Die EU, China und das Wechselrichter-Verbot: Das sagen die Hersteller
Aus Sicht des deutschen Herstellers SMA ist „das zunehmende regulatorische Engagement der EU im Bereich Cybersicherheit richtig und notwendig”. (© SMA)
Wie steht eigentlich die Industrie zum angekündigten EU-Förderverbot für PV-Wechselrichter aus China und anderen als „hochriskant” eingestuften Ländern. elektro.at hat bei Huawei, SMA und Fronius nachgefragt – und darüber hinaus auch um eine Einschätzung gebeten, ob Europa die Energiewende aus eigener Produktion schaffen könnte.Als Marktführer bei PV-Wechselrichtern steht der chinesische Hersteller Huawei schon seit längerem im Fokus der europäischen Behörden. Auf Anfrage von E&W teilt das Unternehmen folgendes mit:
E&W: Inwiefern ist Ihr Unternehmen konkret betroffen?
Huawei: Aktuell liegen uns keine konkreten Unterlagen vor, alle zirkulierenden Informationen stammen aus Medienberichten und verbaler Kommunikation. Demnach sind in erster Linie EU-Finanzierungsmittel betroffen, die insbesondere über die Europäische Investitionsbank (EIB) sowie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) für Projekte vergeben werden. Für die Förderprogramme des EAG (Investitionszuschuss und Marktprämie) gilt dieser EU-Förderstopp jedenfalls nicht, da hierfür ausschließlich nationale Fördermittel herangezogen werden. Lokal sind wir also nach ersten Einschätzungen wenig betroffen.
E&W: Halten Sie die aktuelle Maßnahme für gerechtfertigt? Und daran anknüpfend: Ist sie aus Ihrer Sicht sogar diskriminierend bzw. wettbewerbsverzerrend?
Huawei: Wir halten es generell für höchst bedenklich, Förderungen oder Finanzierungsmöglichkeiten ohne konkrete Fakten oder technischer Belege einzuschränken. Derartige Einschränkungen entbehren einer objektiven und nachvollziehbaren Grundlage, stellen eine Herkunftsdiskriminierung dar und verstoßen gegen den Grundsatz der fairen und nichtdiskriminierenden Behandlung im internationalen Handel.
E&W: Wie schätzen Sie deren Auswirkungen bzw. das Ausmaß ein? Welche Reaktionen der Kunden bzw. Auftraggeber hat es gegeben?
Huawei: Bislang gab es vor allem Verunsicherung und Verwirrung. Nach unserem aktuellen Kenntnisstand wurde auf lokaler Ebene ein falsches Bild der tatsächlichen Situation vermittelt.
E&W: Beim Thema Cybersecurity setzt die EU auf ein strenges Regelwerk. Wie beurteilen Sie dieses und befürchten Sie noch weitere Schritte der EU, die Sie als Hersteller betreffen könnten?
Huawei: Wir würden eine transparente Überprüfung der Beweisgrundlage aller politischen Maßnahmen begrüßen. Alle Anbieter sollten denselben Standards für technische Transparenz und Cybersicherheit unterliegen, um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten und gemeinsam die Energiewende in Europa zu unterstützen.
E&W: Welche Lösungsansätze verfolgen Sie, um wieder uneingeschränkt am europäischen Markt partizipieren zu können?
Huawei: Huawei arbeitet in Europa seit jeher mit internationalen und industriellen Cybersicherheitsstandards. Unsere Photovoltaik-Produkte verfügen über alle gängigen Zertifizierungen unabhängiger Prüfinstitute. Huawei ist generell fest davon überzeugt, dass Cybersicherheit und der Schutz der Privatsphäre die Grundpfeiler für die Entwicklung einer digitalen und intelligenten Welt sind. Jedes Jahr investiert der Konzern im Rahmen seiner R&D-Tätigkeiten rund eine Milliarde Euro in den Bereich Cybersicherheit. Lösungsansatz und Anspruch war und bleibt es, die sichersten Produkte am Markt zu liefern.
