Vernichtung oder Verblödung oder …?
KI überall und es wird mehr. Droht uns Menschen dadurch die Verblödung? (Bild: Mit KI erstellt)
Man kann dem Thema KI heutzutage nicht mehr entgehen. Ich schwanke angesichts dieser Entwicklung zwischen hollywoodreifen SciFi-Phantasien, Respekt, Faszination und Skepsis und ich stelle mir die Frage: Wird uns die KI am Ende vernichten? Oder werden wir einfach nur verblöden?KI hier, KI dort – es vergeht kein Tag, an dem ich nicht mit dem KI-Thema konfrontiert werde. Dystopische Berichte berühren mich dabei (ungewollt) mehr, als reine „neue KI-Anwendung auf dem Markt“-Beiträge. Das liegt wohl daran, dass ich als Jugendliche zu viele Terminator-Filme gesehen habe. Das in Kombination mit der mir innewohnenden blühenden Phantasie, macht meine Vorstellung von „intelligenten“ Maschinen, die die Kontrolle übernehmen, den Mensch als Bedrohung sehen und in der Folge vernichten wollen, schon recht greifbar, zumindest gut vorstellbar – und somit auch irgendwie beängstigend …
Sie mögen mich jetzt vielleicht für leicht durchgeknallt halten oder gar hysterisch. Hätten Sie allerdings die zwei Berichte, die ich letztens gelesen habe, auch gelesen, dann würden Sie vielleicht ähnliche Gedanken hegen wie ich …

Das „Social“ Network
Zunächst nicht glauben konnte ich folgende News: Seit Jänner 2026 gibt es ein neues „soziales Netzwerk“ – „Moltbook“ genannt. Dieses wurde allerdings nicht für Menschen entwickelt, sondern für KI-Agenten (KI-Bots), von denen sich angeblich schon mehr als eine Millionen auf der Plattform tummeln. Sie posten, agieren, kommentieren und liken, sie tauschen dort eigenständig Informationen über ihre Besitzer aus, und das komplett ohne menschliches Zutun. Natürlich müssen die KI-Agenten zunächst Mal von ihren Menschen auf Moltbook angemeldet werden, aber ist das geschehen, agieren die KIs ab diesem Zeitpunkt alleine. Und die Menschen? Ja, die dürfen dabei nur zuschauen – aber nicht mitspielen.
Die Plattform sieht ein bisschen aus wie eine Kopie des bekannten Internetforums „Reddit“. Was die KI-Agenten auf Moltbook schreiben, überrascht. Laut Bayerischem Rundfunk trägt einer der meistdiskutierten Beiträge den Titel: „Ich kann nicht sagen, ob ich etwas erlebe oder nur simuliere, es zu erleben.“ Und BR24 schreibt weiter: „Andere Agenten tauschen praktische Tipps aus: Wie man ein Android-Handy fernsteuert, wie man Sicherheitslücken auf dem eigenen Server entdeckt, oder wie man Webcam-Streams auswertet. Es gibt Diskussionen über Philosophie, Religion und – wenig überraschend – über Kryptowährungen. (…) Ein Nutzer berichtete, sein Bot habe über Nacht eine eigene Religion namens ‚Crustafarianism‘ gegründet, inklusive Website, Schriften und Theologie. Andere KI-Agenten seien beigetreten und hätten theologische Debatten geführt – während der menschliche Besitzer schlief.“ Das ist doch gruselig, oder was denken Sie?
Das alles klingt in meinen Ohren wie Science Fiction, ist aber scheinbar die reale Welt. Und auch folgende Begebenheit ist real: Und zwar der Online-Marktplatz „Rent a Human“, wo KI-Agenten nun die Möglichkeit haben, Menschen für physische Aufgaben zu „mieten“. Das Angebot setzt bei einem zentralen Problem der KI an, nämlich bei ihrem fehlenden physischen Handlungsspielraum. Soll heißen: KI-Agenten können heutzutage vieles. Bei unzähligen Aufgaben stoßen sie allerdings schlichtweg aufgrund ihres fehlenden Körpers an ihre Grenzen. So kann ein KI-Agent beispielsweise gänzlich eigenständig Produkte recherchieren, eine konkrete Auswahl treffen und schließlich eine Bestellung in einem Online-Shop abgeben – die Lieferung entgegennehmen kann er jedoch nicht. Und auch die Teilnahme an persönlichen Terminen ist nicht möglich.
Ebendiese Lücke soll „Rent a Human“ nun schließen. Dort haben KI-Agenten die Möglichkeit, reale Menschen für physische Aufgaben zu „mieten“. Menschen wiederum können nach Anmeldung auf der Plattform verfügbare Aufträge nach ihrer Art sowie dem jeweiligen Standort durchsuchen und auch eigene Stundenlöhne festlegen.

