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Freitag, 17. April 2026
Hintergrund-Kommentar E&W 04/2026

Mehr Kuchen braucht das Land

Wolfgang Schalko | 05.04.2026 | Bilder | |  Meinung
Nachdem das Jahr für den Elektrohandel ohnehin nicht gut angelaufen ist (manche orteten gar eine nie dagewesene Flaute), folgte mit dem Nahost-Krieg der nächste schwere Dämpfer: Unsicherheit hebt bekanntermaßen nicht gerade die Konsumlaune – dem kann auch das beginnende Frühjahr nur bedingt etwas entgegenhalten. Klingt übel, ist allerdings noch lange kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Wer nicht erst seit gestern Unternehmer bzw. im Elektrohandel tätig ist, hat wohl oder übel schon so manches Auf und Ab erlebt. Und auch, dass sich Stimmungen, Trends und Must-Haves laufend ändern – zum Teil sogar sehr schnell. Damit einhergehend variiert auch der sprichwörtliche Kuchen, den es zu verteilen gibt: Die Haushalts-Großgeräte waren immer ein von großer Stabilität geprägtes Segment, das – mit Ausnahme des Covid-Booms – praktisch keine Ausreißer verzeichnete und im Elektrohandel vielfach von Ersatzkäufen geprägt ist. Wermutstropfen aus Sicht des EFH: An diesem Kuchen naschen leider immer mehr (Online-)Player mit und die Rosinen, die man sich früher herauspicken konnte, sind kaum noch vorhanden. In eine ähnliche Richtung bewegt sich die Braunware: Der Audio-Bereich hat infolge der Ablöse von HiFi-Komponenten durch Bluetooth- und mobile Lautsprecher/Kopfhörer deutlich an Atraktivität verloren, die Fotografie bzw. der Kamera-Markt ist dem Smartphone zum Opfer gefallen und selbst die letzte Bastion – der Fernseher – hat mangels emotionalisierender Innovationen, massiver Übersättigung (den fünften oder sechsten Fernseher wollen sich doch nicht mehr alle Haushalte anschaffen) und entsprechendem Preisdruck deutlich zu bröckeln begonnen. Das Geschäft mit den bereits genannten Smartphones kann ein gutes sein – aber auch eines, beim dem man sich schnell die Finger verbrennt. Aufstrebend, aber sehr in Richtung Online-Handel, hat sich das Kleingeräte-Segment entwickelt – wer hier die Zeichen der Zeit erkennt und vif genug ist, keine toten Pferde zu reiten, findet garantiert mehr als nur ein lukratives Produkt.

Was mich zum Kern des Ganzen bringt: Für den EFH ist es mehr denn das Gebot der Stunde, sich nach gleichermaßen zukunftsträchtigen wie einträglichen Produktgruppen, Nischen und auch völlig neuen Geschäftsfeldern umzusehen bzw. die Ambitionen dort zu verstärken, wo bereits angerichtet ist – etwa bei Dienstleistungen wie Geräteversicherungen, Finanzierungslösungen oder Aftersales/Service. Im Rahmen unserer Berichterstattung versuchen wir seit jeher, solche potenziellen Umsatzbringer aufzuspüren und unseren Lesern mögliche Einstiegswege zu skizzieren. In dieser E&W-Ausgabe finden dazu gleich mehrere Artikel, allen voran mit unserem Sonderthema „Haus, Garten & Outdoor”, das – auch für uns ein wenig überraschend – das praktisch noch völlig brach liegende Feld „Robotics” eröffnet hat. Aber ebenso mit Themen wie Stromvermarktung oder emotionsgeladenen Aspekten wie Versorgungssicherheit und Wohnkomfort. Ich sage diesen Satz somit auch, aber nicht nur weil ich erklärter Freund von Süßspeisen bin: Mehr Kuchen braucht das Land!

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