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Montag, 11. Mai 2026
Branchenbericht Gewerbe und Handel

Vorsichtiger Optimismus, Handlungsbedarf bei Lehrlingsausbildung

Die Branche | Valerie Hagmann | 14.04.2026 | | 1  
Anfang des Jahres war die Hoffnung ein Aufschwung im ersten Quartal für Handel und Gewerbe - dies ist bedingt eingetroffen. Obwohl die Herausforderungen groß sind, scheint sich die Lage nach einem herausfordernden Jahr 2025 nun zu beruhigen.

2025 war laut KMU Forschung Austria für das Gewerbe und Handwerk in Österreich das sechste Jahr in Folge mit einem realen Rückgang der Geschäftstätigkeit. Mit einem nominellen Umsatzminus von -0,6 Prozent sowie einem realen Minus von -3,3 Prozent war das Ergebnis aber weniger schlecht als zuvor befürchtet und auch weniger stark als in den Vorjahren. Während konsumnahe Branchen ein Umsatzplus erzielen konnten, haben vor allem Branchen rund um das Thema Bau mit Minus abgeschlossen. Allerdings habe man auch eine steigende Nachfrage nach privaten Wohnbaukrediten gesehen, was mit Verzögerung in den nachgelagerten vom Bau abhängigen Branchen ankommen sollte.

Unsicherheit herrschte 2025 bei den Investitionen, nur 36% der Betriebe tätigten solche im Vorjahr, außerdem vielen diese auf die Beschäftigten gerechnet geringer aus als zuvor. „Die Betriebe sind vorsichtig. DAs ist der niedrigste Wert seit 2010“, erklärt Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria

Mit zarten Anzeichen für Aufschwung ins Jahr 2026

Es konnten einige Branchen im Q1/2026 im Vergleich zum Q1/2025 deutliche Steigerungen im Auftragsbestand verzeichnen, etwa Maler und Tapezierer (+10,7%), Hafner, Platten- und Fliesenleger (+14%), das Baugewerbe (+15,5 Prozent) sowie Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger (+20%). Das könnten die Vorboten einer Trendwende sein, so Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Konsumnahe Branchen hatten aber einen schwierigen Start: nur 13% der Betriebe berichten von Umsatzsteigerungen, 33% meldeten Rückgänge.

Kosten als größte Herausforderung

Die Herausforderungen sieht man dieses Jahr vornehmlich kostenseitig, vor allem bei Steuern und Abgaben, Preissteigerungen bei Materialien und Rohstoffen und hohen Arbeitskosten. Wie dies durch aktuelle geopolitische Konflikte noch beeinflusst werden wird, ist nicht absehbar. Auch Preissteigerungen bei Energie, Fachkräftemangel und Konsumzurückhaltung werden als Faktoren genannt. „Die Betriebe brauchen nun dringend Planungssicherheit und Entlastung bei den Energiekosten“, betont Spartenobmann Manfred Denk.

Für das Q2 ist insgesamt ein Aufwärtstrend ersichtlich, etwa ein Fünftel der Betriebe erwartet Umsatzsteigerungen und mehr Aufträge, ein Viertel rechnet mit Rückgängen, das sind deutlich bessere Erwartungen als im Vorjahr. 

Lehrlingsförderung weiter ungeklärt, zu wenig Unterstützung für Betriebe

Mit etwa 44.000 Lehrlingen Stand Ende 2025 sind Gewerbe und Handwerk immer noch die mit Abstand größten Lehrlingsausbilder des Landes. Ausbildungsbetriebe fühlen sich aber viel zu wenig unterstützt, während der Aufwand zeitlich, personell und finanziell deutlich gestiegen ist. Das Problem der Kürzungen bei der Lehrlingsförderung ist weiter ungelöst. „Der Staat stiehlt sich aus der Verantwortung, wir drängen seit Jahren auf eine dauerhafte Lösung. Damit drohen Jahre wertvoller Arbeit zur Aufwertung der Lehre zunichte gemacht zu werden“, führt Manfred Denk aus.

Es seit ein hausgemachter Fachkräftemangel, denn nicht nur gäbe es zu wenig junge Menschen, ihnen fehle oft nach neun Schuljahren die nötige Ausbildungsreife für die Lehre. Dies können Lehrbetriebe in drei Lehrjahren nicht ausgleichen. Vor allem in ländlichen Gegenden seien kleine Betriebe das Rückgrat der Lehre, diese gelte es zu unterstützen, so Denk weiter. „Lehrlingsausbildung ist das Stiefkind der Bildungspolitik“, kritisiert er, und sieht eine „Fachkräfte-Katastrophe“ in den nächsten Jahrzehnten, sollte der Staat nicht nachbessern. Derzeit deckt die Förderung maximal 15 Prozent der Lehrlingseinkommen, den Rest finanzieren Betriebe.

Forderung nach nachhaltiger Finanzierung

Eine weitere Kürzung der Förderung ist für Reinhard Kainz, Geschäftsführer der Bundessparte, demnach völlig inakzeptabel, er fordert eine klare Bekenntnis zur Lehrlingsausbildung seitens der Regierung, um jungen Menschen in Betrieben eine klare berufliche Zukunft vor Augen zu führen. „Wir dürfen nicht in Kauf nehmen, dass sich der Rückgang fortsetzt.“ Was es brauche sei neben besserer Basisbildung eine objektive und verpflichtende Berufsinformation in allen Schultypen und die Gewinnung neuer Zielgruppen für die Lehre, zum Beispiel vermehrt Frauen, vor allem in technischer dualer Ausbildung, sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund und junge Erwachsene.

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