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Sonntag, 15. März 2026
EAK, Umweltschutzministerium und Feuerwehren setzen auf Bewusstseinsbildung

Feurig: Live-Experiment zeigt Gefährlichkeit von falsch entsorgten Akkus

Hintergrund | Dominik Schebach | 17.02.2026 | Bilder | |  
Beschädigte Lithium-Akkus und Batterien werden zu einer immer größeren Gefahr für Entsorgungsbetriebe. Beschädigte Lithium-Akkus und Batterien werden zu einer immer größeren Gefahr für Entsorgungsbetriebe. Anlässlich des morgigen „Tages der Batterie“ (18.2.) luden die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) sowie der Österreichische Bundesfeuerwehrverband zu einem Medientermin der besonderen Art. Auf dem Gelände der Saubermacher AG in Wien-Inzersdorf wurde vor versammelten Journalisten die Gefährlichkeit von falsch entsorgten Lithium-Akkus live demonstriert.

Leistungsstarke Lithium-Energiespeicher finden sich in einer Vielzahl von Geräten. Ob Einweg-E-Zigaretten, Laptops, Smartphones oder Glückwunschkarten – die praktischen Akkus sind auf dem modernen Alltag nicht wegzudenken. Allerdings bergen diese auch ein enormes Gefahrenpotenzial wie bei der heutigen Demonstration zu sehen war. Denn beschädigte Akkus sind brandgefährlich. Dennoch landen nach einer Schätzung der Montanuniversität Leoben jährlich rund 3 Millionen Stück Lithium-Batterien im Restmüll. Laut dem Verband österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) gab es im Jahr 2025 insgesamt 36 größere Brandereignisse in Österreichs Entsorgungs- und Recyclingbetrieben, wo in mehreren Fällen falsch entsorgte Lithium-Batterien und -Akkus als Brandursache vermutet werden.

Wiesen gemeinsam auf die Gefährlichkeit von Lithium-Akkus für Entsorgungsbetriebe hin: Berthold Kren, Standortleiter Österreich Saubermacher, Saubermacher-Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender Hans Roth, Umweltminister Norbert Totschnig, EAK-GF Elisabeth Giehser, sowie Martin Mittnecker, Referatsleiter für vorbeugenden Brandschutz des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes.

„Die Abfallwirtschaft ist eine tragende Säule unseres Wirtschaftssystems, entwickelt sich konsequent in Richtung Kreislaufwirtschaft weiter und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Ressourcen- und Klimaschutz. Um die Funktionsfähigkeit dieser wichtigen, insbesondere von regionalen und kleinen Betrieben geprägten Infrastruktur zu gewährleisten, ist die fachgerechte Entsorgung von Batterien von entscheidender Bedeutung“, unterstreicht Umweltminister Norbert Totschnig die fundamentale Bedeutung der Entsorgungsbranche.

„Her mit Leer“

Der Minister hatte bereits im Rahmen des Runden Tisches Batterien am 25. September 2025 zu einer ganzheitlichen, breit getragenen Öffentlichkeitskampagne aufgerufen, um der steigenden Brandproblematik wirksam zu begegnen. In enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Akteurinnen und Akteuren wurde daraufhin die Fortführung und Weiterentwicklung der Kampagne „Her mit Leer“ als gemeinsamer Schritt vereinbart.

Totschnig sieht zudem eine dringende Notwendigkeit, das Bewusstsein in der Gesellschaft zu schärfen: „Wir müssen die Brand-Thematik noch stärker im Bewusstsein der Bevölkerung verankern. Jede Bürgerin und jeder Bürger sollte dazu beitragen, dieses Risiko zu minimieren, indem Batterien und Akkus konsequent an den dafür vorgesehenen Sammelstellen abgegeben werden.“

Mangelndes Bewusstsein und steigende Mengen

Laut Elisabeth Giehser, Geschäftsführerin der EAK, machten Lithium-Batterien im Jahr 2024 bereits rund 46,5% aller in den Verkehr gebrachten Gerätebatterien aus. Deren Sammelquote hinkt allerdings mit 13,3% deutlich hinterher, was vor allem an der hohen Langlebigkeit der Lithium-Batterien von fünf bis acht Jahren liegt.

