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Sonntag, 17. Mai 2026
Aus der E&W 4/2026

„Offen für mehr” – EAK-GF Elisabeth Giehser im Gespräch

Wolfgang Schalko | 13.04.2026 | |  Wissen
EAK-Geschäftsführerin Elisabeth Giehser EAK-Geschäftsführerin Elisabeth Giehser (© EAK / Ludwig Schedl) Seit 21 Jahren steht die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle Austria im Mittelpunkt des heimischen Sammel- und Verwertungssystems bei alten Elektrogeräten und Batterien. Ebenso lange lenkt Elisabeth Giehser die Geschicke der Organisation, die von ihr im Sommer 2005 in nur sechs Wochen – quasi von der „grünen Wiese” weg – aufgebaut wurde. Mit Ende Juli 2026 tritt sie in den Ruhestand und der international erfahrene Wirtschaftswissenschafter Valentin Opfermann wird die Leitung der EAK übernehmen. Im E&W-Interview spricht Giehser über aktuelle Enwicklungen, langjährige (Heraus-)Forderungen und die nächsten großen Schritte.

E&W: Wie lässt sich die EAK und ihre Tätigkeit mit wenigen Sätzen beschreiben?

Elisabeth Giehser: Die EAK ist seit mittlerweile 21 Jahren die zentrale Drehscheibe für die Organisation der Sammlung und Verwertung von Elektro-Altgeräten und Altbatterien in Österreich. Wir koordinieren das Zusammenspiel der Hersteller, dem Handel, den Sammelsystemen, der Entsorgungswirtschaft, den Kommunen und dem Ministerium. Wir sind also mittendrin, das Clearinghouse für Österreich in diesen beiden Bereichen, und können als Non-Profit GmbH wirklich als neutrale Stelle fungieren.

Welche Rolle spielt die Eigentümerstruktur?

In der Gründungsphase wurde entschieden, dass alle von der Elektroaltgeräte- Verordnung betroffenen Gremien der WKÖ die Eigentümerschaft mittragen sollen und als uns drei Jahre danach auch die Aufgaben für den Batteriebereich übertragen wurden, hat sich das zum Glück gut gedeckt, sodass man nichts adaptieren musste. Wir haben drei große Haupteigentümer – die WKÖ, das FEEI und das Bundesgremium des Elektro- und Einrichtungsfachhandels (Anm.: das auch den Aufsichtsrat-Vorsitzender in Person von Robert Pfarrwaller stellt) – und mehrere kleinere Fachverbände und Innungen, die in unserem freiwilligen Aufsichtsrat, der aus zehn Personen besteht, vertreten sind. Außerdem ist ein Mitglied aus dem Ministerium entsandt, wodurch wir hier immer die aktuellsten Informationen und rechtlichen Entwicklungen vermittelt bekommen. So haben wir als EAK wirklich das Ohr am Puls der Zeit. Dass wir die Genehmigungsbescheide, die unsere Arbeit jeweils für 10 Jahre legitimieren, schon zum zweiten bzw. dritten Mal erhalen haben, zeigt wie erfolgreich diese – für Österreich damals einzigartige – Konstruktion ist.

Was waren die Meilensteine seit der Gründung der EAK?

Wir starteten 2005 mit den Elektroaltgeräten, bereits 2008 sind die Batterien dazugekommen – begleitet von diversen Gesetzesnovellen und dem Aufbau unserer großen Datenbank eKS. 2014 wurde gemeinsam mit den Abfallberater:innen der Schulkoffer entwickelt, mit dem wir schon die Jüngsten ab dem Kindergartenalter über diese wichtigen Themen informieren, seit 2018 zudem im Rahmen großer Schulprojekttage.

Im Jahr 2016 ist die Thematik der Lithium-Batterien erstmals aufgekommen, die den Roll-out weiterer Sammelbehälter erforderlich machte (Anm.: 60 Liter Metallfässer mit Entlüftungsventil) und die gesamte Abfallwirtschaft vor große Herausforderungen gestellt hat. Seither gibt es zu dieser Thematik auch eine Arbeitsgruppe mit Experten, die regelmäßig tagt und der die EAK mit den Kollegen des AWV vorsteht. 2023 sind zwei weitere große Aufgabenbereiche für die EAK hinzugekommen: die Prüfungen bei den Systemteilnehmern sowie die Vergabe der Fördergelder für die Vorbereitung der Wiederverwendung für Elektroaltgeräte. Und seit über zwei Jahren beschäftigt uns die Umsetzung der EU-Batterienverordnung sehr intensiv.

Nicht zu vergessen natürlich auch die Kampagne „Heer mit Leer”, die von 2021 bis 2024 gelaufen ist und als erste bundesweite Kampagne in dieser Form sehr erfolgreich war – sowohl die Sammelmenge als auch die Sammelquote konnte deutlich erhöht werden, nicht zuletzt durch die intensive Zusammenarbeit mit dem Handel. Weil die Lithium-Technologie von den Konsument:innen sehr intensiv genutzt wird, bei falschem Umgang jedoch wirklich gefährlich werden kann, starten wir in Kürze die Kampagne „Her mit Leer II”, die sich besonders mit den Brandgefahren beschäftigt.

Welche Themen stehen aktuell im Fokus?

