ausbildung abermals die größte „Talenteschmiede“. Mehr als 45 Prozent der heimischen Lehrlinge werden in Betrieben der Sparte Gewerbe und Handwerk ausgebildet. Die Ausbildung verlange den Betrieben einen enormen personellen wie finanziellen Einsatz ab: „Sie ermöglichen jungen Menschen damit eine persönliche wie berufliche Perspektive und tragen maßgeblich zur Integration bei“, so Denk.
85 Prozent der Ausbildungsbetriebe sehen ihren Einsatz folglich als Verantwortung gegenüber Branche und Region. Für 82 Prozent ist die Lehrlingsausbildung eine Form gesellschaftlichen Engagements. „Das ist ein Dienst im Interesse der Gesellschaft, der leider weder die angemessene Wertschätzung erfährt noch adäquat honoriert wird“, erklärt Denk. Angesichts der demografischen Entwicklung, der schulischen wie sozialen Defizite vieler jungen Menschen, der steigenden Bürokratiebelastungen und der mittlerweile jahrelangen Rezession sei der steigende Aufwand für viele vor allem kleinere Betriebe kaum noch zu stemmen.
Für den Staat hingegen sei ein Lehrling im Betrieb die mit Abstand günstigste Ausbildungsform. Ein Lehrling verursacht nach eigenen Angaben der öffentlichen Hand im Jahr 6.700 Euro Kosten (für Berufsschule und Förderung, abzüglich Rückflüssen aus SV-Beiträgen und Lohnsteuer). Ein Schüler einer berufsbildenden Schule (BMS, BHS) schlägt für den Staat hingegen mit 12.000 Euro zu Buche. Und eine Überbetriebliche Ausbildung im Auftrag des AMS kostet mehr als 23.000 Euro, also mehr als das Dreifache. „Wir fordern deshalb, dass die Lehrstellenförderung als Beitrag zu den Investitionskosten der Ausbildungsbetriebe gesehen und jährlich valorisiert wird, so wie das bei den Kosten von Schulen und Universitäten schließlich auch der Fall ist. Eine Kürzung kommt für uns nicht in Frage, das wäre ein fatales Signal“, so Denk.
Licht und Schatten bei Bürokratie
Mit gemischten Gefühlen blickt das Gewerbe und Handwerk auf das Bürokratie-Abbaupaket, das die Bundesregierung am 3. Dezember 2025 präsentiert hat. Zwar wurde das Paket von der Sparte grundsätzlich begrüßt, es könne jedoch „nur ein erster Schritt gewesen sein“. „Bürokratie-Abbau ist keine Momentaufnahme, sondern ein Dauerauftrag“, betont Denk. Er warnt vor neuen Bürokratiemonstern, die den Betrieben hohen Aufwand verursachen, ohne echten Mehrwert für Beschäftigte zu bringen – beispielsweise die Hitzeschutzverordnung, die am 1. Jänner 2026 in Kraft getreten ist.
Kritisch sieht die Sparte auch die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Diese soll die Einkommen für Beschäftigte einfacher vergleichbar machen. Allerdings gebe es allein in den Kollektivverträgen im Gewerbe und Handwerk ohnehin mehr als 600 Lohn- und Verwendungsgruppen, welche Branchenspezifika bestmöglich abbilden. Denk: „Wir haben in Österreich ein bewährtes und transparentes System. Warum wird das über den Haufen geworfen für ein bürokratisches Modell, das die betriebliche Realität gar nicht erfassen kann?“


Der Schmäh vom Bürokratie-Abbaupaket und wieder einmal nichts als Überschriften.