Jetzt pressiert‘s
Wolfgang Schalko Im letzten halben Jahr haben wir Ihnen die neuen Interessenvertreter in den Landesgremien vorgestellt. Hinter mir liegen neun hoch interessante Gespräche, in denen die Funktionäre und Geschäftsführer umfassende Einblicke gaben – was die Ausgangssituation betrifft, die Herausforderungen und natürlich die Ziele. Und so groß die Unterschiede zwischen den Bundesländern zum Teil auch sein mögen, ein Aspekt zieht sich durch wie ein roter Faden – und ist leider hochgradig ernüchternd: Die Entwicklung der Lehrlingszahlen.
Verglichen mit dem Stand zu Beginn der vorangegangenen Funktionsperiode berichteten meine Gesprächspartner von Rückgängen in einer Größenordnung von einem bis zwei Drittel (!!) – quer durch die Regionen, im Elektro- ebenso wie im Einrichtungsfachhandel. Dazu kommt, dass die gesamte Nachwuchsarbeit im Wesentlichen von einer handvoll Unternehmen gestemmt wird, die da heißen Media Markt (Elektro), XXXLutz (Einrichtung) sowie die Netzbetreiber A1, Magenta und Drei (Telekom) – was im Umkehrschluss bedeutet, dass die gesamte Lehrlingsausbildung im Elektro- und Einrichtungsfachhandel nicht unbedingt auf soliden Beinen steht. „Wenn uns das Personal fehlt, wird unsere Branche sterben“, hatte etwa der OÖ Landesgremialobmann Hubert Kastinger eindringlich gewarnt und auch in der aktuellen Ausgabe weist der NÖ Landesgremialobmann Gerhard Schabschneider mit Nachdruck darauf hin, dass nur die Betriebe selbst durch die Ausbildung von Lehrlingen für die benötigten Fachkräfte sorgen können. Angesichts der alarmierend niedrigen (und weiter sinkenden) Zahl von Ausbildungsbetrieben unter den „klassischen” Fachhändlern ein Weckruf an die Branche, aber ebenso an die politischen Entscheidungsträger, die Rahmenbedingungen für den Lehrberuf schnellstens zu attraktivieren. Möglichkeiten wie im Rahmen der Höheren Berufliche Bildung (HBB) mögen hier zwar gewisse Anreize darstellen, werden das Problem aber nicht grundlegend ändern.
Es geht aber nicht nur darum, wie und was gemacht werden soll, sondern auch darum, wer die Lehre wieder auf Kurs bringen kann. Denn die oben angesprochenen KMU im Elektro- und Einrichtungsfachhandel haben neben dem Nachwuchs- ein mindestens so großes Überalterungsproblem. Je nachdem, welche Studie man zugrunde legt, kann man bestenfalls darüber streiten, ob es ein Drittel oder „nur” ein Viertel aller Unternehmen ist, das in den nächsten paar Jahren übergeben werden will – und für die sich vielfach keinerlei Nachfolgeregelung abzeichnet. Sprich, die Zahl der potenziellen Ausbildungsstätten ist von akuter Schrumpfungsgefahr bedroht, und solange unsere Branche, so wie eigentlich die gesamte Sparte Handel, mit einem eklatanten Imageproblem zu kämpfen hat (das ebenfalls alle Gesprächspartner bestätigten und als wesentliche Aufgabe in der aktuellen Periode nannten), ist wohl keine Besserung der Situation in Sicht.
Wir wollen den Kopf aber dennoch nicht in den Sand stecken und holen in der E&W ab sofort regelmäßig all jene vor den Vorhang, die die Zukunft unserer Branche sichern. Den Anfang macht ein Besuch in der Berufsschule Gmunden.

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