Landesgremium NÖ: „Man darf nicht stehenbleiben!”
An der Spitze des niederösterreichischen Elektro- und Einrichtungsfachhandels – dem mitgliederstärksten Landesgremium – sind GF Katja Fischer und Obmann Gerhard Schabschneider mittlerweile gut eingespielt.
Mit rund 3.400 Betrieben ist Niederösterreich weiterhin das flächenmäßig größte und zugleich mitgliederstärkste Bundesland des Elektro- und Einrichtungsfachhandels – das aber genauso wie die anderen mit sinkenden Lehrlingszahlen zu kämpfen hat. Für die Spitze der Interessenvertretung, Landesgremialgeschäftsführerin Katja Fischer und Obmann Gerhard Schabschneider ein besonders wichtiger Punkt, verantwortet der Funktionär doch auch den Bereich Lehre und Ausbildung auf Bundesebene.In der neuen Funktionsperiode hat es einige personelle Änderungen gegeben und dementsprechend weht viel frischer Wind im Landesgremium Niederösterreich. Allerdings sind nicht nur die Ambitionen, sondern auch die Herausforderungen groß – insbesondere im eingangs genannten Nachwuchsbereich.
Gerhard Schabschneider: Wir versuchen da natürlich gegenzusteuern, aber bei den Lehrlingen befinden wir uns in der schwierigen Situation, dass aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge weniger junge Menschen zur Verfügung stehen und wir als Elektro- und Einrichtungsfachhandel nicht so im Fokus stehen wie etwa Installateur, Mechaniker oder Elektrotechniker. Andererseits – und das kenne ich aus meinem eigenen Betrieb – muss man schon sagen: Wer heute keinen Lehrling ausbildet, hat auch keinen Facharbeiter bzw. keinen Fachberater. Natürlich sind manche Lehrlinge schwierig und es bleibt nicht jeder nach der Lehre im Unternehmen, aber ein gewisser Teil auf jeden Fall und bei einem selbst ausgebildeten Verkäufer weiß man einfach, wie er ist und was er kann. Das ist meines Erachtens viel wert.
Katja Fischer: Daher versuchen wir unsere Lehrbetriebe und deren Lehrlinge mit gezielten Maßnahmen zu unterstützen, etwa durch die Anschaffung moderner Geräte für die Berufsschule oder ein Verkaufstraining, das wir ganz gezielt für unsere Lehrlinge im dritten Lehrjahr organisieren. Außerdem bieten wir im Elektrohandelsbereich über das Bundesgremium regelmäßig Webinare an, bei denen immer auch noch ein Gewinnspiel zusätzlich zur Teilnahme motivieren soll. Auf der Website www.elektrohandelsprofi.at finden Elektrohandels-Lehrlinge die aktuellen Lernunterlagen sowie umfassende Fachinformationen, während für die Lehrlinge im Einrichtungsbereich die Einrichtungsberater-App – kurz EBA-App – kreiert wurde.
E&W: Als möglicher Lösungsansatz soll der Beruf des Verkäufers ja insgesamt attraktiviert werden – Stichwort HBB…
Schabschneider: Wir beschäftigen uns intensiv damit, was man nach der Lehre machen kann und welche Chancen sich bieten. Bei einem Elektriker ist das vergleichsweise einfach, der kann sich spezialisieren, zusätzliche Module absolvieren oder sich höher qualifizieren. Doch auch in unserer Sparte gilt, dass man sich nach der Lehrabschlussprüfung nicht einfach zurücklehnen darf. Die Technik bleibt auch im Elektro- und Einrichtungsfachhandel nicht stehen und die Geräte entwickeln sich weiter, Mobiltelefone ebenso wie Unterhaltungselektronik oder Weißware. Gleichzeitig bieten die Geräte immer mehr Funktionen und können miteinander vernetzt werden – und gerade die Vernetzung ist eines unserer großen Zukunftsthemen.
Das heißt, auch der Fachverkäufer darf nicht stehen bleiben, sondern muss sich informieren und mit der Technik auseinandersetzen – und das dann mit den Anforderungen des Kunden in Einklang bringen. Es kommt oft so rüber, als wären die Verkäufer im Fachhandel eben „nur“ Verkäufer – aber die müssen fachlich gut sein und etwas drauf haben, sonst können sie gar nichts verkaufen. Dahingehend kommt ohnehin ein gewisser Druck durch die digitalen Medien und neuerdings auch KI, da Kunden heute jeglichen Begriff in Google & Co. eingeben können – und hier muss sich der Fachverkäufer durch seine Beratung und die Serviceleistungen abheben. Daher kann ich nur an jeden Verkäufer appellieren, dran zu bleiben und sich laufend weiterzubilden.
