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Samstag, 18. April 2026
Anlässlich des Weltfrauentags: Eaton-GF Michaela Sadleder im Gespräch

„Motivation sticht Klischees”

Wolfgang Schalko | 08.03.2026 | Bilder | |  Meinung
Aus Sicht von Eaton-Geschäftsführerin Michaela Sadleder geht es für Frauen – ganz besonders die jungen – darum, das Ruder zu ergreifen und sichtbar zu werden. Aus Sicht von Eaton-Geschäftsführerin Michaela Sadleder geht es für Frauen – ganz besonders die jungen – darum, das Ruder zu ergreifen und sichtbar zu werden. (© Eaton) Am heutigen 8. März wird alljährlich der Internationale Frauentag oder kurz Weltfrauentag gefeiert, der traditionell im Zeichen des Kampfes um Emanzipation und Gleichberechtigung steht. Dass die Elektrobranche hier noch Aufholbedarf hat, steht außer Zweifel – aber auch, dass es eine (steigende) Zahl an Beispielen gibt, wie und wo Frauen ihren Weg in einer vermeintlichen Männerdomäne machen. Vor diesem Hintergrund spricht Michaela Sadleder, Geschäftsführerin von Eaton Industries Austria, über ihre persönlichen Erfahrungen, welche Rolle die Unternehmenskultur spielt und wie sich gerade junge Frauen behaupten können.

Eaton gehört mit mehr als 92.000 Mitarbeitern und 27,4 Mrd. US-Dollar Konzernumsatz zu den großen Technologiekonzernen der Elektrobranche. Seit 2020 verantwortet Michaela Sadleder als Geschäftsführerin / Country Sales Manager Austria die nationalen Vertriebsagenden des Unternehmens sowie als Cluster Sales Manager Austria & Switzerland auch in der ALPS-Region.

E&W: Wie sind Sie als Frau in einer technischen Sparte gelandet? Und warum ausgerechnet in der Elektrobranche?

Michaela Sadleder: Für mich stellt sich die Frage weniger, wie ich als Frau in der Technik gelandet bin, sondern vielmehr, warum ich mich bewusst für technische Unternehmen entschieden habe – und das gleich mehrfach im Laufe meiner Karriere. Mich reizt die Kombination aus hoher Wirksamkeit und technischer Komplexität. In der Elektrobranche ist natürlich Strom die Grundlage für alles, von Produktion über Sicherheit bis hin zu Infrastruktur und Digitalisierung, und genau das ist das Spannende an dieser Branche: Es geht nicht nur um die Hardware, sondern wirklich um den Hebel, um Dinge energieeffizienter, sicherer und nachhaltiger zu machen – und somit ist eigentlich jedes Elektrotechnikunternehmen auch ein Energiewendeunternehmen, das elementar die Zukunft gestaltet. Daran fasziniert mich persönlich ungemein, dass Technik am Ende wirkliche Teamarbeit ist. Alles muss zusammenspielen, um eine Lösung bieten zu können, die beim Kunden funktioniert.

Bei Eaton bedeutet diese Breite an Anwendungen, die wir anbieten können, eine sehr starke Positionierung. Das ist die eine Seite, die Eaton hier äußerst attraktiv macht. Und die andere sind die Maßnahmen, mit denen wir im Unternehmen ganz konkret die Inklusion fördern und Barrieren abbauen wollen. Es gibt dazu in Österreich bekannte Gleichstellungsprojekte, in deren Rahmen jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin – nicht nur Führungskräfte – die Möglichkeit hat, sich zu engagieren und lokal, national und global zu vernetzen.

Kommt das auch bei den Mitarbeitern an, insbesondere bei den Lehrlingen, sodass sich mehr Mädchen für die Berufsangebote bei Eaton interessieren?

