Preishuber: „Man darf nicht nachlassen”
Dank zahlreicher Initiativen sieht Landesinnungsmeister Stephan Preishuber die Branche in Oberösterreich – gerade auch im Nachwuchsbereich – gut aufgestellt. (© WKOÖ)
Mehr als 2.300 aktive Betriebe und 1.035 Lehrlinge werden aktuell durch die oberösterreichische Elektroinnung vertreten. An deren Spitze stehen als Landesinnungsmeister Stephan Preishuber sowie als Geschäftsführer Christoph Stoiber – und beiden ist der Nachwuchsbereich ein besonderes Anliegen.E&W: Mit welchen thematischen Schwerpunkten beschäftigt sich die Landesinnung OÖ?
Stephan Preishuber: Im Frühjahr bildete die Landesförderung für Batteriespeicher einen Schwerpunkt. Diese wurde bei der Energiesparmesse Wels gestartet und ist im Mai, ausgelaufen. Dabei standen zwei Mal je 4 Mio. Euro zur Verfügung und die Abwicklung war wirklich extrem einfach und unbürokratisch – man brauchte nur das Förderformular auszufüllen und die Rechnung einzuschicken.
Aufgrund der Industrielastigkeit ist es natürlich ein Thema, wenn dort momentan gespart wird. Zum Glück haben wir im Seengebiet und auch im Mühlviertel Tourismus, daher hat Oberösterreich auch mit den Arbeitslosenzahlen keine großen Probleme. Unter den Elektrobetrieben schaut jeder, dass er seine Leute halten kann – weil man ja weiß: einmal weg, für immer weg. Mittlerweile erhält man ab und zu sogar wieder einmal Bewerbungen von richtig guten Leuten – das hat es in den letzten Jahren gar nicht gegeben und hier ist ein gewisser Umbruch spürbar. Mit dem vorhandenen Personal sind wir im Moment jedenfalls ganz gut ausgelastet.
Außerdem haben wir eine WhatsApp-Gruppe, die richtig gut ankommt und von 300 Elektrikern sehr aktiv genutzt wird. Diese wurde eigentlich ins Leben gerufen, damit sich die Betriebe auf Baustellen, mit Personal oder mit bestimmten Produkten gegenseitig unterstützen können, aber mittlerweile geht es dort hauptsächlich um technische Fragen, die schnell und kompetent beantwortet werden. Das ist eine tolle Hilfestellung untereinander und das wissen die Mitglieder sehr zu schätzen. Zu erwähnen sind auch noch die Elektriker-Stammtische der Netz OÖ, mit der wir die Zusammenarbeit in den letzten Jahren massiv verstärkt haben – denn beide Seiten haben gesehen, dass es nur miteinander geht.
Ein zentraler Punkt ist das Lehrlings- bzw. Personalthema. Wie schaut es diesbezüglich in Oberösterreich aus?
Preishuber: Prinzipiell kämpfen alle Branchen um die jungen Leute, das ist einfach der Demographie geschuldet, und auch bei uns sind die Lehrlinge eher Mangelware. Aber wenn man als Firma ein bisschen etwas dafür tut, dann kriegt man schon passende Leute, außerdem gibt es einige Unterstützungsmaßnahmen des Landes OÖ bzw. der WKOÖ. Wir sind auch von den Berufsschulen her ganz gut aufgestellt. Gerade weil die Industrie momentan ein wenig schwächelt, werden auch die Eltern oft wieder ein bisschen vorsichtiger – und einem Elektriker, den es in der zweiten oder dritten Generation gibt traut man zu, dass es ihn beim Abschluss der Lehre auch noch geben wird. Daher sind wir schon stolz auf unsere Lehrlingszahlen und auch darauf, dass wir im Vergleich zu anderen Branchen wirklich gute, kompetente Lehrlinge haben.
Wir investieren als Landesinnung jedes Jahr auch sehr viel in die Lehrlingswerbung: Das reicht von Lehrlingsmessen über Aktivitäten im Online-Bereich bis hin zu einem Schulbesuchsprojekt, bei dem wir jährlich 300-400 Vorträge in über 100 Schulen machen. Aber man darf da nicht nachlassen, da wir uns in einem harten und ständigen Mitbewerb mit Schulen und anderen Berufen befinden. Knapp die Hälfte der Jugendlichen entscheidet sich jedes Jahr für eine Lehre, und bei den Elektrotechnikern gelingen uns bereits über viele Jahre stabile Lehrlingszahlen. Was uns sicher in die Karten spielt ist das Thema KI bzw. die Aussicht auf einen zukunftssicheren Beruf, denn in der Haustechnik muss trotz aller Tools und KI-Unterstützungen am Ende des Tages ein Fachmann alles zusammenbauen. Darauf, dass Eltern das als Auswahlkriterium für die Berufswahl ihrer Kinder sehen, beginnt man in unserer Branche immer mehr zu setzen.
