Budgeteinigung: HV begrüßt Lohnnebenkostensenkung, bedauert jedoch die späte Umsetzung
Für den Handel sei die Senkung der Lohnnebenkosten ein zentraler und längst überfälliger Schritt. Entscheidend sei jedoch eine rasche Umsetzung ohne gegenläufige steuerliche Belastungen, sagt Handelsverband GF Rainer Will. (Bild: Mohamed Hassan, Pixabay.com)
Der Handelsverband bewertet die Einigung der Bundesregierung auf die Eckpunkte des Doppelbudgets 2027/28 als wichtigen Schritt für den Standort, sieht aber in zentralen Punkten noch erheblichen Verbesserungsbedarf. Besonders die geplante Senkung der Lohnnebenkosten wird als lange geforderte Maßnahme ausdrücklich begrüßt.„Für den Handel mit seinen 605.000 Beschäftigten ist die Senkung der Lohnnebenkosten ein zentraler und längst überfälliger Schritt. Entscheidend ist jedoch eine rasche Umsetzung ohne gegenläufige steuerliche Belastungen“, sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands.
Lobend hebt der Handelsverband zudem die geplanten Investitionen in Kinderbetreuung und Arbeitsmarkt hervor: „Der Ausbau der Elementarpädagogik ist ebenfalls eine langjährige Forderung des Handelsverbands. Bessere Kinderbetreuung erleichtert den Alltag unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz konkret und verbessert gleichzeitig die Verfügbarkeit von Arbeitskräften“, so Will. Maßnahmen im Arbeitsmarktbereich können dazu beitragen, offene Stellen schneller zu besetzen zu entschärfen.
Tempo entscheidend: Entlastung muss früher greifen
Kritisch sieht der Handelsverband hingegen den späten Zeitpunkt der Entlastung: „Die Senkung der Lohnnebenkosten kommt sehr spät. Viele Betriebe stehen aktuell unter massivem Druck – sie brauchen jetzt spürbare Entlastung und nicht erst in zwei Jahren“, so Will.
Kritik an KöSt-Erhöhung
Zur geplanten Anhebung der Körperschaftsteuer merkt der Handelsverband an: „Zusätzliche steuerliche Belastungen für Unternehmen in einem Hochsteuerland wie Österreich mit extremer Regulierungsdichte und zu viel Bürokratie lehnen wir entschieden ab. Viele unserer Mitglieder sind davon direkt betroffen. Es ist sehr unsportlich, 1 Million Euro als großen Gewinn hinzustellen – ganz unabhängig von der Höhe des Umsatzes und Größe des Unternehmens. Wir bedauern, dass die Entlastung bei den Lohnnebenkosten durch gegenläufige Maßnahmen relativiert wird.“
Fehlende Details und Strukturreformen schaffen Unsicherheit
Zudem seien zahlreiche Maßnahmen in ihrer konkreten Ausgestaltung noch offen. „Solange zentrale Fragen der Gegenfinanzierung und Umsetzung nicht geklärt sind, bleibt für die Unternehmen eine erhebliche Unsicherheit. Zudem ist bislang keine klare strukturelle Ausgabensanierung erkennbar. Nachhaltige Budgetkonsolidierung braucht auch konsequente Reformen auf der Ausgabenseite – nur so entstehen langfristig echte Spielräume für Entlastungen und Wachstum“, erklärt der HV GF.
Mit Blick auf die anstehenden Detailverhandlungen mahnt Will zur Vorsicht: „Wenn wir den Standort stärken wollen, dann braucht es echte Entlastung. Die KöSt-Erhöung sehen wir als klaren Standortnachteil für beschäftigungsintensive, größere Firmen. Die Senkung der Lohnnebenkosten darf nicht durch neue Belastungen neutralisiert werden, während wir auf echte Strukturreformen weiter warten.“

