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Samstag, 13. Juni 2026
Faktencheck statt politischer Warteschleife

PV Austria fordert Kurswechsel

Photovoltaik Energiezukunft | Julia Jamy | 27.03.2026 | |  
Vlnr.: Christoph Mair (Bereichsleiter MEA Solar bei eww Anlagentechnik Gmbh & Vorstandsmitglied PV Austria), Vera Immitzer (Geschäftsführerin PV Austria) und Christoph Dolna-Gruber (Strategy & Business Development, Österreichische Energieagentur) Vlnr.: Christoph Mair (Bereichsleiter MEA Solar bei eww Anlagentechnik Gmbh & Vorstandsmitglied PV Austria), Vera Immitzer (Geschäftsführerin PV Austria) und Christoph Dolna-Gruber (Strategy & Business Development, Österreichische Energieagentur) (© Michael Hedl objektiv.gesehen) Der Bundesverband Photovoltaic Austria (PV Austria) und Energieexperte Christoph Dolna Gruber von der Österreichischen Energieagentur warnen in einer Pressekonferenz, dass Öl und Gaskrisen keine einmaligen Ereignisse sind, sondern systemisch. Auch Österreich kann gegensteuern, vor allem durch klare Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energien wie der Photovoltaik.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten waren auch Thema der diesjährigen Pressekonferenz von PV Austria im Vorfeld des PV Kongresses. Der Bundesverband verweist einmal mehr auf die Gefahr fehlender gesetzlicher Rahmenbedingungen und richtungsweisender Maßnahmen im Energiebereich, die sich nun im Hinblick auf die aktuelle Öl- und Gaskrise täglich verschärft. „Photovoltaik und Stromspeicher bieten der breiten Bevölkerung die Möglichkeit, sich an der Energiewende direkt zu beteiligen. PV Austria und seine über 450 Mitglieder stehen bereit, um die nächste Phase hin zu Österreichs Energieunabhängigkeit mitzugestalten. Dafür brauchen sowohl die Branche als auch die Bevölkerung Klarheit, wie die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die kommenden Jahrzehnte aussehen werden“, erklärt Vera Immitzer, Geschäftsführerin von PV Austria.

Aus Sicht von PV Austria braucht es vor allem drei Punkte:

  • ElWG mit Leben füllen – rasche Umsetzung der notwendigen Begleitverordnungen der E-Control, damit die neuen Möglichkeiten des ElWG schnell und umfassend genutzt werden können.
  •  Umgehender Beschluss des EABG – Abbau bürokratischer Hürden bei PV-Anlagen und Batteriespeichersystemen sowie Vereinheitlichung der Genehmigungsvorschriften in ganz Österreich.
  • Speicheroffensive starten – mit klarem Ausbaupfad, gezielten Anreizen und Abbau regulatorischer Hürden, um Photovoltaik und Stromspeicherung optimal miteinander zu verzahnen.

PV-Ausbau schreitet langsam aber sicher voran

PV Austria zeigt sich erfreut darüber, dass der PV-Ausbau trotz unsicherer Rahmenbedingungen weiter voranschreitet. So wurden im vergangen Jahr österreichweit 62.300 neue PV-Anlagen in Betrieb genommen, was einer zusätzlichen Gesamtleistung von 1,6 Gigawatt entspricht. Nach den Rekordausbaujahren bedeutet dies jedoch einen Rückgang von 22 Prozent im Vergleich zu 2024. Insgesamt werden jährlich rund 9,8 Terrawattstunden (TWh) Strom von PV-Anlagen erzeugt – das entspricht 15 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs.

Die Zubauziele von 21 TWh bis 2030 und 41 TWh bis 2040 gemäß Netzinfrastrukturplan (ÖNIP) seien ambitioniert, aber eindeutig erreichbar – vorausgesetzt, die notwendigen Rahmenbedingungen werden jetzt konsequent geschaffen.
Immitzer hob erneut hervor, wie wichtig die intelligente Kombination aus Photovoltaik und Stromspeicherung ist. „In einer Welt volatiler Erzeugung ist die Kilowattstunde allein nicht mehr die entscheidende Größe. Der wahre Wert liegt darin, Energie genau dann bereitstellen zu können, wenn das System sie braucht. Die Kombination aus PV-Anlage und Stromspeicher ist unschlagbar. Photovoltaik leistet seit 30 Jahren ihren Beitrag zur Versorgungsicherheit in Österreich. Um dies auch weiterhin erfüllen zu können, braucht es jetzt angepasste Rahmenbedingungen. Die PV-Branche ist bereit dieses Kapitel im Schulterschluss mit der Politik zu begehen.“

„Wir haben damit auch die Kontrolle abgegeben“

Auch die Österreichische Energieagentur stuft die Bedeutung von PV und Stromspeicherung als unverzichtbar für eine umgehende Reduktion ausländischer Abhängigkeiten ein. „Öl, Kohle, Gas – Wir haben uns in der Vergangenheit angewöhnt, unsere Energieversorgung an andere Länder auszulagern. Wir haben damit auch die Kontrolle abgegeben, das bekommen wir aktuell wieder zu spüren“, so Christoph Dolna-Gruber von der Österreichischen Energieagentur.

Für Christoph Mair, seit Februar Vorstandsmitglied von PV Austria und Bereichsleiter MEA Solar bei eww Anlagentechnik GmbH, ist ebenfalls klar, dass an PV und Stromspeichern als integrierte Systemlösung kein Weg vorbei führt: „Photovoltaik ist ausschlaggebend für Unabhängigkeit bei Strom, Wärme und Mobilität. Dazu brauchen wir jetzt eine echte Speicheroffensive, die PV die notwendige Flexibilität für das Energiesystem verleiht und gleichzeitig die Effizienz des Stromnetzes deutlich steigert.“

Österreich brauche eine Strommarkt- und Netzlogik, die flexible Erzeugung und Nutzung belohnt.: „Neun von zehn neuen PV-Anlagen werden mittlerweile mit einem Stromspeicher gebaut“, berichtet Mair. In Einfamilienhäusern würden moderne Batteriespeicher bereits heute Eigenverbrauchs- und Autarkiequoten von 60–80 Prozent ermöglichen. Bei Betrieben seien vor allem die reduzierten Netzgebühren – auch in Zusammenhang mit E-Mobilität – ein Hauptgrund für die Investition in einen Stromspeicher. Auch die Umsetzungszeiten haben sich drastisch verkürzt: Kleine PV-Speichersysteme seien innerhalb von sechs Wochen umgesetzt; größere innerhalb von 15 Wochen.

Verlässliche Rahmenbedingungen gefordert

Für PV Austria ist klar: Österreich muss die Kontrolle über die eigene Energieversorgung zurückholen – im Großen wie im Kleinen. Die Branche sieht sich dabei an einem Wendepunkt. Mit passenden Rahmenbedingungen könnten Photovoltaik und Stromspeicher künftig maßgeblich zur Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Preisstabilität beitragen. Zuvor müssten jedoch zentrale Hürden für den weiteren PV-Ausbau abgebaut werden.

Laut der aktuellen Mitglieder-Jahresbefragung von PV Austria zählen dazu insbesondere eine anhaltende Investitionszurückhaltung, ein nachlassender politischer Rückhalt sowie die angespannte Preissituation. Die Branche verfüge über die entsprechenden Systemlösungen. Nun liege es an der Politik, rasch die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Österreich künftig weniger stark von Öl- und Gaskrisen betroffen ist.

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