Besuchen Sie uns auf LinkedIn
Montag, 13. Juli 2026
Multimedia-Kommentar E&W 6/2026

Emotionen, Emotionen, Emotionen

Über den Rand | Julia Jamy | 07.06.2026 | Bilder | |  Meinung
Die Fußball-WM steht vor der Tür und unsere Branche freut sich traditionell über die steigende Nachfrage nach Fernsehern und Heimkino-Lösungen. Es wird wieder über Bildqualität, Helligkeit und technische Innovationen gesprochen. Doch eine entscheidende Frage bleibt dabei oft unbeantwortet: Was kaufen Menschen eigentlich wirklich?

Die Fußball-Weltmeisterschaft steht in den Startlöchern, die Wohnzimmer werden wieder zu kleinen Stadien und unsere Branche freut sich traditionell über die steigende Nachfrage nach Fernsehern und Heimkino-Lösungen. Große Sportereignisse waren schon immer ein willkommener Verkaufsanlass. Doch die eigentliche Frage, die sich mir stellt, lautet: Was wird hier eigentlich verkauft? Denn beim Interview mit HeimkinoWelt-Geschäftsführer Thomas Chuchlik und Hisense Commercial Director Sales Dietmar Pils für diese E&W-Ausgabe ist mir nämlich bewusst geworden, wie oft wir in unserer Branche eine bestimmte Sache vergessen, die aber sehr entscheidend ist: die Emotion. Menschen kaufen selten Technik. Sie kaufen Erlebnisse. Natürlich spielen Bildqualität, Helligkeit, Auflösung oder Energieverbrauch eine Rolle. Doch die wenigsten Kunden betreten ein Geschäft mit den Datenblättern in der Hand. Sie wollen wissen, wie sich ein Produkt in ihr Leben einfügt. Wie es letztendlich im Wohnzimmer aussieht. Wie einfach es funktioniert. Wie es sich anfühlt, es zu besitzen. Und vor allem: welche Emotion es auslöst.

Genau deshalb ist Chuchliks Aussage so interessant, dass sich oft nicht das beste Produkt durchsetzt, sondern das einfachste. Man muss dafür nicht einmal weit zurückblicken. Viele Produkte, die heute selbstverständlich erscheinen, haben sich nicht wegen ihren technischen Highlights durchgesetzt, sondern weil sie einfacher zu bedienen waren und den Menschen Arbeit abgenommen haben. Nicht immer war die technisch überlegenste Lösung erfolgreich, sondern jene, die den Menschen den Alltag erleichtert hat. Entscheidend ist, ob ein Produkt Menschen begeistert, Probleme löst und Erlebnisse schafft.

Das gilt aber meiner Meinung nach nicht nur für den Verkauf, sondern auch für die Industrie selbst. Im Interview erzählte Chuchlik von Herstellern, die sich Zeit nehmen, Produkte vorzuführen, Geschichten zu erzählen und Begeisterung zu vermitteln. Gleichzeitig kritisiert er, dass genau diese Emotion in vielen Bereichen der Branche verloren gegangen sei. Denn eines ist sicher: Ein richtig guter Produkttrainer kann mit seiner Begeisterung andere Leute anstecken. Man erinnert sich meist im Nachhinein nicht an die technischen Details. In Erinnerung bleibt die Leidenschaft, mit der jemand erklärt hat, warum ein Produkt so besonders ist. Vielleicht liegt genau darin eine der größten Herausforderungen für die kommenden Jahre. Die Industrie muss nicht nur neue Produkte entwickeln. Sie muss wieder lernen, Begeisterung zu vermitteln.

Und damit wieder zurück zur Fußball-WM. Es wird sich kaum jemand einen neuen Fernseher kaufen, um technische Daten zu vergleichen. Die meisten wollen das Spiel mit Freunden schauen, beim entscheidenden Tor aufspringen oder sich nach dem Schlusspfiff noch über die Fehlentscheidung vom Schiedsrichter aufregen. Es geht um gemeinsame Momente und um Erinnerungen, die bleiben. Die Technik macht das vielleicht möglich, aber die Emotion macht den Unterschied. Und genau das sollten wir in unserer Branche vielleicht öfter im Hinterkopf behalten.

Bilder
Diesen Beitrag teilen
An einen Freund senden