Heute kein Shampoo, dafür viel Klopfen
(© Pixabay)
Ich bin nicht abergläubisch. Wirklich nicht. Und trotzdem verschiebe ich im Zweifel das Haarewaschen, klopfe beim Einsteigen ins Flugzeug kurz auf Holz und fordere manche Dinge lieber nicht heraus. Nur für den Fall.Am 17. Februar war chinesisches Neujahr und plötzlich war das Internet voll mit Videos, was man alles auf keinen Fall tun sollte. Die wichtigste Regel: Shampoo-Verbot. Ich gebe zu: Das klingt wie ein schlechter Witz, ist aber Tradition. Wer sich am Neujahrstag die Haare wäscht, wäscht symbolisch seinen Wohlstand für das restliche Jahr weg. Warum, fragen Sie sich? Der Grund ist eigentlich einfach: Im Chinesischen klingt das Wort für Haare (fa) fast wie das Wort für Wohlstand (facai). Wer sich also am Neujahrstag die Haare wäscht, wäscht symbolisch auch sein Glück weg. Klingt logisch, also verschiebt man das Haarewaschen lieber auf morgen. Sicher ist sicher. Und nicht nur im Bad ist Vorsicht angesagt. Auch Putzen gilt als tabu. Staubsaugen oder Müll rausbringen könnte nämlich das neue Glück gleich wieder hinausbefördern. Endlich hat man eine Ausrede für ein bisschen Chaos 😉
Ich würde von mir behaupten, nicht besonders abergläubisch zu sein. Wirklich nicht. Und trotzdem klopfe ich beim Einstieg ins Flugzeug dreimal auf die Außenwand. Nicht ein- oder zweimal — sondern genau dreimal. Ich habe keine Flugangst, noch nie Turbulenzen erlebt, aber ohne Klopfen fühlt es sich irgendwie auch falsch an. Ich will schließlich nichts riskieren oder gar das Schicksal herausfordern. Und anscheinend bin ich nicht allein damit. Selbst Stars wie Jennifer Aniston klopfen vor dem Einsteigen an die Flugzeugtür und betreten die Maschine mit dem rechten Fuß zuerst. (Na habe ich ein Glück ;))
13 – die Unglückszahl?
Apropos Flugzeug: Vielleicht ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass nach Reihe 12 direkt Reihe 14 kommt, die 13 fehlt. Viele Airlines lassen sie weg, weil sich manche Passagiere mit dieser Zahl unwohl fühlen. Die Angst vor der Zahl 13 nennt man Triskaidekaphobie. Und weil Fliegen für viele ohnehin mit Nervosität verbunden ist, wird die Zahl einfach übersprungen, damit sich Passagiere sicherer fühlen.
Was mich gleich zum nächsten Klassiker bringt: Freitag, der 13. Der letzte war gar nicht so lange her — am 13. Februar — und der nächste steht schon vor der Tür. Für viele ist dieser Tag die perfekte Kombination aus Unglückszahl und Unglückstag. Nach christlicher Tradition sollen an einem Freitag etwa Adam und Eva aus dem Paradies ausgestoßen worden sein und die Römer Jesus Christus ans Kreuz genagelt haben. Doch passieren an einem Freitag, den 13. wirklich mehr Unfälle? Die kurze Antwort: Nein. Eine Auswertung der Helvetia Versicherung von über 3,1 Millionen Schadenfällen zeigt, dass ein Freitag, der 13., statistisch kaum von anderen Tagen abweicht. Die Anzahl der Schadenmeldungen lag dabei nur minimal über dem Durchschnitt – im Schnitt um wenige Fälle mehr.
Interessant ist außerdem: Aberglaube ist kulturell sehr unterschiedlich. Während bei uns die 13 als Unglückszahl gilt, wird in anderen Ländern die 17 gemieden. In China wiederum vermeidet man die 4, weil die Zahl (sì) ähnlich klingt wie das Wort für tot (sǐ).
So ein Quatsch?
Ein Aberglaube, den ich hingegen nie verstanden habe, ist die Sache mit der schwarzen Katze. Der Aberglaube, dass schwarze Katzen Unglück bringen, hat in Europa eine lange Tradition. Bereits im Mittelalter wurden Katzen mit schwarzer Magie und Hexerei in Verbindung gebracht. In der frühen Neuzeit begannen die Hexenverfolgungen. Schätzungsweise 40.000 bis 60.000 Menschen wurden hingerichtet, weil sie der Hexerei verdächtigt worden waren. Zusammen mit ihnen wurden mindestens genauso viele Fellnasen auf den Scheiterhaufen verbrannt. Der Deutsche Tierschutzbund e. V. hat hierzu 313 Tierheime befragt. Fast die Hälfte dieser Tierheime bestätigt, dass schwarze Katzen schwerer zu vermitteln sind als andere Katzen. Bei schwarzen Hunden sagen sogar 55 Prozent der befragten Tierheime, dass sie seltener aufgenommen werden.
Am Ende ist Aberglaube vielleicht einfach der Versuch, ein wenig Kontrolle zu behalten in einer Welt, die man eben nicht immer im Griff hat. Eigentlich sind wir ja vernünftig. Wir wissen, dass das meiste davon Quatsch ist. Und trotzdem waschen wir uns im Zweifel nicht die Haare, lassen den Staubsauger stehen oder klopfen kurz auf Holz.
Sicher ist sicher.

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