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Montag, 11. Mai 2026
Mit KI zurück in die Steinzeit?

Da geht sich was nicht aus…

Wolfgang Schalko | 19.04.2026 | Bilder | |  Meinung
(© pixabay / Brian Penny) Ohne Strom läuft bekanntlich nichts – und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Ganz im Gegenteil: So rasant sich insbesondere das Thema KI weiterentwickelt, so drastisch steigt auch unser Energiebedarf. Kürzlich haben das BMWET und die APG die Netzausbaupläne bis 2035 präsentiert – aber was dort für Rechenzentren in ganz Österreich veranschlagt wurde, deckt nicht einmal ansatzweise das, was alleine das Land NÖ diese Woche an Plänen vorlegte…

Als vor rund zwei Wochen das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) und der Übertragungsnetzbetreiber APG in einer gemeinsamen Pressekonferenz Details zum aktuellen Netzentwicklungsplan vorstellten, wurde naturgemäß nicht mit (durchaus beeindruckenden) Zahlen gegeizt: Durch PV- und Windkraftausbau, Batterie- und Pumpspeicher, Sektorkopplung und Rechechzentren würde ein zusätzlicher Bedarf von 31 Gigawatt an Netzkapazitäten bestehen. 9 Milliarden Euro werde die APG daher in den nächsten Jahren in die Netze investieren, um der Energie-, Wärme- und Mobilitätswende die infrastrukturelle Basis zu geben (zum Vergleich: die Spitzenlast in Österreich liegt derzeit bei rund 11 GW). Damit einhergehend werde sich der Stromverbrauch in Österreich bis 2040 nahezu verdoppeln, von aktuell 70 Terawattstunden auf 120, 130 Terawattstunden pro Jahr. , wenn wir alles elektrifizieren mit erneuerbarem Strom.

Eine Zahl machte mich sofort ziemlich stutzig und wollte mir auch nicht aus dem Kopf gehen: Der Bedarf für den Ausbau von Rechenzentren, der mit 2,5 GW beziffert wurde – was mir angesichts der aktuellen Entwicklungen am KI-Sektor (der z.B. auch die globale Chip-Produktion völlig zu vereinnahmen droht) geradezu lächerlich niedrig erschien. Außerdem war ich mir sicher, in dieser Hinsicht für die Stadt Wien bereits eine deutlich größere Zahl gehört zu haben.

Und dann flatterte in dieser Woche ein Mail der NÖ Landesregierung in mein Postfach, in dem die „neue Rechenzentren-Strategie” skizziert wurde. Darin hieß es: Laufend würden Anfragen zu neuen Projekten beim Land Niederösterreich einlangen, aktuell wären es Rechenzentren-Projekte mit Stromleistungen im Ausmaß von rund 3.400 Megawatt – das ist doppelt so viel wie der Stromverbrauch Niederösterreichs – und Flächen in der Dimension von bis zu 50 Fußballfeldern.

Man versuchte auch die Einordnung der Dimensionen solcher Rechenzentren – mit dem Verweis auf das benachbarte Oberösterreich: das dort in Umsetzung befindliche Datencenter von Google erhalte eine Anschlussleistung von rund 150 Megawatt, was der dreifachen elektrischen Leistung entspreche, die Wr. Neustadt benötige.

Versucht man diese Zahlen in Einklang zu bringen, tun sich also sehr schnell sehr massive Lücken auf – die sich wohl durch geänderte Prioritäten zumindest teilweise schließen ließen. Wäre da nicht das Problem, dass wir die Erneuerbaren nicht so schnell ausbauen können wie notwendig, und der Einsatz fossiler Kraftwerke (der aufgrund des Energiehungers der Tech-Giganten zuletzt wieder massive gestiegen ist – und der auch der Atomenergie eine Renaissance bescherte) nicht folgenden unangenehmen Nebeneffekt hätte:

Der Dachverband EEÖ veröffentlichte kürzlich eine neue Studie des „US National Bureau of Economic Research“, das die volkswirtschaftlichen Schäden durch CO2-Emissionen deutlich höher einstuft als bisherige Studien. Demnach verursacht eine Tonne CO2 durchschnittlich 1200 US-Dollar an sozialen Kosten, und nicht rund 150 US-Dollar pro Tonne wie bisher angenommen. Gesamtwirtschaftlich betrachtet verursache die Erderhitzung einen Verlust von etwa 20% der weltweiten Wirtschaftsleistung pro 1°C globaler Erwärmung. Das rief mir die Warnungen der Wissenschafter ins Gedächtnis, dass die Menschheit mit ihrem aktuellen Kurs deutlich am 2°C-Ziel vorbeisteuert und sich eher in Richtung 3-3,5°C Erderhitzung bewegt.

Wie man es auch dreht und wendet – ich befürchte: Schneller als uns allen lieb sein kann, geht sich das alles nicht mehr aus. Und wenn man dann noch liest, dass ausgerechnet US-Präsident Donald Trump, der fossile Energien forciert und Solar- und Windenergie verteufelt, mit seiner Politik die globale Energiewende beschleunigen könnte, weiß ich wirklich nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll…

Bilder
(© pixabay / Brian Penny)
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