E&W: Glauben Sie, dass Europa die Energiewende auch ohne entsprechende Produkte und Lösungen aus China schaffen könnte?

Huawei: Die Energiewende ist ein gemeinsames Ziel, das nur durch globale Zusammenarbeit in absehbarer Zeit möglich ist.
Europa zeigt sich „bereit”
Beim deutschen Hersteller SMA sieht man die Entscheidung der EU-Kommission folgendermaßen:
E&W: Halten Sie diese Maßnahme für gerechtfertigt? Und daran anknüpfend: Was unterscheidet SMA-Produkte von jenen der chinesischen Mitbewerber?
SMA: Wir sehen die Entscheidung der EU-Kommission vor allem als sicherheitspolitisch motivierten Schritt. Es geht hier weniger um klassische Industriepolitik als um den Schutz kritischer Infrastruktur. Wechselrichter sind heute das digitale Herz von Energieanlagen – mit direktem Einfluss auf Netzstabilität, Datenflüsse und Steuerbarkeit. Grundsätzlich stehen wir als SMA für fairen Wettbewerb und offene Märkte. Gleichzeitig müssen Wettbewerbsbedingungen tatsächlich vergleichbar sein und den Anforderungen an Sicherheit und Transparenz entsprechen. In diesem Spannungsfeld ist die Entscheidung der EU nachvollziehbar.
Zu den Unterschieden zwischen SMA und chinesischen Anbietern: Der zentrale Unterschied liegt aus unserer Sicht weniger in der Hardware als im Gesamtsystemansatz. SMA steht für integrierte, sichere Energiesysteme – also das Zusammenspiel aus Gerät, Software, Dateninfrastruktur und Systemsteuerung. Dabei legen wir besonderen Wert auf Cybersicherheit, Transparenz und regulatorische Konformität. Unsere Lösungen werden in Europa entwickelt, unterliegen europäischen Richtlinien und basieren auf klaren Sicherheits- und Datenschutzstandards – vom Produktdesign bis zur Cloud.
E&W: Wie schätzen Sie die Auswirkungen bzw. das Ausmaß dieses Schritts der EU ein? Welche Reaktionen Ihrer der Kunden und Partner hat es gegeben?
SMA: Die Entscheidung kann grundsätzlich positive Impulse für europäische Anbieter im Projektgeschäft setzen, insbesondere im Bereich großer, netzrelevanter Anlagen. Das konkrete Ausmaß lässt sich aktuell noch nicht belastbar quantifizieren, da die Umsetzung in vielen Programmen noch geklärt wird.
E&W: Beim Thema Cybersecurity setzt die EU auf ein strenges Regelwerk. Wie beurteilen Sie dieses und welche weiteren Schritte zur Stärkung der europäischen PV-Industrie würden Sie begrüßen?
SMA: Das zunehmende regulatorische Engagement der EU im Bereich Cybersicherheit ist aus unserer Sicht richtig und notwendig. Ein klarer, transparenter Rahmen schafft Vertrauen und sorgt für vergleichbare Standards im Markt. Wichtig ist dabei, dass diese Anforderungen technologiebasiert und überprüfbar bleiben. Für die weitere Stärkung der europäischen PV-Industrie brauchen wir klare, verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen sowie einheitliche Sicherheits- und Qualitätsstandards. Entscheidend ist, Wettbewerbsfähigkeit, Sicherheit und technologische Souveränität gemeinsam zu denken.
E&W: Der österreichische Hersteller Fronius hat in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass die europäische Solarindustrie ihre Fertigungskapazitäten innerhalb kürzester Zeit hochfahren und damit den gesamten Bedarf in der EU decken könnte. Teilen Sie diese Einschätzung? Und von welchem Zeithorizont bzw. welchen Kapazitäten müsste man ausgehen?
