Für die Zukunft der Elektrobranche
Die Landesinnung Wien der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker lud zum Publikumsevent ins Donau Zentrum. (© Elektriker Österreich)
Wenig funktioniert in unserer zunehmend digitalisierten Welt ohne Strom. Genau deshalb ist es so wichtig, Betriebe und Fachkräfte im Bereich Elektrotechnik zu fördern und ihre Kompetenz zu stärken. Ein Weg, die Branche sichtbarer zu machen, ist der Tag der Elektriker:innen, der jährlich am 10. Juni gefeiert wird. Ein Einblick darin, wie praxisnahe Ausbildung Qualität bekommt und was es braucht, um diese auch zu erhalten.Erstmals wurde der Internationale Tag der Elektriker:innen in Wien mit einem Publikums-Event begangen. Die Landesinnung Wien der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker verwandelte gemeinsam mit führenden Industriepartnern das Donau Zentrum in eine Erlebniswelt, um die Vielfalt und die enorme Bedeutung der Branche sichtbar zu machen. Anschließend an die Leistungsschau lud die Innung noch zum exklusiven Branchen-Treff. „Der Internationale Tag der Elektriker:innen rückt alle jene engagierten Menschen in den Fokus, die unsere moderne Welt am Laufen halten und auch die Energiewende direkt in die Haushalte bringen. Wir zeigen im Rahmen der Veranstaltung, wie unverzichtbar unsere Fachbetriebe für den Klimaschutz, die E-Mobilität und die Sicherheit in den eigenen vier Wänden sind. Es ist uns ein großes Anliegen, die Leidenschaft für unser Handwerk mit der Öffentlichkeit zu teilen, und wir freuen uns darauf, gemeinsam mit allen Interessierten die spannenden Möglichkeiten der elektrischen Zukunft zu feiern“, so Landesinnungsmeister Christian Bräuer.
Zukunftsberufe erfahren
Passend zum Motto „Elektrotechnik spüren, berühren und lernen“ konnten Besucher das moderne Berufsbild Elektrotechnik hautnah erleben und ausprobieren. „Ein riesiger Teil der Energiewende, die wir in Österreich und Europa anstreben, wird genau von diesen Menschen auf Schiene gebracht und direkt in die Praxis umgesetzt. Unsere Branche war und ist zukunftsweisend und enorm breit aufgestellt. Sie reicht von der Forcierung erneuerbarer Energien über moderne Speicherlösungen bis hin zur klassischen Installation“, erklärt Bräuer. Und das war an diesem Tag auch erfolgreich: die gut besuchte Veranstaltung hatte unter anderem zahlreiche Schulklassen zu Gast, um potentiellen Lehrlingen alle Facetten des Berufs näher zu bringen. Vor Ort hatten die Jugendlichen die Chance, neben dem Nervenkitzel im eigens gestalteten Escape Room, am Verteilerschrank oder beim basteln von Waco-Figuren zu testen, ob genug Fingerfertigkeit für eine Karriere in der Elektrotechnik in ihnen steckt.
Vielseitiger Lehrberuf
Der Ausbildungszweig erfreut sich stetiger Beliebtheit in allen ihren Fachbereichen. Derzeit gibt es in Wien 1.615 Lehrlinge der Elektrotechnik, und hoch qualifizierte Fachkräfte werden in diesem Bereich mehr denn je benötigt. Der massive Ausbau bei Erneuerbarer Energie schafft die Notwendigkeit für mehr Ressourcen in und aus diesem anspruchsvollen Berufsfeld. Noch spricht der Ausbildungszweig vor allem Burschen an, doch die Branche bemüht sich, die Elektrotechnik auch für Mädchen schmackhafter zu machen. Der Frauenanteil ist immer noch klein, doch die Mädchen sind dann meist umso motivierter und schließen tendenziell mit sehr guten Ergebnissen ab. Veranstaltungen wie die Leistungsschau im Donau Zentrum sind dabei eine tolle Gelegenheit für Unternehmen, mit Jugendlichen auch in den Dialog zu gehen und persönlich zu vermitteln, was für Möglichkeiten und Herausforderungen der Lehrberuf mit sich bringt. Was das sein kann, hat uns auch ein Besuch in der Berufsschule für Elektrotechnik und Mechatronik in der Wiener Mollardgasse vor Augen geführt. Über vier Schulstufen werden dort jährlich rund 1.800 Jugendliche ausgebildet. Der Unterreicht erfolgt im Blocksystem und die Lehre dauert inklusive Spezialisierung vier Jahre. Etwa die Hälfte der Lehrlinge nutzt die Möglichkeit, mit dem zusätzlchen halben Jahr Spezialausbildung ihre Fertigkeiten abzurunden.
