Besuchen Sie uns auf LinkedIn
Samstag, 15. August 2026
Telekom-Kommentar E&W 7-8/2026

Wir brauchen einen Plan

Telekom | Dominik Schebach | 12.07.2026 | Bilder | |  Meinung
Geht es um den Datenverbrauch der Österreicher, so kennen die Trendlinien seit Jahren nur eine Richtung – nach oben. Wie das FMK anschaulich darlegte, ist in den vergangenen zehn Jahren das Datenvolumen allein in den österreichischen Mobilfunknetzen von 318 Millionen GB im Jahr 2015 auf rund 6 Mrd. GB im Jahr 2025 gestiegen und nichts deutet darauf hin, dass sich die Entwicklung in absehbarer Zeit abschwächt.

Chats, Sprachnachrichten in Messengerdiensten, Social Media usw. sorgen für einen beständig steigenden Datenverbrauch bei den Endkunden im Mobilfunk. Derweil nimmt auch der Datenverbrauch im Festnetz weiter zu. Immer mehr Anwendungen, die in der Vergangenheit über eigene Netze wie SAT oder Rundfunk übertragen wurden, finden ihren Weg nun übers Internet zu den Endnutzern. Aber auch die Bedürfnisse der Business-Kunden nach leistungsfähigen Anbindungen werden immer größer. Industrie 4.0 und künstliche Intelligenz lassen den Datenverbrauch auch hier in die Höhe schnellen.

Damit ist aber auch klar, dass der Netzausbau weiter vorangehen muss. Während die privaten Netzbetreiber hier durchaus ambitioniert ans Werk gehen – bzw. gehen wollen – , fehlen derzeit die Vorgaben von Seiten der Politik. Dies beklagen nicht nur die großen Netzbetreiber A1, Magenta und Drei. Auch Martin Wachutka, frisch gewählter Präsident der Open Fiber Austria, äußerte sich dahingehend in einem Interview mit E&W (siehe S.60). Dabei will keiner dieser Gesellschaften den Markt ausschalten, vielmehr geht es den Playern am Markt um bessere Rahmenbedingungen für den Netzausbau. Das reicht von schnelleren Bewilligungen für den Bau der Infrastruktur bis hin zu Regularien, welche die Zusammenarbeit zwischen den Betreibern unter speziellen Umständen erleichtern. Diese fehlenden Rahmenbedingungen ziehen den Ausbau unnötig in die Länge und sie verursachen vermeidbare Kosten. Es drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass die Telekommunikation in der Politik und beim zuständigen Minister, Vizekanzler Andreas Babler, derzeit keinen hohen Stellenwert genießt.

Das ist schade. Denn eigentlich ist die Telekommunikation eine Schlüsselbranche, welche für einen überschaubaren Einsatz Wertschöpfung in fast allen Branchen erst möglich macht. Kein Hotel kann ohne Anbindung seine Zimmer vermieten oder seinen Gästen ein adäquates Multimediaangebot bieten; In der Industrie wird wiederum die Vernetzung der Produktionsprozesse zwischen den Betrieben immer wichtiger; derweil ist im Handel der Informationsaustausch mit den Lieferanten und Logistikern, die Anbindung an diverse Zahlungssysteme und schließlich der eigene Online-Auftritt unerlässlich. Kurz, keine moderne Volkswirtschaft, die ihren Platz in den Top 20 verteidigen will, kann heute auf leistungsfähige Datennetze – fest wie mobil – verzichten. Umso unverständlicher ist es, dass seitens der Bundespolitik hier so wenig Interesse an den Tag gelegt wird. Dabei ist es die Aufgabe der Politiker, gerade auch in diesem Bereich einen Plan zu formulieren und u.a. für eine gerechte Verteilung der Fördermittel zu sorgen. Dass das einige Verhandlungen erfordert und auch in die „Besitzstände“ der Länder und Gemeinden eingreift, mag sein. Aber gar nichts zu tun, ist Arbeitsverweigerung.

Bilder
Diesen Beitrag teilen

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site is protected by reCAPTCHA and the Google Privacy Policy and Terms of Service apply.

An einen Freund senden