Reparaturwirtschaft übt scharfe Kritik an Ende der Geräte-Retter-Prämie
Mario Fasching, Geschäftsführer von Österreichs größtem Reparaturnetzwerks ESECO. (Bild: Michael Schnabl)
Bei der Präsentation des Doppelbudgets wurde von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) die Streichung der Geräte-Retter-Prämie bekanntgegeben. Diese Entscheidung stößt bei ESECO auf massiven Widerstand. Als Ersatz schlägt das österreichische Reparaturnetzwerk eine Senkung der Mehrwertsteuer für Reparaturen auf 10% vor.Die Streichung der Geräte-Retter-Prämie stößt beim österreichischen Reparaturnetzwerk ESECO auf massiven Widerstand. Bekannt gegeben wurde die Entscheidung am 10. Juni 2026 von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) bei der Präsentation des Doppelbudgets.
Als Ersatz schlägt ESECO eine Senkung der Mehrwertsteuer für Reparaturen auf 10% vor. Die Förderung habe sich in den vergangenen Jahren als wirksames Instrument etabliert, um das Aufkommen von Elektroschrott zu reduzieren. Der neuerliche Förderstopp werde die Reparaturbranche empfindlich treffen und widerspreche auch dem via EU-Richtlinie verankerten „Right to Repair“.
„Die Erfahrungen aus dem Jahr 2025 haben gezeigt, wie rasch sich Veränderungen in der Gesetzgebung auf das Reparaturverhalten der Menschen auswirken. Nach dem Aussetzen des Reparaturbonus ging die Nachfrage nach Reparaturen und Ersatzteilen rapide zurück. Dadurch gerieten auch Reparaturbetriebe massiv unter Druck, manche mussten sogar schließen. Ein ähnliches Szenario erwartet uns jetzt“, zeigt sich Mario Fasching, Geschäftsführer von Österreichs größtem Reparaturnetzwerks ESECO, besorgt.
Erst mit der Einführung der Geräte-Retter-Prämie 2026 habe sich die Situation stabilisiert. „Dass wir in Europa eine bessere Reparaturkultur brauchen, ist unbestritten und sogar gesetzlich verankert“, weist Fasching auf das EU-weite „Right to Repair“ hin, das in der Richtline (EU) 2024/1799 erfasst ist und bis Ende Juli 2026 umgesetzt sein muss. Die Verordnung sieht unter anderem vor, dass alle Mitgliedsstaaten mindestens eine Maßnahme zur Förderung der Reparatur ergreifen müssen.
Österreich hatte diese Auflage zwar mit der Geräte-Retter-Prämie bereits erfüllt und nun einen Schritt in die falsche Richtung gesetzt, meint der Reparatur-Fachmann und kritisiert das Vorhaben der Bundesregierung: „Das Finanzministerium (BMF) gibt einen harten Sparkurs vor. Dass das Ministerium (BMLUK), das für die Geräte-Retter-Prämie zuständig ist, ausrechnet diese Klimaschutz-Maßnahme gekippt hat, halte ich für kurzsichtig und verantwortungslos.“
Reparaturen fixer Bestandteil der Kreislaufwirtschaft
Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft sei immer mit ökologischen als auch mit wirtschaftlichen Maßstäben zu messen, so Fasching. „Reparaturen verringern das Aufkommen von Elektroschrott, weil sie die Nutzungsdauer von Geräten verlängern. Aber Reparaturbetriebe dienen auch der Volkswirtschaft, weil sie die Wertschöpfung im Land halten und Arbeitsplätze schaffen. Gerade in Zeiten angespannter Lieferketten und steigender Rohstoffabhängigkeiten ist das ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit, den man als Finanzminister nicht aufs Spiel setzen sollte“, gibt er zu bedenken.