Stolpersteine Basisbildung und Budget
Trotz hoher Qualität der Ausbildung stehen die Ausbildungsstätten aber durch die Bank vor einem Problem: oft haben die Jugendlichen große Defizite bei Textverständnis und Lesekompetenz, wenn sie aus dem Pflichtschulsystem an die Berufsschule kommen. Das bremst den Lernerfolg. Das Problem liegt nach Erfahrung der Ausbildner am Schulsystem, welches die jungen Menschen in dieser Hinsicht nicht ausreichend vorbereitet, nicht etwa an fehlender Motivation. Ein weiterer Punkt ist die uneinheitliche Lehrabschlussprüfung, welche in Folge für unterschiedliche Wissensstände der Fachkräfte sorgt. Die Innung arbeitet bereits dagegen, 2028 soll das Ziel Prüfungs-Vereinheitlichung umgesetzt sein. Der Lehrabschluss wird dann mitunter schwieriger zu erreichen sein, doch standardisierte Prüfungen aus einer Hand sind essentiell, um die Qualität der Ausbildung hoch zu halten und die Sicherheit bei der Arbeit durch adäquates Fachwissen zu garantieren.
Für praxisnahes lernen sind aber auch die Ausbildungsbetriebe zuständig, welche gefragt sind, in ihre Werkstätten zu investieren um der sich schnell verändernden Branche nachzukommen. Regionale Ungleichgewichte zwischen offenen Lehrstellen und Suchenden sind ein bleibendes Problem, vor allem aber die Wirtschaftlichkeit, denn gerade viele kleine Betriebe müssen sparen und können ohne Förderungen keinen Lehrling erhalten.
Elektrotechnik war und ist der Schlüssel zu den großen Zukunftsthemen. Das Engagement der Jugendlichen ist da, und sollte entsprechend gefördert werden. Es braucht also Investitionen an der richtigen Stelle, sei es von Politik oder Betrieben, um die Fachkräfte von morgen zu schaffen.
Über die Berufsschule Mollardgasse
Im Jahr 1911 wurde die „Mollardburg“, direkt am Margaretengürtel, als Erste Zentralberufsschule der Stadt Wien, mit dem Ziel eröffnet, die gewerbliche Jugend Wiens parallel zur praktischen Ausbildung auf das Berufsleben vorzubereiten. 1944 wurde ein Drittel des Gebäudes durch Bomben zerstört, bis 1951 wieder durch die Stadt Wien aufgebaut. Ab 1980 wurden zur Entlastung der Einrichtung zahlreiche Lehrgänge ausgesiedelt. Nach einer Generalsanierung 1994 steht das altehrwürdige Haus heute unter Denkmalschutz. Die Schule beherbergt derzeit 4 Berufsschulen sowie unter anderem eine Bibliothek des Kultur- und Sportvereins der Wiener Berufsschulen, ein von Sozialarbeitern betreutes Kommunikationszentrum, das Wiener Sanitärmuseum und die Magistratsabteilung 56 (Schulverwaltung). Rund 1800 Schülerinnen und Schüler über vier Schulstufen besuchen die zentrale Ausbildungsstätte für Elektrotechnik in Wien jährlich.
Neben Klassenräumen stehen für den Unterricht auch Laboratorien für die Grundausbildung sowie spezialisierte Räume für Automatisierungs-, Antriebs- und Installationstechnik und Spezialausbildungen zur Verfügung. Außerdem hat das Haus ein eigenes Solarkraftwerk mit 2,6 kWp Netzeinspeisung.


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