Gerade das ist eine Mega-Erfolgsstory bei uns. Obwohl in Österreich und auch in Niederösterreich der Lehrlingsmarkt generell zurückgegangen ist, konnten wir 2025 mit 14 neuen Auszubildenden einen Rekord verzeichnen und haben im aktiven Auszubildendenbestand jetzt 50% weibliche Lehrlinge. Das macht mich unheimlich stolz und spricht für das lokale Team in Schrems, das da sehr viele konkrete Maßnahmen gesetzt hat. Da spielt natürlich die Attraktivität eines starken lokalen Unternehmens mit einem internationalen Background, kombiniert mit viel Innovation vor Ort, eine wesentliche Rolle. Darüber hinaus gibt es in Schrems ein sog. Connected Learning Center, wo wir Digitalisierung und Automatisierung für alle Mitarbeitenden – egal aus welchem Bereich – sichtbar machen und so unser „Digital Mindset” festigen und weiterentwickeln. Unser Connected Learning Center präsentieren wir auch allen Schulklassen, die unseren Standort besuchen, und wir stellen schon fest, dass dieses eine hohe Anziehungskraft auf die jungen Menschen ausübt.

Eaton beschäftigt in Österreich rund 950 Menschen, ca. 720 davon am Produktionsstandort Schrems (im Bild). Darunter befinden sich auch 44 Lehrlinge mit einem – für die Elektrobranche ungewöhnlich – ausgewogenen Geschlechterverhältnis. (©Eaton)

Welche Erfahrungen haben Sie als Frau im Laufe Ihrer Karriere gemacht bzw. gab es besonders einprägsame Momente?

Für mich sind es weniger die großen, spektakulären Ereignisse, sondern vielmehr die kleineren Schritte, die sich über die Jahre summiert haben. Frauen in Führungspositionen oder auch in technischen Positionen sind eher die Ausnahme und wenn man sich auf Branchenveranstaltungen umsieht, stellt man auch schnell fest, dass es hier noch keine Parität gibt. Umso schöner ist es für mich zu sehen, dass Frauen einfach mehr und mehr Sichtbarkeit bekommen und mehr gestalten und erreichen können als früher. Der Schlüssel liegt aus meiner Sicht darin, dass sich die Gesprächsebenen sehr schnell verschieben, sobald Kompetenzen wie Leistung, Klarheit und Verlässlichkeit sichtbar sind – und am Ende zählt dann das Ergebnis und nicht, ob es ein Mann oder eine Frau war, der bzw. die die Leistung erbracht hat. Diese Veränderungspro-zesse gehen voran – wobei die Geschwindigkeit natürlich ein anderes Thema ist.

Um sich untereinander und gegenseitig emporzuheben, sind für Frauen Netzwerke und Mentorship – bei uns Allyship genannt – enorm wichtig. Dieses aktive Allyship richtet sich tatsächlich an alle Geschlechter bzw. an alle Teilnehmenden in der Gesellschaft und wir pflegen das intern ganz bewusst, um zu sensibilisieren – beispielsweise mit kleinen Gesprächsrunden, unseren Ally Circles. Denn vor der unbewussten Voreingenommenheit, der sog. Unconscious Bias, sind nicht einmal Frauen selbst gefeit, und ich halte es für ganz besonders wichtig, dass das Thema der Frauen nicht nur von Frauen getrieben wird, sondern von Frauen und Männern gleichermaßen. Wir halten uns also selbst den Spiegel vor, um daraus ein realistisches Bild unserer Unternehmenskultur erhalten, und draus wiederum möglichst konkrete Aktionen abzuleiten und umzusetzen – z.B. mit Männern als „Verbündeten”, die im richtigen Moment aktive Fürsprache leisten.

Was reizt Sie an Ihrer Führungsaufgabe – ganz generell und speziell bei Eaton?

