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Mittwoch, 10. Juni 2026
Telekom-Kommentar E&W 5/2026

Abschied von 2G

Telekom | Dominik Schebach | 10.05.2026 | Bilder | |  Meinung
Ein bisschen wehmütig wird einem da schon. Am 5. Mai, unmittelbar vor dem Redaktionsschluss, hat A1 den Abschied von 2G für Mai 2028 angekündigt. Nach mehr als 35 Jahren am Markt soll damit der erste digitale Mobilfunkstandard, der eine weite Verbreitung in Österreich erzielt hat, bei A1 in den Ruhestand geschickt werden.

GSM (ursprünglich für Groupe Spécial Mobile – später zur Schonung US-amerikanischer Befindlichkeiten auch Global System for Mobile Communication genannt) war der Standard, welcher der Mobilkommunikation dank Roaming-Möglichkeit und internationaler Verfügbarkeit endgültig zum weltweiten Durchbruch verholfen hat. Der ersten Probebetrieb via 2G hierzulande wurden in Wien 1991 durchgeführt. 1993 war bereits die österreichweite Abdeckung erreicht.  So richtig dynamisch wurde die Entwicklung mit der Liberalisierung des Telekom-Marktes 1996/97. Eine neue Branche war geboren und GSM war einer ihrer Geburtshelfer: Anstatt wochenlang auf den Post-Techniker zu warten, holten sich die Menschen ab dem Moment einfach ein Handy. Der rasante Preisverfall bei den Gesprächsminuten und immer großzügigere Minutenpakete taten das Übrige, um in den folgenden Jahren die SIM-Karten-Penetration immer weiter hinaufzutreiben.

Heute ist 2G ein Nischenthema. Zwar hat der Standard als Basisdienst länger durchgehalten als sein unmittelbarer Nachfolger UMTS, andererseits wird GSM heutzutage von Privatkunden kaum mehr benötigt. In der Sprachkommunikation sind nur noch einige alte Smartphones und Handys, die nicht LTE-fähig sind, von dem Standard abhängig. Daneben fallen allerdings auch modernere Endgeräte auf den Standard zurück, wenn via 4G oder 5G keine Verbindung zustande kommen sollte. In der Datenkommunikation hat sich 2G dagegen trotz der geringen Übertragungskapazität in den M2M-Anwendungen gehalten. Diese Geräte können in Maschinen, Gebäuden oder Fahrzeugen verbaut sein und tauschen nur kleine Datenmenge zu Telemetrie-Daten, Füllständen oder auch Steuerungsbefehle über das 2G-Netz aus.

Mit der Ankündigung von A1 beginnt nun allerdings die Übergangsfrist. Wie zu hören war, beschäftige sich auch Magenta und Drei bereits mit der weiteren Zukunft von 2G. Auch wenn diese Betreiber kein Ablaufdatum kommuniziert haben, die wirtschaftlichen und technischen Gründe sprechen auch bei ihnen für einen Wechsel auf modernere Technologien. Denn einerseits blockiert 2G als Basisdienst noch immer viele Frequenzen im Spektrum, welche wohl jeder Betreiber lieber für leistungsfähige 4G und 5G-Verbindungen benutzen möchte. Andererseits entspricht GSM bei Sicherheit, Datenübertragung, Netzqualität oder Energieeffizienz nicht mehr den heutigen Anforderungen, was ein Phase-out des Standards über eher kurz als lang unausweichlich macht. Wer bisher an seinem Nokia 3310 festgehalten hat, wird sich deswegen nun endgültig nach einem neuen Handy umsehen müssen. Genauso wie Logistiker bei der Flottenverwaltung oder Pipelinebetreiber zur Überwachung ihres Leitungsnetzes Gedanken über ihre M2M-Kommunikation machen müssen. Für die Branche mag das einen kleinen Impuls bringen. Mehr positive Wirkung für den Telekom-Handel erwarte ich mir allerdings von der Nutzung der freiwerdenden Frequenzen für 5G – weswegen ich auch den Umstieg begrüße, trotz aller Nostalgie für GSM.

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