SMA: Mit dem Produktionsstandort in Kassel/Niestetal und der neuen Gigawatt Factory bauen wir unsere Kapazitäten gezielt aus. Gleichzeitig verfügen wir über 45 Jahre Erfahrung, eine starke Position im Großanlagenbereich und etablierte Prozesse für komplexe Projekte.
Klar ist aber auch: Die Branche bleibt Teil globaler Lieferketten – entscheidend ist daher die Kombination aus europäischer Kompetenz und internationaler Wettbewerbsfähigkeit.
Die rot-weiß-rote Perspektive
Sehr ausführlich hat der heimische Hersteller Fronius auf unsere Fragen geantwortet:
E&W: Warum genau halten Sie die aktuelle Maßnahme für gerechtfertigt? Und daran anknüpfend: Was unterscheidet einen Wechselrichter von Fronius von einem der chinesischen Mitbewerber? Wie hoch ist der „Made in EU-Anteil” Ihrer Produkte?
Fronius: Es ist wichtig, dass Europa beginnt die eigene kritische Infrastruktur und Energieversorgung resilienter zu gestalten. Deshalb begrüßen wir die Entscheidung der Europäischen Kommission, Wechselrichter aus Hochrisikoländern von der europäischen Projektfinanzierung auszuschließen. Wir sehen das als wichtigen ersten Schritt und Signal, dass die Energie- und Versorgungssicherheit in Europa ernst genommen werden. Im Dezember 2025 wurde in der Mitteilung der EU die Prävention und Eindämmung von Störungen kritischer Infrastrukturen in der EU als einer der Schlüsselbereiche identifiziert, denen die Kommission unverzüglich ihre Aufmerksamkeit widmen muss. Insbesondere wurde darin das Beispiel des Risikos angeführt, das von Solar-Wechselrichtern in Bezug auf Cybersicherheit und Abhängigkeiten ausgeht. Diese EU Economic Security Doctrine (JOIN(2025)977) beruht auf sehr fundierten Analysen und wir halten es für gerechtfertigt nun auch tatsächlich damit zu beginnen, entsprechende Maßnahmen zu setzen.

Jeder Wechselrichterhersteller kann theoretisch seine Produkte fernsteuern. Hersteller tragen daher auch eine große Verantwortung die Funktionstüchtigkeit der europäischen Energieversorgung und Strom-Netzstabilität betreffend. Wir sind uns dieser Verantwortung bewusst.
Fronius ist ein europäisches Unternehmen und, anders als beispielsweise chinesische Unternehmen, auch in geopolitischen Konfliktsituationen unabhängig und nicht an Regierungsweisungen gebunden.
Fronius Wechselrichter werden ausschließlich in Europa gefertigt. Der Hauptproduktionsstandort für Fronius Wechselrichter befindet sich in Sattledt, Oberösterreich. Fronius setzt bewusst auf die europäische Fertigung der Wechselrichter, um höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards zu gewährleisten. Wechselrichter sind das „Gehirn“ einer Photovoltaikanlage und somit kritische Komponenten im Stromnetz. Sie sammeln und speichern sensible Daten – etwa über Stromverbrauch, PV-Erzeugung und Netzverhalten. Diese Daten erlauben dem Hersteller über die Lebensdauer des Produktes Zugriff auf die kritische Energieinfrastruktur in Europa.
E&W: Wie schätzen Sie die Auswirkungen bzw. das Ausmaß dieses Schritts der EU ein? Welche Reaktionen Ihrer der Kunden und Partner hat es gegeben?