Dass ich gestalten und dadurch die Wirkung auch vervielfachen kann. Es geht also nicht nur darum, selbst abzuliefern, sondern tatsächlich Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Teams schneller, klarer, mutiger und effizienter werden, sodass dadurch im Endeffekt der Kunde bzw. der Markt besser bedient werden kann. Natürlich gibt es auch Gestaltungsmöglichkeiten in Hinblick auf die Sichtbarkeit von Frauen, und wenn wir mehr Frauen in technischen Unternehmen haben wollen, ist es enorm wichtig sehr früh bei der Sichtbarkeit ansetzen, d.h. bei den Ausbildungswegen oder auch bei Rollenmodellen. Z.B. hat eine Auszubildende von Eaton beim „Girls! TECH UP“ Role Model Award des OVE mitgemacht und ein wunderbares Testimonial-Video produziert, das nun andere junge Frauen und Mädchen anregen soll, sich für die Technik zu öffnen und zu begeistern. Daneben bildet natürlich auch die strukturelle Arbeit am Thema Gleichstellung einen wichtigen Aspekt, d.h. nicht nur ein bisschen Symbolpolitik zu betreiben, sondern nachhaltige Veränderungen zu erreichen.

Oft wird über die „besseren“ Führungskräfte diskutiert. Ohne werten zu wollen: Was machen Frauen anders als Männer?

Das würde ich gar nicht so entlang der Frauen- versus Männer-Linie bewerten, weil Führung einfach sehr stark von der Persönlichkeit, dem Kontext sowie der Erfahrung abhängt – und da haben alle die gleichen Voraussetzungen. Was – nicht nur für mich – klar zu sehen ist, ist der mittlerweile vielfach belegte Aspekt, das diverse Teams definitiv bessere Entscheidungen treffen, weil mehr unterschiedliche Perspektiven auf den Tisch kommen. Gute Führung heißt für mich in dem Zusammenhang wirklich gut zuzuhören, klar zu entscheiden, Verantwortung zu teilen bzw. zu geben und Menschen in ihren Rollen wachsen zu lassen. Auch dazu gibt es sehr viele Beispiele bei uns in der Organisation, gerade bei der Sichtbarkeit und Gleichstellung von Frauen: In Schrems haben wir seit 2024 erstmals auch eine Vorarbeiterin in der Produktion und im Vorjahr hat eine Maturaabsolventin nach einer Werkzeugbaulehre bei uns die Lehrabschlussprüfung mit Auszeichnung abgeschlossen – diese studiert jetzt an der TU und arbeitet parallel in unserer R&D-Abteilung.

Angesichts des Weltfrauentags: Sollte es heute nicht eigentlich längst hinfällig sein, über Geschlechterrollen und Gleichberechtigung reden zu müssen?

Natürlich könnte ich sagen, ich wünschte, dass der Weltfrauentag überflüssig wäre. Aber ich sehe diesen eigentlich aus der umgekehrten Perspektive, nämlich als eine wunderbare Gelegenheit, Frauen die Sichtbarkeit zu geben, die ihnen in der Gesellschaft zusteht – sei es im Business oder aus familiärer Sicht. Es ist einfach eine Möglichkeit, über Rollenvorbilder, Entwicklungsmöglichkeiten und positive Beispiele zu sprechen und die Frauen vor den Vorhang zu holen. Obwohl wir bei Eaton mit unseren Maßnahmen und unserem Fokus wahrscheinlich schon ein Vorreiter in puncto gelebte Gleichstellung sind, nutzen wir trotzdem die Chance, klare Botschaften zu vermitteln.

Wenn Sie sich etwas wünschen bzw. sofort ändern könnten, was wäre das?

