Lieber vor- als nachdenken
Ich habe leider sehr oft den Eindruck, dass die Erneuerbaren-Branche mehr am Hinterherhecheln als am Voranschreiten ist. Das soll in erster Linie aber kein pauschaler Vorwurf oder Kritik an den handelnden Akteuren sein (auch wenn ich mir hier durchaus mehr Ambitionen wünsche), sondern vielmehr eine bloße Feststellung. Dass vieles heute so ist, wie es eben ist, liegt bzw. lag nämlich weniger in den Händer der Photoltaiker & Co. als in der Verantwortung der Politik und sonstiger (ihr zumeist nahestehender) Stellen des Schaltens und Waltens, zu denen man Teile der mächtigen WKÖ (Stichwort fossile Lobby) ebenso zählen darf wie EVUs und Verteilnetzbetreiber.Alle Diskussionen, die über den Zustand der Netze geführt werden und all die Anregungen und Vorschläge, was man jetzt nicht alles wie schnell zu tun hätte, münden bei mir in einer einzigen, immer gleichen Frage: Warum hat man denn nicht – als noch Zeit dazu war? Ich höre jetzt seit gefühlt 15 Jahren irgendetwas über Notwendigkeiten der Netzertüchtigung und des Kapazitätsausbaus – überrascht, dass es es heute so ist, wie es eben ist, kann in dieser Hinsicht wohl niemand geworden sein. Nicht ganz so lange, aber auch schon eine geraume Zeit, ist das Thema Strom- bzw. Energiespeicherung präsent, passiert ist in der Praxis bis vor kurzem allerdings kaum Nennenswertes. Die durch den russischen Überfall auf die Ukraine verursachte Energiekrise war ebenfalls schnell wieder vergessen, als sich die Preise wieder halbwegs erholten – solange, bis die Wurzel des Problems vor wenigen Wochen wie ein Bumerang aus dem Iran zurückkam und uns mit voller Wucht traf. Und einmal mehr habe ich das Gefühl, dass jede noch so kleine Erholung am Energiemarkt als rettender Strohhalm dafür aufgegriffen wird, bloß nichts verändern bzw. unternehmen zu müssen. Nicht jetzt und am besten nie. In Zeiten knapper Budgets ist es landauf und landab nur willkommen, ein paar Euros sparen zu können. Dass wir für diese mentale Kurzsichtigkeit mittel- und langfristig gleich x-fach die Rechnung präsentiert bekommen, nämlich ökonomisch und ökologisch, will (zu) vielen nicht und nicht einleuchten.
Dass wir heute in Sachen Erneuerbaren-Ausbau so gut dastehen, wie wir im Ländervergleich dastehen, ist jedenfalls weniger auf geglückte Energiepolitik als vielmehr einen glücklichen Zufall bei der geografischen Situierung unserer Republik (Stichwort Wasserkraft) zurückzuführen. Zu diesem Ergenis kommt auch der jüngste Länderbericht der Internationalen Energieagentur (IEA): Demnach verfügt Österreich zwar über eine sehr starke Basis bei erneuerbaren Energien, ist jedoch bei der Umsetzung der Energiewende deutlich zu langsam. Laut Bericht wurden 2024 rund 90 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt, wobei die Wasserkraft mit etwa 60 Prozent den größten Anteil ausmachte und Photovoltaik bereits 11,3 Prozent der Stromversorgung erreicht hat – Tendenz stark steigend. Das ist auch jener Aspekt, der mich angesichts der bevorstehenden Intersolar und der dort omnipräsenten Innovationskraft positiv stimmt – eine Branche, die heute schon weiß, wo sie morgen sein will und sich nicht morgen damit abrackern muss, die Versäumnisse von gestern wieder zurechtzubiegen.

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