PV-Experten fordern Klima-Investitionsfreibetrag statt Photovoltaik-Förderung
Andreas Müller von Hansesun Austria und weitere namhafte Vertreter der PV-Branche präsentierten Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner ihr Modell eines Klima-Investitionsfreibetrags, um den Erneuerbaren-Ausbau ohne Belastung des Budgets voranzutreiben. (© Hansesun Austria)
Wenn es nach Experten aus der PV-Branche geht, soll in Zukunft ein Klima-Investitionsfreibetrag die zuletzt scharf kritisierte PV-Förderung ersetzen. Der Vorschlag, der sich einfach und ohne Mehrkosten für den Staatshaushalt realisieren ließe, wurde vergangene Woche Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner präsentiert. Mit dem Investitionsfreibetrag würde der Bau neuer Anlagen angekurbelt und die bestehenden Fördermittel von rund 60 Millionen Euro könnten in den Abbau jener rund 25.000 Anträge gehen, die derzeit auf eine Förderung warten.Ein finanzieller Anreiz zum Bau neuer Photovoltaik-Anlagen, Batteriespeicher und Ladesysteme, Sicherheit für die Kunden, Planbarkeit für die Branche und eine unbürokratische Abwicklung: Das sind die wichtigsten Vorteile des Vorschlags, den Vertreter der Photovoltaik-Branche bei einem Gespräch vergangene Woche an Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner übergaben.
Initiiert wurde das Treffen von Hansesun Austria, dem größten PV-Anbieter Westösterreichs. Ebenfalls vertreten waren der europaweit tätige PV-Großhändler Energy 3000 solar aus dem burgenländischen Müllendorf, der Bundesverband Photovoltaic & Battery Austria und die Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker.
2.500 Euro Steuerersparnis für typische Anlage
Kern des Vorschlags ist ein Klima-Investitionsfreibetrag mit fünf Jahren Laufzeit, der für die Hälfte der Investitionskosten geltend gemacht werden kann. Er wäre ein Impuls für den Bau neuer Photovoltaikanlagen, die Installation von Batteriespeichern, Ladestationen und Energiemanagementsystemen. Auch weitere Maßnahmen zum Klimaschutz können in das Modell integriert werden, etwa die energetisch-thermische Sanierung oder Wärmepumpen.
Für eine typische PV-Anlage mit Batteriespeicher und Investitionen von 20.000 Euro brächte der Klima-Investitionsfreibetrag rund 2.500 Euro Steuerersparnis. Allein die Umsatzsteuer-Einnahmen für eine solche Anlage liegen bei 4.000 Euro, dazu kommen Steuereinnahmen auf die Löhne und Gehälter der beteiligten Unternehmen. Über den Bau zusätzlicher Anlagen würde sich das System komplett selbst finanzieren.
„Nach dem verheerenden letzten Fördercall (elektro.at berichtete) ist das Geschäft komplett eingebrochen. Viele Kundinnen und Kunden warten ab. Ein neuer Impuls ist für den Ausbau der Photovoltaik in Österreich dringend nötig, um die Klimaziele zu erreichen“, ist der Initiator der Expertenrunde, Andreas Müller von Hansesun Austria, überzeugt. „Die Zahl an PV-Anlagen würde deutlich erhöht. Das bringt auch dem Staat neue Einnahmen. Eine Win-Win-Situation für das Budget, die Unternehmen und die Kunden.“
Bestehende Förderanträge abarbeiten
Das aktuelle Förderbudget von 60 Millionen Euro soll genützt werden, um die bestehende Warteliste von 25.000 Anträgen (Anm.: All jene Förderwerber, die beim jüngsten Fördercall leer ausgingen) abzubauen, forderten die Vertreter der PV-Branche. Einige Länder haben dafür ebenfalls bereits Unterstützung signalisiert. „Die Kunden brauchen Verlässlichkeit für ihre geplanten oder bereits umgesetzten Anlagen. Würden sie leer ausgehen, wäre das ein verheerendes Signal des Staates“, so Müller.
Zukünftig können aus diesem Budgettopf auch besonders innovative Projekte gefördert werden, etwa im Bereich Fassaden-Photovoltaik oder Langzeitspeicher auf Basis von grünem Wasserstoff.
Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner sagte weitere Gespräche mit der Branche zu den unterschiedlichen Fördermodellen zu. Sie sollen in den kommenden Wochen stattfinden. Ein Ergebnis soll noch vor dem kommenden Fördercall im Oktober präsentiert werden. Da die Entscheidungshoheit für Steuerangelegenheiten im Finanzministerium liegt, lädt bis dahin die PV-Branche ihrerseits Finanzminister Markus Marterbauer ein, die Vorzüge des Klima-Investitionsfreibetrag bei einem persönlichen Gespräch aus erster Hand zu erfahren.
Beispielrechnung für den Klima-Investitionsfreibetrag
Typische Photovoltaikanlage inklusive Batteriespeicher im Privatbereich:
- Investitionskosten für PV-Anlage und Speicher: 20.000 Euro
- davon 50%: 10.000 Euro
- Klima-Investitionsfreibetrag pro Jahr bei Verteilung auf 5 Jahre: 2.000 Euro
- Steuerersparnis: 500 Euro pro Jahr (bei einem durchschnittlichen Einkommenssteuersatz von 25%)
- gesamte Steuerersparnis über 5 Jahre: 2.500 Euro


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