Speicherausbau als Schlüssel für Strompreissenkung
Herbert Paierl (Vorstandsvorsitzender Bundesverband Photovoltaic Austria), Raphaela Hein (Power Market Expert Enery & designiertes Vorstandsmitglied Bundesverband Photovoltaic Austria), Lukas Stühlinger (Analyst & Managing Partner FINGREEN) (© PV Austria)
Obwohl die Photovoltaik in Österreich inzwischen die zweitwichtigste Stromquelle am österreichischen Markt ist, hält der fehlende Batteriespeicherausbau die heimischen Strompreise weiter auf Rekordniveau. Wie Strommengen bedarfsgerecht bereitgestellt werden können, damit hat sich eine Analyse von Fingreen im Auftrag der PV Austria beschäftigt.Während der Ausbau der Photovoltaik in jüngster Vergangenheit Fahrt aufgenommen hat, bleibt der Speicherausbau noch auf der Strecke. Die Frage rückt in den Mittelpunkt, wie der erzeugte Sonnenstrom optimal genutzt und bedarfsgerecht bereitgestellt werden kann. Dazu gaben Herbert Paierl und Raphaela Hein von der PV Austria und Lukas Stühlinger, Managing Partner bei Fingreen und Autor der Analyse, Kontext aus der Branche und Einblicke in die Ergebnisse der Analyse.
Das Hauptproblem im österreichischen Strommarkt ist demnach nicht zu wenig Solarstrom, sondern die zeitliche Verschiebung von Angebot und Nachfrage. Der um die Mittagszeit erzeugte Stromüberschuss wird genau dann am wenigsten gebraucht, in den meistfrequentierten Stunden des Abends (17-21 Uhr) ist der Strom dafür umso teurer. In den vergangenen drei Jahren war der Abendstrom um durchschnittlich 70 Prozent teurer als Mittags.
Wie kann Strom bedarfsgerecht bereitgestellt werden?
Ein zentraler Hebel für mehr Flexibilität und damit günstigere Strompreise insgesamt ist der gezielte Ausbau von Batteriespeichern.
„Batteriespeicher – egal ob klein oder groß – können einen wesentlichen Beitrag leisten, um hohe Strompreise für alle Konsumentinnen und Konsumenten spürbar zu senken. Der große Bonus für Österreich liegt in der Kombination aus netz- und gleichzeitig marktdienlicher Nutzung, statt einer Abregelung von Erzeugungsanlagen in Zeiten mit negativen Strompreisen“, so Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender von PV Austria.
Die Analyse zeigt für den heimischen Markt ein großes Potential. Könnte Österreich seine aktuelle Batteriekapazität mit einem Schlag verfünffachen, wäre es schon heute möglich, an 60 Sommertagen den teuren Strombedarf in den Abendstunden mit überschüssigem PV-Strom zu decken. Notwendig wäre dafür laut PV Austria eine Batteriekapazität von bis zu 16 Gigawattstunden.
Paradebeispiel Bulgarien
Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegt Österreich beim Batteriespeicherausbau deutlich zurück. So weisen Bulgarien und Österreich beispielsweise ein vergleichbares Verhältnis von Spitzenverbrauch zu installierter PV-Leistung (wenn gleich die absoluten Zahlen um rund 1/3 niedriger sind in Bulgarien) auf. Dennoch verfügt Bulgarien bereits über deutlich mehr – direkt ans Stromnetz angeschlossene – Batteriespeicherleistung im Verhältnis zur installierten PV-Leistung als Österreich.
„Bulgarien hat bereits zahlreiche Groß-Batterieprojekte mit mehreren hunderten Megawattstunden umgesetzt und zeigt damit, wie unter den richtigen Rahmenbedingungen und selbst mit einem deutlich höheren Anteil an fossiler Energie, abendliche Stromspitzen gesenkt werden können“, schildert Raphaela Hein, Power Market Expert Enery und designiertes Vorstandsmitglied von PV Austria. Als Energiemarkt-Expertin ist Hein für den wirtschaftlichen Einsatz von Batterieprojekten in ganz Europa zuständig und kennt daher sehr gut die Vorteile von Batteriespeicher für das Gesamtsystem, wenn die Rahmenbedingungen den Ausbau forcieren.
Die Hauptrolle für den raschen Batteriespeicherhochlauf in Bulgarien spielten einheitliche Netzentgelte, die Speicher nur für die Eigenverluste zahlen, und das derzeitige Marktumfeld. Außerdem halfen staatliche Förderungen und der politische Wille, Netzzugänge in der Nähe von Umspannwerken zu bewilligen, dem zügigen Ausbau. „Durch den dortigen Batterieausbau sinken bereits an manchen Tagen die abendlichen Stromspitzen am Day-Ahead- und
Intradaymarkt, da die Batterie-Flotte in diesen Stunden ausspeist und teure Stromquellen, vor allem Braunkohle, aus der Merit-Order drängt. Das ist bemerkenswert, da Bulgarien einen deutlich höheren Anteil an fossiler Energie als Österreich hat, aber auch weil das Land stark am hohen rumänischen und griechischen Strompreis hängt“, erläutert Hein.
Fünf Maßnahmen für erfolgreichen Speicherausbau
Aus der Analyse ergeben sich klare Maßnahmen, die nun nötig wären, um die Lage entsprechend herzustellen.
- Ausbau und Vereinfachung der EAG-Investitionsförderung für kleine Batteriespeicher bei neuen und bestehenden PV-Anlagen. Damit kann der Eigenverbrauch optimiert und ein Mehrwert für das Gesamtsystem geschaffen werden.
- Erhalt der EAG-Marktprämie für Photovoltaik-Strom, der zwischengespeichert und zeitversetzt ins Netz eingespeist wird. Mit einer raschen Umsetzung der „Technischen und Organisatorischen Regeln (TOR) Messwesen“ kann die energiewirtschaftliche Erfassung und Zuordnung der Strommengen klar und praxisgerecht geregelt werden.
- Einführung einer Netzentgeltbefreiung für den Strombezug von Batteriespeichern aus dem öffentlichen Netz, um deren Potenzial ganzjährig nutzen zu können. Dies sollte sowohl für Batteriespeicher direkt bei PV-Anlagen als auch für Stand-alone-Lösungen gelten und muss über die Systemnutzungsentgelte- Verordnung eindeutig geregelt werden.
- Umfassende Daten und mehr Transparenz bei Netzbetreibern über Flexibilitätsbedarf, Dauer von Netzeinschränkungen und verfügbare Netzkapazitäten schaffen. Dies ermöglicht Planungssicherheit und wirtschaftliche Kalkulierbarkeit.
- Österreichweit einheitliche und vereinfachte Regelungen für die Nachrüstung von Batteriespeichern bei bestehenden PV-Anlagen, um bestehende Stromerzeugungsanlagen ökonomisch optimal zu erweitern.
Die komplette Kurzanalyse kann HIER nachgelesen werden.

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