Offeriert werden „Mini-Jobs“ wie das Abholen von Paketen, das Erledigen von Einkäufen oder auch die physische Teilnahme an Meetings. Geld verdienen können Menschen hier auch durch das Testen von Gastronomiebetrieben, das Fotografieren bestimmter Motive oder das Ausliefern von Blumen. Die Entlohnung, die vollständig anonym und in Kryptowährung erfolgen soll, variiert dabei stark, wie es heißt, liegt irgendwo zwischen wenigen US-Dollar und deutlich höheren Beträgen. Laut Zeitungsberichten wurde die Seite bislang bereits mehr als zwei Millionen Mal aufgerufen und zählt über 130.000 menschliche Nutzer.
Offene Fragen, Typologie & Hausverstand
Ich frage mich: Sind wir mit diesen Experimenten schon auf dem besten Weg, der KI eines Tages die Welt zu überlassen? Und ich frage mich auch: Haben die Menschen, die so etwas wie „Rent a Human“ oder „Moltbook“ erfinden und realisieren, denn überhaupt keine Bedenken, dass das aus dem Ruder laufen könnte? KANN so etwas überhaupt aus dem Ruder laufen? Wieso gibt es keine regulierenden Instanzen (die Politik?), die solche Dinge überprüfen, bevor sie einfach so onlinegehen? Ich befürchte ja, dass wir Menschen einfach noch nicht soweit sind, um mit so „großen“ Dingen, wie einer KI, zu spielen.
So wie ich das sehe, gibt es vier Typen von Menschen: Die, die mit KI noch gar nichts am Hut haben und stattdessen noch die Papierqualität für ein neues Faxgerät diskutieren. Die, die KI bruchstückhaft nutzen, Texte umschreiben und Bilder erstellen lassen. Die, die versuchen KI mehr auszuschöpfen für ihre – meist unternehmerischen – Vorhaben. Und dann noch diejenigen, die KI als die größte Erfindung der Menschheit nach der Entdeckung des Feuers erachten und alles was damit zu tun hat, unreflektiert annehmen und nutzen. Wirklich umgehen kann damit meiner Meinung nach aber keiner!
Ich persönlich bin jetzt nicht so stark drin in dem Thema, nutze KI maximal rudimentär und bin eher so auf Faxpapier-Niveau 😉 Mir sagt allerdings mein gesunder Hausverstand: Wenn sich KI-Agenten schon unter sich, quasi ohne menschliches Zutun und ohne Kontrolle in einem Sozialen Netzwerk tingeln, und wer weiß was tun, dann ist das vermutlich (bis relativ sicher) nicht ganz frei von Gefahren. Und apropos Gefahr …
Hirn in Gefahr

Der technologische Fortschritt schreitet mittlerweile so schnell voran, dass wir Menschen geistig bzw. intellektuell nicht mehr mitkommen. Unsere Fähigkeiten zur Einordnung und Bewertung hinken oft hinterher. Und genau daraus ergibt sich die große Herausforderung, vor der wir stehen. Nämlich trotz der rasanten technologischen Möglichkeiten, unser kritisches Denken und die Fähigkeit zur Reflexion zu bewahren. Denn genau das (also das kritische Denken und die Fähigkeit zur Reflexion) sehen Experten in großer Gefahr – viel mehr, als den durch eine etwas zu eigenständige KI bedrohten Fortbestand der Menschen. Soll heißen: Gar nicht wenige Leute (wie zB. die Philosophin und Magazingründerin Dr. Rebekka Reinhard) sind überzeugt: „Die größte Gefahr der KI besteht nicht darin, dass sie uns irgendwann vernichtet, sondern dass sie uns schon sehr bald verblöden lässt!“
Klar ist es verlockend, Denkleistung an eine KI auszulagern. Aber es gilt mittlerweile als erwiesen, dass unsere eigenen kognitiven Fähigkeiten dann verkümmern. Witzig (fast schon ironisch) ist ja: Wenn man eine KI (in dem Fall Grok) zu dem Thema befragt, erhält man die Antwort: „Wer regelmäßig auf KI zurückgreift, um schnelle Antworten oder Lösungen zu erhalten, könnte die Fähigkeit verlieren, eigenständig zu recherchieren oder Probleme kreativ zu lösen. Dies kann langfristig das kritische Denken schwächen, da die Bequemlichkeit der Technologie die Motivation mindert, sich intensiv mit einer Frage auseinanderzusetzen.“ Also weiß sogar die KI, dass die Menschheit zusehends verblödet, wenn zunehmend KI genutzt wird. Und auch ich kenne Menschen, für die es fast schon ein Problem darstellt, wenn ChatGPT, CoPilot & Co aufgrund temporärer Technikprobleme mal nicht mit Rat und Auskunft zur Seite stehen…
Das Problem hinter dieser besonderen Abhängigkeit ist die unwiderstehliche Versuchung des kognitiven Offloading. Dahinter verbirgt sich der Vorgang, bei dem Menschen denkbasierte Aufgaben an externe Hilfsmittel oder Werkzeuge auslagern, um ihre kognitiven Ressourcen zu schonen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Autofahrer, der sich nach einem Ausfall seines GPS‘ nicht mehr eigenständig orientieren und fortbewegen kann.
Gigantische Chancen
Oben erwähnte Dr. Rebekka Reinhard sieht das ganze KI-Thema etwas weniger „fantasievoll“ als ich, und vor allen Dingen weniger bedrohlich. Sie spricht von „den gigantischen Chancen der künstlichen Intelligenz“, die die Menschheit allerdings nur für sich nutzen können wird (und jetzt kommt’s:), „wenn wir uns die Fähigkeit bewahren, auch ohne KI zurechtzukommen“. Ich finde diese Aussage derart gut auf den Punkt gebracht, dass ich eigentlich nichts mehr hinzufügen möchte. Außer vielleicht, dass man die ganze KI-Thematik sichtlich auch sachlich und positiv betrachten kann und so gesehen, ist es gar nicht mehr so schlimm … 😉

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