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Dienstag, 11. August 2026
Erneuerbare Energien-Kommentar E&W 7-8/2026

Photovoltaik fürs gemeine Volk

Wolfgang Schalko | 12.07.2026 | Bilder | |  Meinung
Nach dem Besuch der diesjährigen Intersolar sollte man eigentlich in Euphorie verfallen: Trotz Außentemperaturen in den Mid-Dreißigern (drinnen gefühlt deutlich mehr) war die Münchner Messe wieder zum Brechen voll, die Atmosphäre hervorragend und die Branche in einer regelrechten „Jetzt erst recht”-Aufbruchsstimmung. Spätestens wenn man die energiepolitischen Entscheidungen der österreichischen Politik wieder vor Augen hat und man noch hinzufügt, was in den (sozialen) Medien über das Thema Energie und Klima kursiert, muss man sich allerdings die Frage stellen, ob die Botschaft überall dort ankommt, wo sie hin soll (und muss).

Fakt ist, dass es wärmer wird, und zwar nicht nur in den Münchner Messehallen, sondern überall auf der Welt (ganz besonders übrigens in unseren Breiten). Fakt ist zudem, dass die vermeintlich billige fossile Energie nicht ewig reichen wird – Fracking hin, Tiefseebohrung her. Und Fakt ist auch, dass Abwarten die Situation nicht verbessert – weder lässt sich der Klimawandel aussitzen, noch vollzieht sich die Energiewende von allein. Was in vielen „oberen Etagen” völlig klar zu sein scheint, dringt – zumindest nach meinen Beobachtungen – nur schwerlich in die „unteren Schichten” bzw. zur „breiten Masse” durch. Diese vielleicht provokant oder anmaßend klingende Aussage soll keine soziale Wertung darstellen, sondern vielmehr den Zustand der Debatte bzw. die Problematik an der Ist-Situation aufzeigen: Vereinfacht könnte man festhalten, dass viele Aspekte und Argumentationslinien schlichtweg (noch) nicht „stammtischtauglich” sind bzw. entsprechend aufbereitet wurden.

Immerhin hat es die Photovoltaik schon recht weit geschafft und erfreut sich quer durch alle Regionen und Bevölkerungsschichten hoher Zustimmung. Sobald – zunächst kostenintensive oder nicht auf Anhieb nachvollziehbare – Projekte wie Energiespeicher oder den Netzausbau ins Spiel kommen, beginnt die Zustimmung jedoch zu bröckeln, und wenn es um die Errichtung von Windrädern geht, kippt das Ganze meistens recht schnell. Dass der Strom völlig selbstverständlich „eh aus der Steckdose” kommt, ist ein ebenso weit verbreiteter wie hartnäckiger Irrglaube, dem offenbar nur sehr, sehr schwer beizukommen ist.

Wie vertrackt die Situation wirklich ist, wird am Beispiel der Mobilität ersichtlich. Laut einer Studie von Onlinecars empfinden 96% aller Österreicher Mobilität als zunehmend teuer (8 von 10 bezeichnen den eigenen PKW gar als Luxus), gleichzeitig geben jedoch 90% an, dass sie ohne Auto im Alltag nicht zurechtkämen. Durchschnittlich 443 Euro pro Monat wenden die Österreicher zur Finanzierung eines Neuwagens auf (das höchste Budget aller untersuchten Länder) und 58% begrüßen, dass das Verbot für den Verkauf neuer Verbrenner ab 2035 nicht in Kraft tritt. Während wir also gebannt auf die Preise an den Zapfsäulen schauen und hin- und herrechnen, wann und und wie sich E-Mobilität gegenüber einem Verbrenner auszahlen könnte, wird am Kern des Problems – dem Individualverkehr –völlig vorbeigeredet. Aber vielleicht haben Sie in den Sommermonaten ja eine gute Idee, was man am Stammtisch erzählen könnte, damit sich die dort Anwesenden ohne eigenes Auto nicht mehr kastriert fühlen…

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