Zum einen natürlich die Umsetzung der EU-Batterienverordnung, wo es u.A. mit den Leichtfahrzeugen eine neue Kategorie gibt – und ein eigenes Metallfass für die Sammlung. Ein anderer Bereich, wo wir erst am Anfang stehen, der aber in absehbarer Zeit ein großes Thema werden wird, sind Photovoltaik-Module. Wie bei Lithium-Batterien bildet hier die Langlebigkeit mit 10 und mehr Jahren eine besondere Herausforderung. Insbesondere für den Handel erstellen wir zu solchen Themen immer auch Merkblätter für den richtigen Umgang in der Praxis (Anm.: die allesamt auch auf der EAK-Website verfügbar sind), etwa zur Photovoltaik, zur Sammlung von Lithium-Akkus und ganz aktuell auch zur Sammlung von Batterien aus Leichtfahrzeugen.

Bei der Arbeit der EAK geht es schlussendlich auch um die Erfüllung von Sammelqouten – was ja durch die wachsende Anzahl an Neugeräten immer schwieriger wird…

Die Sammelquoten bzw. vor allem deren Berechnung ist seit vielen Jahren ein Thema. Bei Elektroaltgeräten sind wir mit 4kg pro Einwohner gestartet, dann erfolgte die Umstellung auf eine prozentuale Quote, die im Jahr 2019 massiv angehoben wurde – auf 65%. Es gibt eine Gesamtquote für Elektroaltgeräte, die schnelldrehende Kleingeräte ebenso beinhaltet wie langlebige Großgeräte, und hier ist der dreijährige Durchrechnungszeitraum entsprechend problematisch. Unsere Experten deponieren das seit über zehn Jahren in Brüssel und plädieren für eine eigene Quote bei Großgeräten – bis dato wurden die Experten hier leider nicht gehört, aber es soll eine neue WEEE-Verordnung herauskommen, die das hoffentlich berücksichtigt.

Bei den Batterien lautet die Vorgabe 45%, aber durch das Aufkommen der Lithium-Technologie, die Akkus mit 7, 8 oder sogar 10 Jahren Lebensdauer ermöglicht, ist der dreijährige Durchrechnungszeitraum ebenso problematisch wie bei dem Elektroaltgeräten. Daher fordern wir auch hier seit Jahren eine entsprechende Anpassung und sind dahingehend auch einigermaßen zuversichtlich, da die neue Batterien-VO zwar seit August 2025 in Kraft ist, aber die finale Berechnungsmethode noch offen gelassen wurde – diese werden wir vermutlich 2027 erfahren.

Was passiert, wenn diese Sammelquoten nicht erfüllt werden?

Grundsätzlich gibt es dann die Vertragsverletzungsverfahren der EU und es könnten theoretisch sehr hohe Strafen verhängt werden. Bis jetzt erfolgten aber nur teilweise Ermahnungen, weil praktisch alle Länder Probleme haben, die 65%-Quote bei Elektroaltgeräten zu erfüllen. Im Batteriebereich sind wir in Österreich – auch dank der „Her mit Leer”-Kampagne – gut unterwegs und erreichten 2024 eine Quote von 53%.

Wie macht sich die Arbeit der EAK konkret beim Elektrohändler bemerkbar?

Wir sind eine kleine, strategische, sehr flexible Einheit, die durch ihre qualitative Arbeit in Erscheinung tritt, sich als EAK aber selbst nicht in den Vordergrund stellt. Wenn man einen Konsumenten auf der Straße fragt, ob er die EAK kennt, wird er daher „Nein” sagen. Wir unterstützen die Stakeholder im Hintergrund, bereiten mit unserer Öffentlichkeitsarbeit Materialien auf und koordinieren als Clearingstelle dahingehend, dass sich alle Beteiligten gut auskennen und die Stakeholder gut zusammenarbeiten. Außerdem sind wir in die Gesetzgebung maßgeblich involviert und liefern dafür entsprechende Inputs.

Welche Bedeutung hat die Öffentlichkeits-arbeit bzw. Kampagnen wie „Her mit Leer”?

Die Öffentlichkeitsarbeit wurde in den letzten Jahren immer wichtiger, denn ohne diese lassen sich die steigenden Sammelquoten nicht erreichen – oder anders gesagt: Wir haben nichts von der hervorragenden österreichischen Recyclingtechnologie, wenn die Bevölkerung nicht mitmacht bzw. das Material nicht bringt. Deshalb tagt unsere entsprechende Arbeitsgruppe dreimal pro Jahr und entwirft die Konzepte und Materialien für eine einheitliche Öffentlichkeitsarbeit. Nachdem es in jüngster Zeit durch die falsche Entsorgung von Lithium-Akkus leider immer wieder zu Bränden in der Abfallwirtschaft gekommen ist und die Kampagne „Her mit Leer” so erfolgreich war, setzen wir diese nun ab Mitte April fort – mit einer etwas deutlicheren Botschaft und dem expliziten Hinweis auf diese Brandgefahr bei falscher Entsorgung.

Wie sehen Sie die Zukunft der EAK?

Ich sehe die EAK weiterhin als zentrale Stelle in der Kreislaufwirtschaft im Bereich Elektroaltgeräte und Altbatterien, als Know-how-Trägerin und als neutrale Interessensausgleichsstelle zu Themen wie Ressourcensicherung, Recycling-Effizienz oder Bewusstseinsbildung, denn diese werden weiter an Bedeutung gewinnen. Das klare Ziel muss lauten, die wertvollen Rohstoffe möglichst vollständig im Kreislauf bzw. hier in Europa zu halten, und da ist die EAK eine starke Partnerin, die auch für neue Aufgaben bereit ist. So wäre es z.B. aus dem Batteriebegleitgesetz heraus durchaus möglich, dass die EAK relativ kurzfristig wieder einen neuen Aufgabenbereich dazu bekommt. Die EAK ist offen, flexibel, schnell und kosteneffizient – ich glaube, das haben wir in den letzten 21 Jahren sehr deutlich unter Beweis gestellt. 

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