Refurbished-Produkte gewinnen spürbar an Marktanteil
Refurbished-Produkte entwickeln sich zunehmend zu einem relevanten Wachstumstreiber im deutschen Elektronikmarkt. Aktuelle NIQ-Daten zeigen, dass wiederaufbereitete Smartphones, Tablets, Wearables und Notebooks 2025 deutlich stärker gewachsen sind als Neugeräte. (Bild: OpenClipart-Vectors, pixabay.com)
Der Markt für Refurbished-Produkte wächst nicht nur stark, sondern verschiebt zunehmend die Kräfteverhältnisse im Elektronikmarkt, wie aktuelle Zahlen von Nielsen IQ zeigen. Demnach erzielten wiederaufbereitete Smartphones, Tablets, Wearables und Notebooks in Deutschland im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr Wachstumsraten von jeweils über 30 % in Umsatz und Absatz und entwickelten sich damit deutlich dynamischer als Neugeräte. Besonders umwelt- und preisbewusste Käufergruppen treiben diesen Trend an, doch auch Regularien wie die EU-Richtlinie „Right to Repair“ beeinflussen den Markt.Während der Absatz von Neugeräten im deutschen Smartphone-Markt 2025 um 5 % zurückging (Umsatz: – 3 %), legten refurbished Smartphones deutlich zu: Der Absatz stieg um 38 %, der Umsatz um 36 %. Und im ersten Quartal 2026 legten die Absatzzahlen sogar um 39,4 % gegenüber des selben Zeitraums 2025 zu, berichtet Nielsen IQ. In den übrigen Kategorien zeigt sich ein ähnliches Bild. Refurbished Wearables verzeichneten letztes Jahr ein Absatzwachstum von 53 % und ein Umsatzplus von 49 %. Tablets folgten mit +46 % im Absatz und +42 % im Umsatz, Laptops mit +45 % im Absatz und +31 % im Umsatz (jeweils Januar bis Dezember 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Auch im ersten Quartal 2026 steigt der Umsatz weiter. Insgesamt verzeichnet der Refurbished-Markt ein Umsatzplus von 47,9 % gegenüber Q1 2025 – „ein klares Indiz dafür, dass der Trend sich weiterhin positiv entwickelt“, meint Nielsen IQ.
Parallel zum Wachstum gewinnt das Refurbished-Segment auch innerhalb der einzelnen Kategorien an Bedeutung. So wuchs der Markt für refurbished Smartphones 2025 von rund 7 auf 10 % im Vergleich zum Neugerätevolumen. Bei Tablets erhöhte sich der Anteil von 8 auf 11 %, bei Laptops von 5 auf 6 % und bei Wearables von 2 auf 3 %.
Zugang zu Premium-Technologie bleibt zentraler Treiber
Die Nachfrage konzentriert sich vor allem auf hochwertige Geräte wie Premium-Marken, Flaggschiff-Modelle und Geräte mit modernster Technik. Rund ein Drittel der 2025 verkauften refurbished Smartphones entfällt auf aktuelle Modelle oder deren unmittelbare Vorgängergeneration. Gleichzeitig spielt der Preis eine zentrale Rolle: Refurbished-Produkte sind in Deutschland im Schnitt rund 15 bis 25 % günstiger als vergleichbare Neugeräte. „Bei besonders gefragten Modellen kann der Preisvorteil auch darüber hinausgehen“, sagt Nielsen IQ.
Im Smartphone-Segment entfällt mehr als die Hälfte der Nachfrage auf Geräte im Preisbereich zwischen 200 und 400 Euro. Dieses Segment macht 54 % der verkauften refurbished Smartphones im Jahr 2025 aus und umfasst überwiegend ältere Flaggschiff-Modelle.
Im Tablet-Segment zeigt sich eine Präferenz für höherwertige Geräte: Der durchschnittliche Verkaufspreis refurbished Tablets lag 2025 bei 463 Euro und damit über dem Durchschnittspreis von Neugeräten (402 Euro).
Online dominiert – stationärer Handel gewinnt punktuell an Bedeutung
Mit 90 % wird die große Mehrheit von Refurbished-Käufen auf Online-Kanälen abgewickelt. „Viele Hersteller gehen mittlerweile dazu über, ihre eigenen Produkte wiederaufzubereiten und in ihren Onlineshops anzubieten. Der stationäre Handel spielt hier bislang kaum eine Rolle“, erklärt Julia Kalkowski, Expertin für technische Konsumgüter bei NIQ.
Gleichzeitig zeige sich in einzelnen Segmenten eine zunehmende Dynamik im stationären Handel: Im Notebook-Bereich hat sich der stationäre Absatz von 2024 auf 2025 mehr als verdoppelt. Der Anteil am Gesamtabsatz stieg im gleichen Zeitraum von 4,5 auf 8 %.
„Refurbished-Produkte bedienen den Zeitgeist. Geräte werden länger benutzt, das schont die Umwelt“, so Julia Kalkowski. „Gleichzeitig sparen Konsumenten Geld beim Kauf, profitieren aber trotzdem von modernster Technik.“
Recht auf Reparatur
Auch regulatorische Entwicklungen unterstützen das Wachstum, wie Kalkowski weiter ausführt. „Die EU-Richtlinie ‚Right to Repair‘ geht Ende Juli 2026 auch in deutsches Recht über und sorgt dafür, dass für Tablets, Smartphones und andere elektronische Produkte auch nach der Gewährleistungsfrist ein Recht auf Reparatur gilt. Zusätzlich müssen Hersteller sicherstellen, dass Ersatzteile 5 bis 10 Jahre lang verfügbar sind und Verbraucher Zugang zu Informationen rund um die Reparierbarkeit ihrer Produkte erhalten. Auch Refurbisher profitieren von dem verbesserten Informationsangebot und der Ersatzteillage.
Die Nachfrage nach refurbished Elektronik dürfte auch künftig hoch bleiben. Steigende Preise für Neugeräte und die zunehmende Akzeptanz von refurbished Produkten kurbeln das Wachstum an. Gleichzeitig bleibt die Verfügbarkeit geeigneter Gebrauchtgeräte ein zentraler Faktor für die weitere Marktentwicklung. Längere Nutzungszyklen bei Smartphones, Tablets und Laptops reduzieren das Angebot an jüngeren Geräten, die sich besonders gut für eine Wiederaufbereitung eignen.“


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