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Mittwoch, 15. Juli 2026
Telekom-Kommentar E&W 6/2026

Wenn die Faser dunkel bleibt

Telekom | Dominik Schebach | 07.06.2026 | Bilder | |  Meinung
Dominik Schebach Dominik Schebach Wenn CEOs der drei Netzbetreiber gemeinsam vor die Kameras und Mikrofone der Journalisten treten, dann hört man zu. Schließlich sind die drei großen Anbieter für einen wesentlichen Teil der digitalen Infrastruktur Österreichs verantwortlich. Deren Ausbau ist nun gefährdet. Der Ausbau der Glasfaserinfrastruktur ist zu teuer und erreicht zu wenig Menschen.

Wie ein schneller Blick in den RTR Telekom-Report zeigt, sind im Q3 / 25 (dem letzten Quartal, wofür seitens der RTR Zahlen vorliegen) 20.000 Glasfaseranschlüsse (+5 %) in Österreich dazugekommen. Demnach gab es in Österreich Ende September 2026 rund 429.300 FTTH-Anschlüsse. Für die eingesetzten Mittel ist das nicht viel. Das Problem ist, dass zu wenig Haushalte gleich beim Ausbau die Chance nutzen, um sich einen FTTH-Anschluss einrichten zu lassen. Dass die drei CEOs der Netzbetreiber deswegen wieder eine Förderung der Nachfrage anregten, verwundert nicht. Denn nicht nur in deren Augen sind die Breitband-Milliarden zu einer Unterstützung der Bauwirtschaft verkommen. Selbst die OFAA, die Open Fiber Austria, die bisher vehement für die Ausbauförderung eingetreten ist, anerkennt nun das Problem. Zu oft führt die Glasfaser bzw. Leerverrohrung zwar am Haus vorbei, liegt aber fest versiegelt in der Erde.

Hier treffen wohl zwei „Probleme“ aufeinander: Einerseits ist die Mobilfunkversorgung in Österreich ausgezeichnet. Mittels 5G können die meisten Haushalte ihre Bedürfnisse bezüglich Streaming, Home Office und sonstiger Internetnutzung abdecken. Daneben besteht ein Generationenproblem: Wie ich beim Ausbau der Glasfaserleitungen in meiner Heimatstadt südlich von Wien beobachten konnte, war die Ausbaugesellschaft vor Ort zwar schnell mit einer allgemeinen Postwurfsendung, ließ ansonsten die potenziellen Kunden ziemlich allein. In dem Viertel wohnen überdurchschnittlich viele ältere Menschen, die interessiert ein noch schnellerer Internetanschluss schlicht nicht. Gleichzeitig gestaltet sich das Einleiten einer Glasfaser in ein Jahrhundertwendehaus durchaus kompliziert, weswegen in der Straße mit meinem Elternhaus nur ein paar Haushalte die Glasfaser dann auch einleiten ließen. Wenn in den nächsten zehn Jahren viele der Häuser im Viertel ihre Besitzer wechseln, werden die neuen Eigentümer nur bei sehr großem Leidensdruck für einen Anschluss nochmals die Asphaltdecke aufreißen lassen und die Handwerker für die notwendigen Bohrarbeiten holen. Damit ist das Kapital gebunden, arbeitet aber nicht.

Die Schwäche lag im Vertrieb und im Service. Die Ausbaugesellschaft, welche nach ihrem eigenen Anspruch ein offenes Netz vertreiben will, ging nicht auf die Bedürfnisse der Kunden ein. Folglich verzichteten auch viele der Anrainer auf die Chance für einen FTTH-Anschluss. Wer eine höhere Take-up-Rate will, der muss auch dafür sorgen, dass mit einem entsprechenden Vorlauf auch Telekom-Vertriebsprofis vor Ort sind, welche die Kunden beraten können. Und es muss Modelle geben, sodass Hauseigentümer ohne unmittelbaren Bedarf kostengünstig zu einem Anschluss kommen, womit die nächste Generation die Technologie nutzen könnte. Geschieht das nicht, werden die Glasfasernetze in der Erde dunkel bleiben.

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Dominik Schebach
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