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Freitag, 14. August 2026
Hausgeräte-Kommentar E&W 7/8 – 2026

Alles andere als geplant

Hausgeräte | Stefanie Bruckbauer | 12.07.2026 | Bilder | |  Meinung
(Bild: Redaktion) (Bild: Redaktion) Für die Coverstory der E&W Juli/August-Ausgabe baten wir Electrolux Austria GF Alfred Janovsky anlässlich seines Ruhestands zum Interview. Dabei blickte er zurück auf 40 Jahre Hausgerätebranche und wenn man Janovskys Karriereweg so betrachtet, dann wirkt dieser zunächst alles andere als geplant. Kein Musterschüler, kein strategisch vorbereiteter Aufstieg zum Geschäftsführer, kein Lehrbuch-Lebenslauf. Und gerade deshalb steckt in seiner Geschichte eine Botschaft, die weit über die Hausgerätebranche hinausgeht.

Ich durfte für die E&W Juli/ August-Ausgabe das „Abschied-in-die-Pension“-Interview mit Electrolux Austria GF Alfred Janovsky führen (dieses finden Sie dann ab Seite 54). Wer es liest, erkennt schnell, dass hinter seinem beruflichen Werdegang kein minutiös ausgearbeiteter Businessplan stand. Er war keines der Kinder, das schon früh wusste, dass es einmal ganz nach oben will (er wusste hingegen vor allem eines, dass er nämlich nie mit Anzug und Krawatte durch die Gegend laufen will, was dann ja aber doch so kam 😉 ). Janovsky erzählte von einem frühen Schulabgang, einer Ehrenrunde in der Handelsschule und davon, dass ihn Lernen als Jugendlicher eher mäßig bis gar nicht begeistert hat. Nicht unbedingt die klassische Ausgangslage für jemanden, der später fast drei Jahrzehnte lang als Geschäftsführer eine der bekanntesten Hausgerätemarken Österreichs prägen sollte. Erst als er einen Bereich fand, der ihm Freude machte, stellte sich der Erfolg ein. Das allein ist eine bemerkenswerte Erkenntnis. Leidenschaft ersetzt nicht Fleiß, aber sie gibt ihm eine Richtung. Wer für etwas brennt, entwickelt Neugier, lernt schneller und bleibt auch dann dran, wenn es schwierig wird.

Genau dieses Muster zieht sich durch seine gesamte Laufbahn. Ob bei Elektrabregenz oder später bei Electrolux: Immer wieder waren es nicht bestehende Strukturen, die ihn voranbrachten, sondern die Bereitschaft, Dinge neu zu denken und einfach auszuprobieren. Wer sonst kommt während einer Mittagspause auf die Idee, in ein Möbelhaus zu spazieren, einem Küchenverkäufer eine Schere abzuschwatzen und damit quasi nebenbei einen neuen Vertriebsansatz zu entwickeln? Heute würde man wahrscheinlich von „Disruption“, „Innovation“ oder „Customer Centricity“ sprechen. Damals waren es Papier, Tixo und Hausverstand. Andere sahen einen Katalog. Janovsky sah ein Problem des Kunden – und eine Lösung.

Bemerkenswert ist aber nicht nur der Unternehmergeist, sondern auch die Werte, die sich wie ein roter Faden durch Janovskys Laufbahn ziehen. Da ist von Ehrlichkeit die Rede, von Verlässlichkeit, Vertrauen und Handschlagqualität – auch wenn er das Wort selbst gar nicht so gerne mag. Während andere im großen Ungarn-Boom schnelle Geschäfte machten, fuhr er weiter zu seinen Stammkunden. Jahrzehnte später erinnerte man sich noch daran. In einer Geschäftswelt, die häufig von kurzfristigem Denken geprägt ist, wirkt das fast altmodisch, tatsächlich ist es aber hochmodern. Denn egal wie digital Handel, Vertrieb oder Kommunikation werden: Am Ende kaufen Menschen immer noch von Menschen. Vertrauen lässt sich bis heute weder outsourcen noch automatisieren. Und das ist für mich eine sehr wichtige Erkenntnis aus Janovskys Geschichte: Erfolg entsteht nicht durch Organigramme, besonders schlaue Schlagwörter und PowerPoint-Folien mit bunten Pfeilgrafiken, sondern Erfolg entsteht durch Menschen.

Es ist auffällig wie oft in Janovsky Rückblick von Menschen die Rede ist. Von Kollegen, Freunden, Kunden und Weggefährten. Er spricht überraschend wenig über Marktanteile und erstaunlich viel über Zusammenhalt. Unternehmenszahlen sind halt das Ergebnis guter Teams – nicht umgekehrt. Besonders sympathisch ist dabei, dass er nie den Eindruck vermittelt, alles alleine geschafft zu haben. Im Gegenteil. Immer wieder betont er, wie wichtig die richtigen Leute waren.

Janovsky Laufbahn birgt für mich eine wichtige Botschaft: Man muss kein Musterschüler sein, um erfolgreich zu werden. Aber man braucht Neugier, Engagement, Anstand, einen gewissen Pragmatismus und manchmal den Mut, einfach in ein Möbelhaus hineinzuspazieren und zu fragen: „Haben Sie Schere, Papier und Tixo?“ Dann kann eine Karriere erstaunlich weit führen …

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(Bild: Redaktion)
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