Fronius: Unser Wissensstand ist, dass etwa 20% des europäischen Marktes davon direkt betroffen sein werden. Allerdings gehen wir davon aus, dass vorerst primär Großanlagen betroffen sein werden, da diese häufiger mit EU-Geld gefördert werden. Daher ist es ein wichtiger erster Schritt dem weitere folgen müssen. Im Sinne der europäischen Energiesicherheit bedarf es vor allem der Integration des kleineren und mittleren Marktsegments. Dort sind Millionen von Wechselrichter über Cloudservices z.B. aus China mit dem europäischen Stromnetz verbunden. Dieses Risiko muss ernst genommen werden, um Europa mehr Resilienz bei der Energieversorgung zu verschaffen. Das Feedback unserer Kunden und Partner ist durchwegs positiv, weil sie unsere Sorgen teilen und Fronius als europäisches Familienunternehmen vertrauen.
E&W: Beim Thema Cybersecurity setzt die EU auf ein strenges Regelwerk. Wie beurteilen Sie dieses und welche weiteren Schritte zur Stärkung der europäischen PV-Industrie würden Sie begrüßen?
Fronius: Ja, beim Thema Cybersicherheit gibt es bereits strenge Regeln, die auch permanent weiter verschärft werden. Vor allem ist hier der Cyberresilience Act (CRA) zu nennen, der die Cybersicherheitsanforderungen von Produkten stark erhöht. Auch andere Regelwerke wie die NIS2 (die von in Europa ansässigen Unternehmen zu erfüllen ist) tragen dazu bei, Cybersicherheit zu erhöhen. Es ist wichtig zu betonen, dass die hohen NIS2 Anforderungen nur jene Hersteller zu erfüllen haben, die in Europa fertigen. Dieser Umstand bringt nicht-europäischen Anbietern z.B. aus China im Wettbewerb kostentechnisch einen Vorteil der absurd ist.
Es bedarf einer konsequenten Umsetzung von weiteren Maßnahmen. Dass Anlagen mit risikobehafteten Komponenten nicht gefördert werden, sollte schon längst Grundvoraussetzung sein. Anlagen mit risikobehafteten Komponenten sollten zukünftig nicht mehr an das Stromnetz angeschlossen werden dürfen, um das aggregierte Risiko für die heimische und europäischen Stromversorgung zu minimieren.
E&W: Fronius scheint überzeugt, dass Europa die Energiewende auch ohne entsprechende Produkte und Lösungen aus China schaffen könnte. Was macht Sie da so sicher und von welchem Zeithorizont sprechen wir, bis die europäische Industrie ihre Kapazitäten ausreichend vergrößert hat? Gibt es auch Zahlen, welche Fertigungskapazitäten es in Europa derzeit vorhanden sind und wie groß diese dann sein müssten?
Fronius: Wir wissen um die Stärken, Möglichkeiten und Herausforderungen der europäischen Solarindustrie. Da Europa den Ausbau der Solarenergie als zentralen Pfeiler seines künftigen Energiesystems vorantreibt, wird die Frage, wer die diesem System zugrunde liegenden Technologien kontrolliert, immer entscheidender. Europäische und verbündete Wechselrichterhersteller verfügen bereits über die Produktionskapazitäten, die erforderlich sind, um die Nachfrage des europäischen Solarmarktes vollständig zu decken, und können diese rasch ausbauen. Der Markt wird derzeit von industriellen Überkapazitäten einer einzigen dominanten Bezugsquelle überschwemmt.
Aktuelle Branchendaten bestätigen, dass die bestehenden und kurzfristig verfügbaren Produktionskapazitäten in ganz Europa und den verbündeten Ländern ausreichen, um die Nachfrage in allen Marktsegmenten zu decken. Dies ist das Ergebnis einer neuen Umfrage unter den großen Herstellern, die im Rahmen des European Solar Manufacturing Council im „Inverter, Storage and Energy Management System Forum“ organisiert sind. Konkrete Zahlen dürfen wir aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht veröffentlichen.
Worauf das im Raum stehende (Förder-)Verbot von Wechselrichtern chinesischer Hersteller basiert und wie dieses einzuordnen ist, lesen Sie im ersten Beitrag zu dieser Thematik.

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