VOEB-Bilanz zu Lithiumbatterien macht Druck für Pfand
Allein im vergangenen Jahr zählte der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe 36 Großbrände in Entsorgungsbetrieben, über welche in den Medien berichtet wurden. (© Feuerwehrverband)
Im vergangenen Jahr berichteten Medien über zahlreiche Großbrände in der Abfall- und Recyclingwirtschaft. Der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) hat nun Bilanz gezogen und das Ergebnis ist verheerend: 2025 wurden insgesamt 36 größere Brandereignisse gezählt. 14 davon wurden allein in Ost-Österreich, 9 weitere in Tirol und Vorarlberg dokumentiert. Verursacht wurden die Brände – wie auch in vielen früheren Fällen – vermutlich durch falsch entsorgte Lithiumbatterien, wie der VOEB in seiner heutigen Aussendung ausführt.Einer der verheerendsten Brände ereignete sich auf dem Gelände eines Entsorgungs- und Recyclingbetriebs in Osttirol im Juli 2025, bei dem mehr als 900 Feuerwehrkräfte im Einsatz waren. Dieser Brand hielt die freiwilligen Feuerwehren in Osttirol vier Tage in Atem. Aber inzwischen berichten die Mitgliedsbetriebe des VOEB von bis zu sechs Brandereignissen täglich. Die Hauptursache sind Lithiumbatterien und -akkus, die fälschlicherweise im Restmüll, im Gelben Sack oder in der Papiertonne landen, sich bei Beschädigung entzünden und in Folge verheerende Brände auslösen können.
Dank massiver Investitionen werden die allermeisten Brände laut VOEB schnell durch Brandschutz- und Löschsysteme gelöscht. Dennoch schlägt die Branche Alarm. „Quer durch alle Bundesländer erleben wir eine regelrechte Brandepidemie in unseren Betrieben. Auch bei dem enormen Brand in der Recyclinganlage in Osttirol im Juli 2025 war eine Batterie laut Polizei brandauslösend. Jeder Akku in der falschen Tonne ist eine tickende Zeitbombe für unsere Beschäftigten, für die Umwelt, für den Fortbestand ganzer Betriebe und für die Entsorgungssicherheit in Österreich“, betont Gabriele Jüly, Präsidentin des VOEB. 
Das Problem: Lithiumbatterien finden sich heute in unzähligen Alltagsgegenständen – von Smartphones und Kinderspielzeug bis hin zu Einweg-E-Zigaretten. Aus Unwissenheit oder Bequemlichkeit werden sie allerdings von den Endkonsumenten nicht getrennt entsorgt und stellen so ein enormes Sicherheitsrisiko dar. Die Brandgefahr beschränkt sich dabei nicht nur auf die Abfallwirtschaft, wie seitens des VOEB betont wird. Auch im privaten Umfeld sei der richtige Umgang mit Lithiumbatterien essenziell, um Brände in den eigenen vier Wänden zu vermeiden. Akkus sollten vor Beschädigungen, starker Hitze und Kälte geschützt und nicht in der Nähe brennbarer Materialien gelagert werden. Defekte Akkus gehören sofort in die Problemstoffsammlung, und beim Laden sollten nur Originalladegeräte verwendet werden – idealerweise unter Aufsicht.
Druck für ein Pfandsystem
Die Mitgliedsbetriebe des VOEB hoffen zudem auf schrittweise Verbesserungen, wie dem Verbot der Einweg-E-Zigaretten, welches Ende 2026 greifen soll. Auch auf EU-Ebene bewegt sich zur Freude des VOEB etwas, nachdem sich zahlreiche EU-Mitgliedstaaten im Dezember hinter den von Österreich initiierten Prüfauftrag stellten, ein EU-weites Pfandsystem für Geräte mit Lithiumbatterien ehestmöglich zu untersuchen. Bis 2030 muss die Sammelquote von Gerätebatterien auf 73% erhöht werden – Österreich erreicht derzeit nur rund 50%.
„Wir begrüßen die politischen Initiativen wie das geplante Verbot von Einweg-E-Zigaretten ausdrücklich, doch es bleibt noch viel zu tun. Wir brauchen ein Anreizsystem für die Rückgabe von Lithiumbatterien, strengere Rücknahmepflichten im Handel und vor allem mehr Aufklärung der Bevölkerung. Jeder Akku gehört zum Wertstoffhof oder in die Batteriesammelbox im Handel – niemals in die Restmülltonne oder den Gelben Sack“, erklärt dazu Jüly abschließend.
VOEB-Tipps zum Umgang mit Lithiumbatterien und -akkus
- Getrennt entsorgen: Lithiumbatterien/-akkus nie in Restmüll, sondern zur Problemstoffsammlung oder in Verkaufsstellen mit Rücknahme.
- Pole abkleben: Kontakte vor der Rückgabe mit Klebestreifen (besser Isolierband) sichern; wenn möglich Akku getrennt vom Gerät abgeben.
- Extreme Temperaturen vermeiden: Hitze über ca. +40 °C, Kälte unter ca. –10 °C
- Warnzeichen ernst nehmen: Bei Verformung, Geruch, Verfärbung oder starker Erwärmung nicht verwenden; Akku und Ladegerät prüfen.
- Passendes Zubehör: Nur freigegebene Ladegeräte/Kabel verwenden.
- Akkuschonend und sicher laden: Ladestand möglichst nicht unter ca. 20 % fallen lassen und nicht dauerhaft auf 100 % laden; Ladung auf einer nicht-brennbare Unterlage.


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