Fokus auf Speicher wird dringlicher
v.l.n.r.: Wolfgang Hattmannsdorfer, Katharina Liebert - GF Liebert Elektrotechnik, Lehrling Vanessa, Stefan und Isabella Schmiedel (© BMWET/Holey)
Der Hitzesommer 2026 war für das Bundesministerium wohl das Zünglein an der Waage, denn er war ein Stresstest fürs heimische Stromsystem. Wirtschaftsminister Hattmansdorfer bestätigt nun mit Nachdruck den Fokus auf die bereits kommunizierte Speicheroffensive für Österreich. Daher wird die EAG-Investitionsförderung ab 2027 grundlegend neu ausgerichtet werden. Kernpunkte: kein First-Come-First-Serve mehr, mehr Fokus auf Energiemanagement und Speicher.Außergewöhnlich hohe Temperaturen, gedämpfte Wasserkrafterzeugung durch Wasserknappheit und Stromspitzen bei der Photovoltaik – die Strategie, um zukünftig die Speicherlücken zu schließen, ist klar für das Energieministerium: Fokus auf Speicher, um die Energielücke am Abend mittels Erneuerbarer Energie zu schließen.
„Energie muss sicher, sauber und leistbar sein. Der Hitzesommer zeigt sehr deutlich, was wir dafür brauchen: mehr Speicher. Wenn wir mittags günstigen heimischen Strom im Überschuss haben, müssen wir ihn für den Abend speichern können – statt dann teuer Strom aus dem Ausland zukaufen zu müssen. Unser Ziel ist klar: günstige Eigenproduktion besser nutzen. Dafür brauchen wir mehr richtig eingesetzte Speicher – vom Haushalt über große Batteriespeicher bis zu unseren Pumpspeichern. Genau darauf richten wir unsere Energiepolitik jetzt noch stärker aus“, so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.
Dafür setzt das Energieministerium unter anderem folgende Maßnahmen im Rahmen einer Speicheroffensive:
- Neue Photovoltaik Förderung mit Fokus auf Speicher
- Berücksichtigung von Speicherinfrastruktur im neuen Netzinfrastrukturplan
- Beschleunigung von Genehmigungsverfahren von Batteriespeichern (EABG)
- Eigenes Förderprogramm für intelligente Energiemanagementsysteme für Haushalte und Betriebe
Neuausrichtung der Förderpolitik
Mit dem starken Ausbau der Photovoltaik hat sich die Herausforderung im Stromsystem verändert: Entscheidend ist nicht mehr nur, wie viel Strom produziert wird, sondern wann er verfügbar ist, gespeichert werden kann und die Netze entlastet. Batteriespeicher können intelligent eingesetzt Stromüberschüsse zu Mittag aufnehmen und bereitstellen, wenn Verbrauch und Preise am Abend steigen.
Daher soll die EAG-Investitionsförderung ab 2027 grundlegend neu ausgerichtet werden.
Kernpunkte der Reform
- Ende von First-Come-First-Serve: Förderanträge sollen künftig nach Installation und Rechnungslegung gestellt werden können – nach dem Prinzip des Handwerkerbonus.
- Fokus auf intelligente Energiemanagementsysteme in Kombination mit Speichern: Die breite Förderung klassischer kleiner PV-Anlagen soll auslaufen. Im Fokus stehen künftig Energiemanagementsysteme und intelligente Speicher, die Eigenverbrauch erhöhen und Netze entlasten.
- Bestehende PV-Anlagen nachrüsten: Speicher sollen in Kombination mit der Installation eines EMS auch unabhängig von der Neuerrichtung einer PV-Anlage gefördert werden können. Damit wird die Nachrüstung bestehender Anlagen attraktiver.
- Innovative PV bleibt förderfähig: Gebäudeintegrierte PV, Agri-PV, Parkplatzüberdachungen, schwimmende PV sowie Anlagen an Lärmschutzwänden sollen weiterhin unterstützt werden.
- Made in Europe stärken: Europäische Wertschöpfung soll in der neuen Förderlogik weiterhin berücksichtigt werden. Wer bei zentralen Komponenten auf europäische Produktion setzt, soll einen Bonus erhalten.
Speicher als essenzieller Bestandteil des PV-Ausbaus
Auch, wenn der Bundesverband Photovoltaik & Battery Austria (PV&B Austria) die Neuausrichtung des Fördersystems sehr begrüßt, fordert die Interessenvertretung nun schnell konkrete Maßnahmen. Aus Sicht des Verbandes braucht es nun möglichst rasch Klarheit darüber, wie die Förderung ab dem kommenden Jahr ausgestaltet wird. Sie muss jedenfalls unkompliziert und bereits früh im kommenden Jahr verfügbar sein.
PV&B Austria hat bereits im vergangenen Jahr Zahlen zum erforderlichen Speicher- und Flexibilitätsbedarf in Österreich vorgelegt. Eine aktuelle Folgeanalyse des Verbandes zeigt zudem, dass Batteriespeicher bereits heute dazu beitragen können, günstigen PV-Strom aus den Mittagsstunden in die teuersten Abendstunden zu verschieben.
„Wir stehen dem Ministerium weiterhin gerne als Sparring-Partner zur Verfügung. Jetzt geht es aber darum, dass auf die Worte auch Taten folgen. Die Branche steht bereit – entscheidend ist, dass die angekündigte Speicheroffensive nun auch tatsächlich umgesetzt wird“, sagt Vera Immitzer, Geschäftsführerin von PV&B Austria, und ergänzt abschließend: „Aus Sicht des Verbandes ist es mit einer reinen Umstellung der Förderung nicht getan. Auch weiterhin muss es möglich sein über steuerliche Erleichterungen zu diskutieren. Ebenso ist die E-Control gefordert, entsprechende praxistaugliche Rahmenbedingungen für Stromspeicher zu schaffen. Und auch die Netzbetreiber müssen Stromspeicher künftig stärker in ihre Netzentwicklungspläne integrieren.“


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