Mit welchen Herausforderungen hat der Elektro- und Einrichtungsfachhandel in Niederösterreich generell zu kämpfen?
Schabschneider: Man muss hier unterscheiden: Bei den Einrichtern wurden Küchen oder sonstige Möbel früher oft noch von der hauseigenen Tischlerei gefertigt und dann bei Kunden montiert – heute ist das allermeiste Handelsware. Dafür sind die Einrichtungsfachhändler beim Kunden vor Ort, wenn sie Küchen, Wohnzimmer & Co. planen. Wenn man hier einen guten Berater hat, kann dieser schon sehr viel in die Richtung lenken, was verkauft und dann installiert wird – Stichwort Wohnkomfort, Lichtsteuerung und Smart Home. Denn umsetzen muss das Ganze ja der Elektriker. Im Elektrohandel wiederum sind viele Betriebe auch im Elektrogewerbe tätig, d.h. da gibt es entsprechende Bestätigungsfelder. In manchen Bereichen hat der Elektrohandel ein bisschen an Boden verloren, wie etwa bei der Erstausstattung von Küchen oder auch bei der Beleuchtung, die man heute üblicherweise im Möbelhandel oder auch im Baumarkt findet. Das Laufgeschäft mit Batterien, Leuchtmittel u.Ä. ist ebenfalls fast zur Gänze zum Baustoff- und v.a. dem Lebensmittelhandel abgewandert. Und natürlich ist Service ein klares Asset des Elektrofachhandels: Betriebe, die reparieren, verkaufen auch dementsprechend.
Gibt es konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Betriebe?
Fischer: Seitens der Wirtschaftskammer steht hier nach wie vor die branchenübergreifende Regionalitätskampagne #ichkauflokal im Vordergrund, mit der die Bedeutung des regionalen Einkaufs aus Sicht der Konsumenten unterstrichen wird – und natürlich beteiligen sich auch viele Elektro- und Einrichtungsfachhändler an dieser Initiative.
Wie steht es um Kooperationen mit anderen Sparten?
Fischer: Gemeinsam mit dem Baustoff-, Eisen- und Holzhandel sowie den Versicherungsagenten, die beide ebenfalls bei uns in der Gremiengruppe 7 angesiedelt sind, gibt es regelmäßig Veranstaltungen zu rechtlichen Themen, die zugleich auch den fachlichen Austausch fördern und Impulse über die Branchengrenzen hinweg liefern sollen. In diesem Rahmen wurden bereits Seminare zu Social Media, Arbeitsrecht, Gewährleistungsrecht und zu Nebenrechten angeboten.
Schabschneider: Nebenrechte sind grundsätzlich ein großes Thema, weil die Händler natürlich mehr als „nur” den Verkauf machen wollen und sich die Frage stellt, was man darf. Zumal unsere Branche seit der Ostöffnung ja auch getrieben ist von den Betrieben, die da hereinarbeiten – oft gewerkeübergreifend.
Wie beurteilen Sie die Kommunikation mit den Händlern?
Fischer: Uns ist der direkte Kontakt besonders wichtig, daher setzen wir vermehrt auf Präsenzveranstaltungen. Ergänzend bieten wir regelmäßig Webinare zu aktuellen Themen an und informieren unsere Mitglieder per Newsletter. Heuer im Mai geht‘s zu Team7 und Strasser Steine, im Juli folgt wieder unser Impuls-Sommer mit gemeinsamen Betriebsbesuchen und im Herbst sind Vorträge zu KI sowie Gewährleistungsrecht geplant. Außerdem möchte ich noch unseren E-Commerce Service hervorheben, der umfassende Services zu allen „digitalen” Themen bietet und auch spezielle Webinare und Workshops, zu denen natürlich alle Mitglieder herzlich willkommen sind.
Das Landesgremium Niederösterreich im Überblick:
Obmann: Gerhard Schabschneider
Stellvertreter: Manfred Arnauer Stellvertreter: Ludwig Krenn
Geschäftsführerin: Katja Fischer Assistentin: Sabine Ganner
Telefon: 02742 / 851-19370
Mail: handel.gremialgruppe7@wknoe.at
Web: wko.at/noe/elektro-einrichtung


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