Unternehmensinsolvenzen bleiben auf hohem Niveau
(© Thorben Wengert/Pixelio.de)
3443 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet die Insolvenzstatistik der Creditreform für das erste Halbjahr 2026 – 1,6% weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Damit setzt sich zwar die Dynamik der starken Insolvenzwelle der vergangenen Jahre nicht weiter fort, das Niveau bleibt jedoch historisch hoch. Durchschnittlich mussten damit auch im ersten Halbjahr rund 29 Unternehmen pro Werktag Insolvenz anmelden.„Der leichte Rückgang ist zweifellos ein positives Signal. Von einer nachhaltigen Entspannung kann jedoch keine Rede sein. Die österreichische Wirtschaft befindet sich weiterhin in einer Phase der Konsolidierung. Viele Unternehmen kämpfen nach wie vor mit schwacher Nach-frage, hohen Personal- und Energiekosten sowie einer insgesamt angespannten Ertragslage“, erklärt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform.
Die aktuelle Entwicklung zeige, dass sich die Unternehmen zunehmend an das schwierige wirtschaftliche Umfeld angepasst hätten. Gleichzeitig würden aber nach wie vor jene Betriebe ausscheiden, deren Eigenkapitalbasis durch die Krisen der vergangenen Jahre nachhaltig geschwächt worden sei. Damit könne man laut Weinhofer nicht mehr von einer Insolvenzwelle sprechen – wohl aber von einem dauerhaft erhöhten Insolvenzgeschehen, dessen Niveau deutlich über dem langjährigen Durchschnitt der Vor-Pandemiejahre liegt.
Bauwirtschaft bleibt Sorgenkind
Dabei steht das Bauwesen weiterhin unter erheblichem Druck. Mit 458 Insolvenzen – entfiel nach dem Handel und den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (491) die höchste Zahl aller Verfahren erneut auf die konjunkturwichtige Bauwirtschaft. Die Insolvenzquote liegt dort bei 19 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen und zählt damit zu den höchsten aller Wirtschaftsbereiche.
Auch das Beherbergungs- und Gaststättenwesen entwickelte sich mit einer Zunahme von 5,7% neuerlich negativ. Trotz einer guten Auslastung belasten steigende Personal-, Energie- und Finanzierungskosten zahlreiche Betriebe. Demgegenüber gingen die Insolvenzen in der Sachgütererzeugung/Industrie (-9,9%), im Handel (-11,2%), bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (-4,7%) sowie im Kredit- und Versicherungswesen (-23,4%) teilweise deutlich zurück.
Ausblick
Creditreform erwartet für das zweite Halbjahr keine grundlegende Veränderung des Insolvenzgeschehens. Die Konjunktur dürfte sich zwar langsam stabilisieren, gleichzeitig bleiben Finanzierungskosten, schwache Investitionsbereitschaft und geopolitische Unsicherheiten belastende Faktoren. „Wir rechnen für das Gesamtjahr 2026 mit einer Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau. Die österreichischen Unternehmen haben ihre Widerstandsfähigkeit erhöht, gleichzeitig bleibt das wirtschaftliche Umfeld anspruchsvoll. Eine Rückkehr auf das (niedrige) Insolvenzniveau der Vor-Krisenjahre ist derzeit nicht in Sicht“, so Weinhofer.

