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Sonntag, 17. Mai 2026
Hohe Energiepreise als Wirtschaftsbremse im Jahr 2026

WIFO: Iran-Krieg gefährdet die Konjunkturerholung

Hintergrund | Dominik Schebach | 10.04.2026 | |  
Seit Ausbruch des Iran-Krieges sind die Energiepreise kräftig gestiegen und sehr volatil (Q: Intercontinental Exchange – ICE, Macrobond. Letzter Wert: 7. April 2026) Seit Ausbruch des Iran-Krieges sind die Energiepreise kräftig gestiegen und sehr volatil (Q: Intercontinental Exchange – ICE, Macrobond. Letzter Wert: 7. April 2026) (© WIFO) Womit jeder Medienkonsument schon gerechnet hat, wurde heute, Freitag 10. April, auch vom WIFO bestätigt: Die Folgen des Irankrieges verzögern die Erholung der heimischen Wirtschaft. Denn infolge des Iran-Krieges haben sich Rohöl und Erdgas stark verteuert. Zudem trübt die Unsicherheit über die Dauer und den weiteren Verlauf des Konfliktes das Investitionsklima in der EU.

Diese Mischung aus hohen Energiepreisen und Zurückhaltung bei den Investitionen wird nach Einschätzung des WIFO auch die österreichische Industrie, die seit Jahren unter der schwachen Investitionsgüternachfrage leidet, in Mitleidenschaft ziehen. Die Inflationsrate dürfte trotz des Iran-Krieges weiter zurückgehen, jedoch verlangsamt der jüngste Energiepreisanstieg den Rückgang. Die Arbeitslosenquote verharrt 2026 auf dem hohen Niveau des Vorjahres und wird erst 2027 sinken.

„Die Entwicklung der Rohöl- und Erdgaspreise ist sowohl für die Inflationsprognose als auch für den von den Unternehmen erwarteten Kostendruck entscheidend. Da der Iran-Krieg nicht prognostizierbare Preissprünge auslöst, hat sich das WIFO entschlossen, von unterschiedlichen Preisszenarien auszugehen“, so Marcus Scheiblecker, einer der Autoren der aktuellen WIFO-Prognose.

Zur Einordnung: Nach zwei Jahren der Rezession stieg Österreichs BIP 2025 wieder leicht um 0,6%. Vor allem um die Jahresmitte war eine deutliche Konjunkturbelebung festzustellen. Diese ist zum Jahresende 2025 jedoch schon wieder verebbt. Im Q4/25 stagnierte die heimische Wirtschaftsleistung.

Drei Szenarien

Nach Einschätzung des WIFO hängt nun alles an der weiteren Entwicklung der internationalen Rahmenbedingungen. Das WIFO hat sich daher dazu entschlossen, seine Prognose des BIP und anderer wichtiger Kennzahlen auf Basis dreier Szenarien zu erstellen:

  • Im optimistischen Szenario dauert der Iran-Krieg nur wenige Wochen. Die Infrastruktur der Golfstaaten für die Förderung, Verarbeitung, Verladung und den Transport von Erdöl wird nicht nachhaltig beschädigt. Der Rohölpreis liegt bis Juni bei durchschnittlich 80 $ je Barrel und sinkt im III. Quartal 2026 auf 75 $. Der für die europäische Stromerzeugung relevante Erdgaspreis liegt bis Juni 2026 bei durchschnittlich 45 € je MWh und verringert sich nach Kriegsende stetig.
  • Im Hauptszenario ist der Iran-Krieg ebenfalls von kurzer Dauer, allerdings verteuern sich fossile Brennstoffe kräftiger als im optimistischen Szenario. Nach Kriegsende bilden sich die Preise kontinuierlich zurück.
  • Im pessimistischen Szenario dauern die Kampfhandlungen im Mittleren Osten noch bis Ende des Sommers an und zerstören wichtige Infrastruktur, die erst wieder instandgesetzt werden muss. Der Rohölpreis steigt auf 120 $ je Barrel, verharrt bis September 2026 auf diesem hohen Niveau und unterschreitet erst Anfang 2027 wieder die Marke von 90 $. Der Erdgaspreis liegt bis Februar 2027 bei 70 € je MWh, da wichtige Produktionsanlagen zerstört sind, und bildet sich bis Jahresende langsam zurück.

    ICE, Macrobond, WIFO-Berechnungen. Vorkriegserwartungen: Futures von Ende Februar 2026. (WIFO)

Übersetzt heißt dies: Nach Einschätzung der Wirtschafsforscher setzt sich sowohl im optimistischen als auch im Hauptszenario die Konjunkturerholung fort. Im optimistischen Szenario ist 2026 mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung um 1,1% zu rechnen, im Hauptszenario um 0,9%. 2027 beschleunigt sich der Zuwachs auf 1,3% bzw. 1,5%. Damit bleibt das Wachstumstempo auch im besten Fall hinter jenem vergangener Aufschwungsphasen und der bisherigen Prognosen zurück. Im Dezember war das WIFO noch von einem Wachstum von 1,4% für das Jahr 2026 ausgegangen.

Im pessimistischen Szenario wird der bislang beobachtete moderate Aufschwung jäh unterbrochen, wodurch das BIP 2026 um lediglich 0,2% zulegt (2027 +0,4%). Die in diesem Szenario unterstellten hohen Energiepreise belasten nicht nur die Produktion und die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, sondern trüben auch die Stimmung in den Unternehmen und das Verbrauchervertrauen. Dies hat eine über reine Preiseffekte hinausreichende Dämpfung der Konjunktur zur Folge.

 

Kommentar:

Die Prognose des WIFO zeigt die nach wie vor bestehende Abhängigkeit der heimischen Wirtschaft von den fossilen Energieträgern auf. Dass die massiven Preissteigerungen bei den Energiepreisen Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft der Wirtschaft und das verfügbare Einkommen der Endkunden haben, versteht sich von selbst.

Die Lösung dazu kann nur sein, sich endlich aus der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu lösen. Der zügige Umstieg auf erneuerbare Energien und Elektromobilität ist unter diesen Gesichtspunkten für jeden von uns von Vorteil – und eine Chance für die Branche.

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