Sigenergy launcht SigenAgent
Mit dem Launch des neuen SigenAgent läutet Sigenergy den nächsten Schritt in „KI im Energiemanagement“ ein. (© Sigenergy)
Sigenergy hat mit SigenAgent ein autonomes KI-System vorgestellt, das Solar- und Speicher eigenständig steuert. Die Lösung soll die Art und Weise, wie Privathaushalte und Unternehmen erneuerbare Energien nutzen und steuern, grundlegend verändern. Präsentiert wurde SigenAgent im Rahmen der Unternehmensveranstaltung „AI in All“.
Mit dem Wandel der globalen Energiemärkte verschieben sich die Herausforderungen zunehmend von der Stromerzeugung hin zu komplexen und stark schwankenden Verbrauchs- und Lastprofilen. Die herkömmliche, manuelle Steuerung von Energieanlagen stößt dabei immer häufiger an ihre Grenzen. Genau hier setzt Sigenergy mit seinem neuen KI-Agenten SigenAgent an. Die Lösung soll Energieanlagen in die Lage versetzen, die Ziele ihrer Nutzer selbstständig zu interpretieren und umzusetzen. „Echte KI ist mehr als nur ein Chatbot“, sagt Tony Xu, Gründer und CEO von Sigenergy. „Sie ist ein Partner, der die Ziele der Nutzer versteht, Aufgaben eigenständig ausführt und kontinuierlich dazulernt.“
Nutzer definiert das Ziel
SigenAgent arbeitet nach dem Prinzip eines kontinuierlichen Kreislaufs aus Wahrnehmung, Schlussfolgerung und Handlung.. Dabei berücksichtigt das System in Echtzeit Faktoren wie Wetterprognosen, schwankende Strompreise oder Netzbedingungen und ermittelt automatisch die jeweils effizienteste Betriebsstrategie. Für ein umfassendes Energiemanagement setzt Sigenergy auf vier spezialisierte KI-Funktionen:
- Energy Manager: Die Anwendung bringt ein Prinzip, das an autonomes Fahren erinnert, in private Solar- und Speichersysteme. Nutzer definieren lediglich übergeordnete Ziele, etwa die Senkung der Stromkosten oder die Sicherstellung einer Notstromversorgung. Die KI übernimmt anschließend die Konfiguration und Steuerung der Anlage.
- System Doctor: Statt aufwendiger manueller Fehlersuche ermöglicht die Funktion eine automatisierte Diagnose in Sekundenschnelle. Per Sprach- oder Textbefehl wird die gesamte Anlage überprüft, Fehlerquellen werden identifiziert und deren Ursachen analysiert. Dadurch sollen Wartungsaufwand und Servicekosten deutlich sinken.
- Power Trader: Für Betreiber von Batteriespeichern optimiert die Anwendung Handelsstrategien auf volatilen Strommärkten. Die KI reagiert in Echtzeit auf Marktbewegungen und unterstützt die Teilnahme an Virtuellen Kraftwerken (VPP), um zusätzliche Erlöse zu erzielen.
- Business Assistant: Die Lösung richtet sich an Unternehmen und verknüpft Daten aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen. Dadurch sollen Informationssilos aufgelöst und datenbasierte Empfehlungen für Produktion, Logistik und Betriebsabläufe bereitgestellt werden.
Mehr als nur Algorithmen
Nach Angaben von Sigenergy handelt es sich bei SigenAgent nicht um eine isolierte Softwarelösung, sondern um das Ergebnis einer langfristigen Integration von Hard- und Software. CEO Tony Xu betonte, dass KI im Energiesektor mehr als nur Algorithmen erfordert; sie braucht eine zuverlässige physische Grundlage.
Weltweit sind laut Unternehmen bereits mehr als 200.000 Energiesysteme mit Sigenergy-Technologie in Betrieb. Die Plattform erfasst Daten aus Stromerzeugung, Energiespeicherung, Ladeinfrastruktur und Netzanschluss und verknüpft diese über verschiedene Kommunikationsstandards zu einer durchgängigen Betriebsumgebung. Dank einer KI-fähigen Systemarchitektur können bestehende Anlagen die neuen Funktionen per Over-the-Air-Update (OTA) erhalten, ohne dass zusätzliche Hardware installiert werden muss.
Fokus auf Sicherheit und Transparenz
Um Sicherheit und Vertrauen zu gewährleisten, setzt Sigenergy nach eigenen Angaben auf mehrere Schutzmechanismen. Kritische Änderungen an Systemeinstellungen erfordern weiterhin die ausdrückliche Zustimmung der Nutzer. Zudem werden Daten regional in sechs Rechenzentren gespeichert, um lokale Datenschutzvorgaben einzuhalten. Auch bei einem Ausfall der Internetverbindung sollen vorprogrammierte Backup-Strategien einen stabilen Betrieb gewährleisten.
Gleichzeitig verspricht das Unternehmen maximale Transparenz: Nutzer können jederzeit nachvollziehen, warum das System Energie speichert, einspeist oder verbraucht und auf welcher Grundlage Entscheidungen getroffen werden. Die Bedienung erfolgt über bekannte Kommunikationskanäle wie WhatsApp oder Telegram und soll sich damit nahtlos in bestehende Nutzergewohnheiten integrieren.
„Völlig neuer Umgang mit Energie“
Gemeinsam mit dem Unternehmen Frost & Sullivan hat Sigenergy zudem das „2026 AI-Powered New Energy Industry Development White Paper“ veröffentlicht. Darin wird mit dem sogenannten Energy Intelligence Level (EIL) ein fünfstufiges Klassifizierungssystem vorgestellt, das sich an den Entwicklungsstufen des autonomen Fahrens orientiert. Es soll als Orientierung für den Übergang von intelligenten Einzelgeräten hin zu vollständig autonomen Energiesystemen dienen.
„Wir präsentieren heute nicht nur ein neues Produkt oder ein technisches Upgrade, sondern einen völlig neuen Umgang mit Energie“, betont Xu. „Nutzer können jede Kilowattstunde optimieren, ohne komplexe technische Zusammenhänge verstehen zu müssen. Energiesysteme entwickeln sich von passiver Hardware zu aktiven Begleitern.“

Kommentare