Welche konkreten Maßnahmen werden noch ergriffen?
Preishuber: Wir forcieren den Social Media Bereich und werden im Herbst wieder eine große Social Media Kampagne starten. Damit wollen wir in der Berufsorientierungsphase helfen, die wirklichen Interessen zu entdecken und das Bewusstsein entsprechend zu fördern – und die Berufswahl professionell begleiten, mit Videos über den Arbeitsalltag des Lehrlings, Karrierechancen, usw. Spitze wäre, wenn wir dabei auch ein Rolemodel oder ein Best Practice-Beispiel für einen weiblichen Lehrling hätten – aber eine solche junge Elektrikerin suchen wir noch.
Wie läuft die Kommunikation mit den Betrieben insgesamt?
Preishuber: Wir legen sehr viel Wert darauf, dass wir die Mitglieder wirklich betreuen, sie zu Kunden machen, und dass wir durch Serviceleistungen der Landesinnung regelmäßig mit ihnen in Kontakt sind. Das funktioniert wirklich gut und die Zufriedenheit ist sehr hoch, und dennoch haben wir uns als WKOÖ das Ziel gesetzt, möglichst alle Mitglieder zu erreichen. Wobei erreichen für uns nicht heißt, einen Newsletter bzw. Brief oder eine Veranstaltungseinladung zu schicken, sondern einen echten, nachgefragten Servicekontakt zu generieren – eine konkrete Dienstleistung, eine angefragte Förderung oder der Besuch einer Veranstaltung, das sind für uns echte Kontakte. Und dahingehend gilt auch unsere Einladung: Wir sind erreichbar und jeder Unternehmer möge sich gerne mit seinen täglichen Herausforderungen und Sorgen an uns wenden. Wir haben für sehr viele Aspekte etwas im Angebot, und wenn in einem konkreten Fall noch nicht, dann ergibt sich dadurch vielleicht ein Auftrag an uns.
Gerade weil das Angebot der Wirtschaftskammer so breit gestreut ist, ist es schon auch ein bisschen eine Holschuld – man muss sich einfach nur melden und sagen, was man braucht. Bei diesen Servicethemen ist der Nutzen für das Mitglied auch leicht erkennbar. Bei Themen der Interessenvertretung ist das oft ein wenig schwieriger, weil vieles hinter den Kulissen abläuft und die erbrachten Leistungen nicht so offensichtlich sind. Anhand der Speicherförderung, die wir ja initiiert haben, lässt sich das vielleicht in Zahlen fassen: Maximal 40% der Anschaffungskosten wurden gefördert, im Schnitt wahrscheinlich rund ein Drittel. Zur Verfügung standen ursprünglich 4 Mio. Euro Fördervolumen, diese Mittel wurden aufgrund der guten Nachfrage nochmals aufgestockt. Somit haben wir damit rund 24 Millionen Umsatz für die Elektrotechniker in Oberösterreich generiert – und das ist schon viel mehr, als wir alle zusammen in den nächsten Jahrzehnten an Mitgliedsbeiträgen zahlen werden.
Die Landesinnung Oberösterreich im Überblick:
Obmann: Stephan Preishuber
Stellvertreter: Arno Kransteiner
Stellvertreter: David Schießl
Geschäftsführer: Christoph Stoiber
Assistentin: Nikoletta Nagy
Telefon: 05 / 90909 4161
Mail: elektro@wkooe.at
Web: www.elektroinnung.at

Gerade im Lehrlingsbereich leistet die WKO großartiges. Leider arbeiten unsere Schulen, ausgenommen die Polytechnische Schule dagegen. Und auch die Eltern der jungen Menschen sind den Akademiesierungswahn verfallen. Nach elendslangen Schulbesuchen oder dem Besuch von Orchideenstudien wird leider ein böse Erwachen kommen. Die KI & Co wird diese Ausbildungen obsolet gemacht haben. Einzig ein sinnstiftender Lehrberuf ist Goldes wert. Nicht umsonst heißt es: „Das Handwerk hat goldenen Boden.“