Wenn die Rücksicht fehlt
(© Pixabay)
Immer wieder fällt mir auf, wie achtlos manche Menschen mit dem öffentlichen Raum umgehen. Ob weggeworfene Zigaretten oder illegal entsorgter Müll. Eine Beobachtung hat mich dabei besonders nachdenklich gemacht.Ich konnte meinen Augen kaum trauen, als ich neulich beobachtete, wie ein Taxifahrer ganz selbstverständlich seinen Müll aus dem Autofenster warf. Ich war so überrascht, dass ich ihm noch etwas hinterherrufen wollte, doch er war leider bereits zu schnell weg. Situationen dieser Art beobachte ich in letzter Zeit leider immer häufiger: Menschen, die ihre Zigaretten achtlos auf den Boden werfen oder ihren Sperrmüll einfach auf die Straße stellen, anstatt auf den nächsten Mistplatz zu bringen – und sie ärgern mich jedes Mal, weil sie einfach so unnötig und respektlos sind. Es geht mir dabei gar nicht so sehr um ein einzelnes Stück Müll, sondern viel mehr um die Haltung dahinter: den öffentlichen Raum als etwas zu betrachten, das „niemandem gehört“ und deshalb bedenkenlos verschmutzt werden kann.
Gerade in einer Großstadt wie Wien summieren sich solche „kleinen“ Handlungen schnell zu einem großen Problem. Was auf den Boden geworfen wird, ist ja nicht einfach weg. Es bleibt auf der Straße liegen, landet im Park oder wird vom Regen in die Kanalisation gespült. Auch Tiere leiden darunter, wenn sie Müll fressen oder sich darin verfangen. Man merkt also schnell: Die Folgen sind größer, als man denkt. Dabei wäre die Lösung so denkbar einfach: den eigenen Abfall ein paar Minuten länger bei sich behalten und ihn ordnungsgemäß entsorgen. Vor allem in Wien mangelt es ja schließlich nicht an Mülleimern.
Doch zum Glück bleibt achtlos weggeworfener Müll in der Hauptstadt inzwischen nicht mehr ganz ohne Konsequenzen. Seit 1. April sind die Strafen für Verschmutzung deutlich gestiegen. Wer Müll einfach auf den Boden wirft, zahlt jetzt 70 Euro, also rund 40 Prozent mehr als bisher. Bei größeren Vergehen, etwa wenn Sperrmüll illegal entsorgt wird, kann es richtig teuer werden. In solchen Fällen drohen Anzeigen und Geldstrafen von bis zu 1.000 Euro. Kontrolliert wird das Ganze von den sogenannten Waste Watchern, die in Wien schon seit 2008 im Einsatz sind. Laut Stadt fließen die Einnahmen aus den Strafen wieder in Maßnahmen für mehr Sauberkeit im öffentlichen Raum.
Doch Strafen allein reichen glaube ich nicht aus, um langfristig etwas zu verändern. Entscheidend ist vor allem ein Bewusstseinswandel. Und genau hier gibt es auch positive Entwicklungen. Ein Beispiel dafür konnte ich kürzlich selbst beobachten: Im Bildungszentrum Kenyongasse setzten sich die Schüler im Rahmen eines Projekts mit dem richtigen Umgang mit Elektroaltgeräten und Batterien auseinander. In Workshops und bei Exkursionen lernten sie, wie Recycling funktioniert und warum Kreislaufwirtschaft eine zentrale Rolle spielt. Besonders gefreut hat mich zu sehen, wie engagiert die Kinder und Jugendlichen dabei waren. Sie haben über 1.000 Elektroaltgeräte gesammelt und gezeigt, dass man auch in jungen Jahren schon etwas bewegen kann. Solche Aktionen bleiben hängen, weil man dabei nicht nur etwas lernt, sondern auch merkt, dass das eigene Verhalten einen Unterschied macht.
Vielleicht liegt genau da der Punkt: Es braucht klare Regeln, aber genauso wichtig ist, dass man früh damit anfängt. Wenn man schon als Kind lernt, auf so etwas zu achten, macht man es später eher automatisch richtig. Dann wären solche Situationen wie mit dem Taxifahrer hoffentlich irgendwann nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme.


Wien hat wenigstens schon Wastewatcher und Sanktionen (nur übers Geldbörserl lernen manche).
In „meiner“ Landeshauptstadt feiert das Littering fröhliche Urstände. Tschick mit ihren 6.000 Schadstoffen werden genauso wie ekelige Kaugummis, Fressverpackungen… einfach fallen gelassen. Etwas besser wurde es Dank Dosenpfand.
Alleine bei einem Wettbüro sieht man schon jahrelang untätig zu, wie der ganze öffentliche Raum ein vollflächiger Aschenbecher ist.
Einzige Reaktion bislang: „Betriebskosten“ der Stadt rauf durch wesentlich häufigere Reinigungstermine. Der Ordnungsdienst guckt dezent weg.