Besuchen Sie uns auf LinkedIn
Samstag, 18. April 2026
Hintergrundkommentar E&W 3/2026

Alles hat seinen Preis

Hintergrund | Dominik Schebach | 08.03.2026 | Bilder | |  Meinung

Dominik Schebach
Ich verrate hier kein Geheimnis: Aber viele der Produkte und Services, welche bei uns als besonders billig auf den Markt kommen, haben diesen geringen Preis, weil viele der damit zusammenhängenden Kosten auf die Gemeinschaft abgeschoben werden. Sprich, auf uns alle. Die Kosten werden externalisiert. Dies verzerrt den Wettbewerb und bestraft diejenigen, welche sich an die Regeln halten. Dass sich das eine Gemeinschaft nicht auf Dauer gefallen lassen kann, versteht sich von selbst.

Ein klassischer Fall von Externalisierung der Kosten stellen für mich Marktplätze wie Temu und Shein dar. Fernost-Händler auf diesen Marktplätzen externalisieren die Kosten, ob das nun die Sammlung von Elektroschrott trifft oder die Wiederverwertung des Verpackungsmaterials. Die Kosten bleiben bei denen hängen, die hierzulande das System erhalten. Es hat mich deswegen mit einer gewissen Befriedigung erfüllt, als am 11. Februar dieses Jahres der Fachministerrat der EU die Einführung des Pauschalzolls auf Kleinsendungen aus Drittstaaten endgültig beschlossen hat. Dass es so lange gedauert hat, ist jetzt kein Ruhmesblatt der EU. Aber schlussendlich haben sich alle Staaten zu dieser Maßnahme bekannt.

Damit wird mit 1. Juli die schwellenwertbasierte Zollbefreiung abgeschafft, die bisher für Warensendungen im Wert von unter 150 Euro galt. Dass diese Regelung zu einem umfassenden Missbrauch einlud, darüber haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder berichtet. So wurde bei Sendungen aus Fernost routinemäßig ein viel zu geringer Warenwert angegeben und damit die Zollabgabe umgangen. Noch positiver stimmt mich, dass dieser nun eingeführter Pauschalzoll nur eine Übergangslösung ist. Denn mit der für die Zukunft geplanten Erweiterung der EU-Zollplattform soll die Einfuhr von Waren aus Drittstaaten – sprich China – auf ein vollkommen neues Fundament gestellt werden. Dann soll die Verzollung nicht nur über eine zentrale Plattform abgewickelt werden, sondern auch der jeweilige Einfuhrzoll ab dem ersten Cent greifen.

Ich hoffe allerdings, dass es nicht dabei bleibt. Denn Produkte, die regulär in Österreich in den Handel kommen, sind mit einer Unzahl an Gebühren – von E-Schrottabgabe bis URA – belastet. Wenn Online-Händler aus dem Ausland diese Kosten nicht zu tragen haben, dann haben sie einen unfairen Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig bin ich allerdings auch der Meinung, dass man auch die Endkunden in einer gewissen Weise erziehen muss. Denn die Endkunden nehmen zwar Preisunterschiede wahr, verstehen aber in der Regel nicht, was damit verbunden ist, bzw. sie verdrängen es.

Den Wert, den z.B. ein funktionierendes Sammelsystem für Elektroschrott darstellt, sehen sie nicht. Die oft gehörte Aussage, was machen schon „meine Kopfhörer, das Billighandy und der Lockenstab“ aus, täuscht darüber hinweg, dass damit über ein Jahr pro Konsumenten recht schnell ein paar Kilogramm Verpackungsmaterial und Elektroschrott zusammenkommen können. Es wäre deswegen angebracht, dass die Entsorgungsbeiträge auch auf der Rechnung bzw. dem Lieferschein ausgewiesen werden. Denn Konsumentensicherheit und Umweltschutz haben ihren Preis.

Bilder
Diesen Beitrag teilen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

An einen Freund senden