Mit Reparatur in die Pole-Position
Es ist ein Widerspruch. Da wird einerseits auf der EU-Ebene das Recht auf Reparatur vorangetrieben. Dieses muss Ende Juli in österreichisches Recht übersetzt werden. Andererseits streicht die Bundesregierung mit dem nächsten Budget die Geräte-Retter-Prämie.Man erhält den Eindruck, die Linke weiß nicht, was die Rechte tut, und Aussagen zu Umweltschutz oder Nachhaltigkeit von Vertretern der ehemaligen Großparteien bleiben reine Lippenbekenntnisse.Dass das Reparatur-Netzwerk ESECO unter diesen Umständen einen Einbruch bei der Nachfrage nach Reparaturen befürchtet, ist verständlich. Für den stationären Elektrofachhandel ist die Abschaffung der Geräte-Retter-Prämie aber vor allem eine verlorene Chance, schließlich verliert er einen wichtigen Kontaktpunkt mit dem Endkunden – just in dem Moment, in dem bei den Endkunden so etwas wie eine nachhaltige Reparatur-Kultur als Gegengewicht zum anhaltenden Online-Trend entstehen könnte.
Denn viele Endkunden sind bereit, ihren defekten Elektrogeräten eine zweite Chance zu geben. Dies zeigen auch die vielen Reparatur-Cafés, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Sie bedienen einen Bedarf, den die Branche speziell ohne Geräte-Retter-Prämie oder Reparaturbonus vor allem wegen der hohen Kosten nicht mehr abdecken kann und der sich deswegen andere Wege abseits der Branche gesucht hat. Gerade für solche Kunden hat die Geräte-Retter-Prämie die Hemmschwelle gesenkt, sodass sie sich mit ihrem defekten Gerät doch wieder an ihren Fachhändler wenden. Ist der Kunde allerdings einmal im Geschäft – bzw. ist der Servicetechniker beim Kunden – dann ist der Fachhandel automatisch im Entscheidungsprozess mit dabei, sollte die Reparatur doch unwirtschaftlich sein und ein Ersatzprodukt benötigt werden. Der Handel ist in dieser Situation allerdings nicht einfach nur dabei, er ist bei den Kunden während der Entscheidungsfindung in der Pole-Position und kann seine Stärken bezüglich Beratung sowie Service ausspielen.
Das Streichen der Geräte-Retter-Prämie fördert allerdings den gegenteiligen Effekt: Wenn Endkunden von vornherein davon ausgehen können, dass die Reparaturkosten den Preis eines Neugeräts übersteigen, dann ist die erste Station im Entscheidungsprozess ein Blick auf die Online-Angebote der diversen Plattformen. Damit rutscht der Handel in das allgemeine Starter-Feld ab. Die Stärken des Fachhandels in der Beratung oder im Service verlieren an Wirkung und der Preis rückt in den Vordergrund. Jetzt kann man argumentieren, das ist der Status quo, und die Streichung der Geräte-Retter-Prämie hat für den Fachhandel keine großen Konsequenzen. Wenn man allerdings gerade bei Ersatzkäufen wieder ein Gegenmodell zur reflexhaften Orientierung an Online-Plattformen entwickeln will, dann muss man den Kunden eine nachhaltige Alternative bieten. Eine gelebte Reparatur-Kultur kann hier das geeignete Vehikel sein. Deswegen sollte die Branche weiterhin auf Unterstützungsmaßnahmen für die Reparatur von Haushalts-, UE- und Telekommunikations-Geräten bestehen. Denn das kleine Pflänzchen, das in den vergangenen Jahren hier entstanden ist, muss man pflegen.


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