Für mich ist wichtig und daher ein Teil meiner Arbeitsweise, nicht mit Hauruckmaßnahmen etwas umzudrehen, sondern wirklich nachhaltige Veränderungen in kleineren Schritten herbeizuführen. Nach meiner Erfahrung, aber auch Überzeugung, wirkt das stärker, besser und vor allem länger anhaltend. Wir wollen beispielsweise heuer im Werk in Schrems, aufbauend auf den Aktivitäten der Vergangenheit, einen Roundtable zielgerichtet mit weiblichen Kolleginnen aus verschiedenen Bereichen machen, um herauszufinden, wie viele Kolleginnen Interesse an mehr Verantwortung haben, welche Hindernisse es eventuell gibt und welche konkreten Entwicklungsmaßnahmen daraus abgeleitet und umgesetzt werden können. Diese stetige und konsequente Weiterentwicklung ist für mich der wichtigste Wunsch.

Welche Tipps und Ratschläge können Sie jungen Frauen für ihren Karriereweg geben?

Ein wichtiger erster Schritt für jeden jungen Menschen, besonders aber junge Frauen, besteht darin, sich zu überlegen, was einen wirklich interessiert und welche Motivation man hat, um etwas im Leben zu erreichen und zu bewegen – denn diese Motivation sticht dann immer Klischees.

Ich halte es auch für wichtig, dass junge Menschen früh beginnen, Belege ihrer Wirksamkeit zu sammeln – also nicht nur den Fleiß und den Einsatz zählen zu lassen, sondern tatsächlich die Ergebnisse festzuhalten. Das ist bedeutsam für das Selbstbewusstsein und die Einordnung der Kompetenzen. Gerade junge Frauen sollten sich zudem Mentor:innen und Fürsprecher:innen suchen sowie insgesamt ein aktives Netzwerk pflegen und dieses auch einfordern. Die schon mehrfach angesprochene Sichtbarkeit ist ebenfalls elementar, also sich zu präsentieren, Fragen zu stellen und sich nicht zurückzunehmen, sondern das Ruder in die Hand zu nehmen. Wenn man beabsichtigt, später einmal eine Führungsposition einzunehmen, dann ist darüber hinaus das Thema Selbstreflexion extrem wichtig, d.h. die Fähigkeit, von den eigenen Stärken, aber auch den Verbesserungspotenzialen, möglichst früh ein klares Bild zu entwickeln und daran entsprechend zu arbeiten.

Am Wichtigsten ist jedoch, die eigenen Stärken zu stärken – und Frauen haben hier jede Menge. Wenn man diese gut nutzt und ausbaut, dann kann dabei eigentlich nur ein erfolgreicher Karriereweg herauskommen. 

Eine der starken Frauenstimmen in der Elektrobranche: Bundesgremial-GF Bianca Dvorak (©Stephan Huger)

 

Bundesgremial-Geschäftsführerin Bianca Dvorak zum Weltfrauentag

„Frauen sind für Innovation und Know-how in der Elektro- und Energiewirtschaft unverzichtbar – trotzdem sind sie in der Branche weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Umso wichtiger sind Initiativen wie Oesterreichs Energie Powerfrauen, die Vorbilder sichtbar machen und somit Impulse für mehr Frauen in der Technik und Führung setzen“, hält die Geschäftsführerin des Bundesgremiums des Elektro- und Einrichtungsfachhandels, Bianca Dvorak, anlässlich des Weltfrauentages fest.

Das angesprochene Netzwerk „Oesterreichs Energie Powerfrauen” ist eine Initiative von Oesterreichs Energie, um die E-Wirtschaft – mit nur 24% Frauenanteil an den Gesamtbeschäftigten und 10% im Top-Management eine der „männlichsten“ Branchen in Österreich – für Frauen attraktiver zu machen. Powerfrauen zeigt Vorbilder und Karrierewege in der Branche und will die Diversität in der österreichischen Energiebranche erhöhen.

Bilder
Aus Sicht von Eaton-Geschäftsführerin Michaela Sadleder geht es für Frauen – ganz besonders die jungen – darum, das Ruder zu ergreifen und sichtbar zu werden.
Aus Sicht von Eaton-Geschäftsführerin Michaela Sadleder geht es für Frauen – ganz besonders die jungen – darum, das Ruder zu ergreifen und sichtbar zu werden. (© Eaton)
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