Damit kommen die Lithium-Batterien deutlich zeitverzögert in den Entsorgungsstrom. Dort sind sie allerdings für ein deutlich steigende Anzahl von Bränden verantwortlich, wie Giehser betonte: „Das Risiko von Bränden steigt in Recycling-Betrieben und auf Sammelstellen durch den kontinuierlichen Zuwachs der Mengen an, insbesondere aber auch durch Fehlwürfe im Restmüll sowie in Papier- oder Kunststoffbehältern. Besonders gefährlich ist das Unwissen darüber, in welchen alltäglichen Produkten diese Akkus verbaut sind. Neben bekannten Altgeräten, wie Powerbanks, Smartphones und Laptops, bergen auch ‚scheinbar harmlosere‘ Gegenstände, wie E-Vapes, blinkende Haarreifen, Earpods und Kinderspielzeug mit verbauten Akkus eine Brandgefahr in sich. Viele enthalten zudem oft noch Restenergie und sind keineswegs ‚leer‘, wenn sie weggeworfen werden. Das zeigen etliche Beispiele von Brandfällen in der Vergangenheit.“

Gefährliche Helfer

Dem stimmte auch Bundesgremialobmann Robert Pfarrwaller zu: „Das Wichtigste ist die ordnungsgemäße Entsorgung. Man muss bei den Endkonsumenten das Bewusstsein dafür entwickeln, dass viele unserer technischen Wegbegleiter brandgefährlich sein können.“ Lithium-Energiespeicher sind in vielen Geräten verbaut und de facto kann man diese nicht alle mit einem Pfand belegen. Deswegen müsse man nach Ansicht von Pfarrwaller sorgen, dass die Endkonsumenten die richtige Sammlung der Batterien und Akkus sicherstellen.

Feuerwehr warnt vor unberechenbarer Gefahr

Feurig: Powerbanks werden bei einer Beschädigung zu einem massiven Gefahr.

Wie unberechenbar die Situation für Einsatzkräfte ist, verdeutlichte das Live-Experiment des Bundesfeuerwehrverbandes. Martin Mittnecker, Referatsleiter für vorbeugenden Brandschutz, koordinierte die Vorführung: „Brände dieser Art entzünden gewaltige Abfallmengen. Die Bekämpfung ist langwierig und kann mehrere Tage beanspruchen. Problematisch ist dabei nicht nur der hohe Aufwand an Mannschaft, Gerät und Sonderlöschmittel, sondern auch die erhebliche Schadstoffbelastung in der Luft über einen langen Zeitraum. Zudem stellt das kontaminierte Löschwasser eine zusätzliche Belastung dar, da es aufgefangen und aufwendig entsorgt werden muss.“

Berthold Kren, Segmentsleiter Österreich von Saubermacher, warnt in diesem Zusammenhang zudem vor den ökonomischen Folgen nach einem solchen Brandfall: „Die Schäden belaufen sich in Österreich bereits auf mehrstellige Millionenbeträge. Das führt zu einem großen Problem mit Versicherungen: Viele Versicherungsanstalten erhöhen die Prämien drastisch oder steigen ganz aus, da die Schadenssummen nicht mehr kalkulierbar sind. Das ist ein enormes Risiko für die gesamte Recycling-Infrastruktur.“

Bündel von Maßnahmen notwendig

Um das Brandrisiko nachhaltig zu minimieren und die österreichische Abfallwirtschaft zu schützen, sei ein Bündel an Maßnahmen unumgänglich. Neben einer verstärkten Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung der Bevölkerung für die Gefahren falsch entsorgter Lithium-Batterien braucht es klare regulatorische Rahmenbedingungen, wie beispielweise ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten, das voraussichtlich Ende 2026 in Kraft treten soll.

„Es braucht einen Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft sowie die aktive Mithilfe der Bevölkerung. Nur wenn wir Batterien und Lithium-Akkus als wertvolle, zugleich aber potenziell gefährliche Ressourcen verstehen und konsequent richtig entsorgen, gewährleisten wir einen sicheren Betrieb unserer Entsorgungsinfrastruktur und vermeiden Risiken für Mensch und Umwelt.“, so Bundesminister Totschnig abschließend.

 

Selbst E-Grußkarten können bei einer mechanischen Beschädigung der Lithium-Batterie große Brände auslösen ( Video © EAK).

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