Reparaturförderung kein beliebig austauschbarer Budgetposten
Aus Sicht des Reparaturnetzwerks ESECO sei nun dringender Handlungsbedarf: „Die österreichische Reparaturwirtschaft braucht dringend mehr Planbarkeit und Kontinuität als in den vergangenen Jahren. Mittelfristig sollte die Finanzierung auf eine breitere Basis gestellt werden, etwa im Rahmen einer erweiterten Herstellerverantwortung. Wer Produkte verkauft, sollte auch einen Beitrag dazu leisten, dass diese möglichst lange genutzt werden können. Wenn das Reparaturangebot verlorengeht, wird sein Wiederaufbau Jahre dauern. Deswegen appelliere ich an die Regierung, jetzt die Weichen für die Zukunft der österreichischen Reparaturkultur zu stellen und zumindest eine Senkung der Mehrwertsteuer für Gerätereparaturen auf 10% zu beschließen. Die aktuelle Lage ist aus klimapolitischer und wirtschaftlicher Sicht ein riesiger Rückschritt für die österreichische Reparaturbranche.“

Allgemein stellt sich schon die Frage, warum gerade Reparaturen gefördert werden müssen. Vielfach liegt es einfach an den enorm hohen Ersatzteilpreisen diverser Hersteller, bzw. der Verfügbarkeit des ganzen Chinesenschrotts. Auch die Lieferzeiten und der Technikermangel sind teils eine Katastrophe pur. Wenn alles funktionieren würde, kostet jede Reparatur vermutlich nicht einmal die Hälfte. Natürlich sind wir Reparaturbetriebe froh über diese Förderung. Volkswirtschaftlich sinnvoll ist sie es nicht, genauso wenig wie die PV Förderung. Österreich ist ein Förderland. Von der einen Tasche nimmt man die Kohle raus, in die andere Tasche steckt man einen Teil davon wieder rein. Die Differenz frisst das staatlich organisierte Bürokratiemonster.
Dass Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) beim Doppelbudget die Geräte‑Retter‑Prämie streicht, sorgt beim Reparaturnetzwerk ESECO zu Recht für massiven Widerstand.
Aber ehrlich gesagt: Schon beim ursprünglichen Reparaturbonus wurde handwerklich vieles falsch gemacht. Es wurden Produkte gefördert, die später – völlig zurecht – wieder aus dem System entfernt wurden.
Ein Fernseher zu reparieren war wirtschaftlich gesehen der größte Fehler überhaupt:
Erstens lagen die Reparaturkosten fast immer über dem Preis eines neuen Geräts.
Zweitens war es nur durch den Abzug der Förderung (max. 130 €) überhaupt minimal günstiger – und am Ende stand trotzdem wieder veraltete Technologie im Wohnzimmer.
Bei der „weißen Ware“ – also Waschmaschinen, Geschirrspülern und ähnlichen Haushaltsgeräten – hat die Förderung dagegen immer absolut Sinn gemacht. Genau dieser Bereich ist entscheidend für Ressourcenschonung und Klimaschutz.
Dass dieser Sektor nun komplett mitabgeschafft wird, ist ein echter Rückschritt für jede ernsthafte Klimapolitik.
Wenn das Finanzministerium sparen will, sollte man nicht ausgerechnet funktionierende Klimaschutz‑Maßnahmen kippen.
Der Vorschlag von ESECO, stattdessen die Mehrwertsteuer auf Reparaturen auf 10 % zu senken, ist aus meiner Sicht kein vernünftiger Ausweg. Diese Senkung kann die bisherige Förderung in keiner Weise ersetzen.
..auf der einen Seite fleißig auf Steuerzahlerkosten im Sinne der Kreislaufwirtschaft reparieren und auf der anderen Seite den Selbstbehalt im Gesundheitssystem anheben bzw. einführen…
.. finde den Fehler..
Eine dauerhafte Senkung der Märchensteuer wäre eine nachhaltige und bürokratie- und diskriminierungsfreie Entscheidung.
Das EU-weite „Right to Repair“ hin, das in der Richtline (EU) 2024/1799 erfasst ist und bis Ende Juli 2026 umgesetzt sein muss.
Auf das bin ich schon neugierig was das wird.
Wird der Zugang zu Unterlagen erleichtert?
Werden Ersatzteilpreise kleiner (z.B. Miele) ?
Wird die Ersatzteilverfügbarkeit besser?
Und das ab ende Juli, also ich kann mir das bei besten Willen nicht vorstellen.
Für die Werkskundendienste ist das jetzt eine Goldgrube.
Na endlich! Wenn Reparaturen von Endkonsumenten nur dann durchgeführt werden, wenn der Staat mit zahlt dann läuft was falsch…. Endlich ist diese Wettbewerbsverzerrung vorbei!
Leider ist kein Geld für diese äußerst sinnvolle Steuerung hin zu Reparatur mehr da. Auch nicht für viele weitere Massnahmen die Nachfolgegenerationen zu Gute kommen würden. Die Reparaturprämie war ein kleines Gegengewicht zu immer häufiger chinesischer Neuware, ich habe grad so meine Erfahrungen mit Produkten von ‚Mowa‘ gemacht, einfach unzumutbar. (Hr Ing Breitfuss findet es toll genau das zu tun: Produkte nicht reparieren und durch neuen oftmals Schrott zu ersetzen, der Kunde merkts zu spät was er gekauft hat – Gratulation für die Weitsicht.) Das Geld wird für viele andere, dringlichere, brennendere Probleme benötigt. Unter anderem zur Versorgung der Nachwehen und Schadensbegrenzung der offenen Grenzen, wer erinnert sich an Faymann und die Jahre danach…