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Sonntag, 13. September 2026
Antworten aus dem Ministerium

Geräte-Retter-Prämie vor dem Aus: 30 Millionen Euro sparen, aber zu welchem Preis?

Hintergrund | Julia Jamy | 27.08.2026 | | 11  
(© BSH) Anfang Juni wurde bekannt, dass die Geräte-Retter-Prämie mit Ende 2026 eingestellt wird. Als Grund nennt die Bundesregierung die notwendige Budgetkonsolidierung. Das Aus wirft allerdings einige Fragen auf, insbesondere angesichts der hohen Nachfrage und der Bedeutung der Förderung für die Reparaturbranche. elektro.at hat deshalb beim Umweltschutzministerium nachgefragt.

Genutzt wurde die Förderung durchaus: Rund 2.400 Partnerbetriebe nehmen aktuell an der Geräte-Retter-Prämie teil, bis Ende Juni wurden rund 122.300 Bons eingelöst beziehungsweise zur Refundierung eingereicht. Pro Bon wurden durchschnittlich 95 Euro gefördert. Insgesamt flossen bis Ende Juni 11,6 Millionen Euro in die Förderung.

Besonders häufig wurden Kaffeemaschinen (18 Prozent), Waschmaschinen (17 Prozent) und Geschirrspüler (16 Prozent) repariert. Auch Laptops und Backöfen landen regelmäßig auf den Reparaturtischen. Die meisten Refundierungsanträge kamen aus Oberösterreich (22.384), Wien (22.254) und Niederösterreich (21.471).

30 Millionen Euro Einsparung

Mit dem Aus der Förderung sollen künftig 30 Millionen Euro pro Jahr eingespart werden. Ob neben den budgetären Gründen auch die tatsächliche Wirksamkeit der Prämie eine Rolle gespielt hat, bleibt allerdings offen. Auf die entsprechende Frage verweist das Ministerium auf die Budgetkonsolidierung sowie den „großen Erfolg“ und die positiven Rückmeldungen zur Geräte-Retter-Prämie.

Eine konkrete Evaluierung der langfristigen Auswirkungen auf Reparaturbetriebe, Beschäftigung oder Investitionen nennt das Ministerium ebenfalls nicht. Dabei ist gerade das für die Branche interessant: Viele Betriebe haben im Zuge des Reparaturbonus und der anschließenden Geräte-Retter-Prämie Personal aufgebaut und Fachkräfte geschult.

Auf die Frage, wie man diesen Unternehmen die neuerliche Kehrtwende erklären wolle und ob mögliche Folgekosten des Förderstopps den Einsparungen gegenübergestellt wurden, fällt die Antwort knapp aus: „Die positiven gesamtwirtschaftlichen Effekte der Geräte-Retter-Prämie sind unbestritten, ebenso wie die von vielen anderen Förderaktionen des Bundes auch“, heißt es aus dem Ministerium.

Wieder einmal Stopp & Go

Damit geht bei der Reparaturförderung das Stopp-&-Go-Spiel weiter. Auf den Reparaturbonus folgte die Geräte-Retter-Prämie und nun ist auch mit dieser Schluss. Für Betriebe, die ihre Kapazitäten auf die gestiegene Nachfrage nach Reparaturen ausgerichtet haben, ist das keine besonders angenehme Situation. Gleichzeitig betont das Ministerium, dass Reparatur auch künftig ein wichtiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft bleiben soll. Eine neue finanzielle Förderung sei derzeit allerdings nicht geplant.

Stattdessen verweist man auf die Umsetzung der europäischen Right-to-Repair-Richtlinie: „Im Zusammenhang mit der Umsetzung der Europäischen Right-to-Repair-Richtlinie sollen Reparaturdienstleistungen leichter zugänglich und kostengünstiger werden durch zB. die verpflichtende Bereitstellung von Ersatzteilen, die Verlängerung der Gewährleistungsfrist in Folge einer Reparatur oder die Einrichtung einer Online-Plattform für Konsumentinnen und Konsumenten, um einfacher passende Reparaturbetriebe zu finden und mit ihnen in Kontakt zu treten zu können. Eine finanzielle Unterstützung ist derzeit aufgrund der Budgetsituation nicht geplant.“

Kein Einfluss auf Elektroaltgeräte-Sammelquote?

Eine weitere Frage betrifft die europäischen Vorgaben zur Sammlung von Elektroaltgeräten. Österreich erreicht die vorgeschriebenen Sammelquoten – wie auch andere EU-Mitgliedstaaten – bislang nicht. Ob das Ende der Geräte Retter Prämie hier zusätzliche Probleme schaffen könnte, sieht das Ministerium allerdings nicht. Die Begründung: Die Sammelquote bezieht sich auf Elektrogeräte, die bereits zu Abfall geworden sind. Die Geräte-Retter-Prämie verlängere dagegen die Nutzungsdauer bestehender Geräte und habe daher keinen Einfluss auf die Sammelquote. Das mag vielleicht stimmen. Für die Ressourcenschonung ist die Sache aber etwas weniger eindeutig: Ein Gerät, das länger genutzt wird, muss zumindest vorerst nicht ersetzt und neu produziert werden. Genau darin doch liegt einer der wichtigsten Effekte von Reparaturen.

Wie geht es weiter?

Die spannende Frage bleibt daher: Was kostet das Ende der Förderung tatsächlich? Etwa wenn man mögliche Folgen für Reparaturbetriebe, Beschäftigung, Investitionen und die Lebensdauer von Elektrogeräten mit einrechnet. Eine konkrete Antwort darauf gibt es nicht. Für die Branche bleibt damit vor allem eines hängen: Die Reparaturförderung wird wieder einmal auf Pause gestellt.

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Kommentare (11)

  1. Die Industrie ist maßgeblich für die hohen Ersatzteilpreise bzw. deren wirtschaftlichen Reparierbarkeit verantwortlich.
    Die Servicequalität ist in den letzten Jahren massiv gesunken. Fix und fertig ausgebildete Fachkräfte wurden in hoher Zahl von der Industrie abgeworben. Leider wird gerade auch durch fernöstliche Produkte die Reparierbarkeit sehr oft verunmöglicht. Dem mittelständischen Fachhändler sei es überlassen mit wem er sich bezüglich Lieferantenauswahl ins Bett legt und wie er dann im Servicefall mit seinen Kunden umgeht.
    Frei nach dem Motto: „Der Preis geht, die Qualität bleibt.“

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  2. Wir haben für sehr viel SCHE….. viel Geld, auch für die Parteienförderungen. Nur für die sinnvollen Reparaturen, um nicht alles gleich in den Müll zu werfen ist leider wieder einmal kein Geld vorhanden. Am besten wir gehen gar nicht mehr wählen für solche Politiker. Ist meine Meinung und ich glaube auch einiger andere denken so.

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    1. Also „gar nicht mehr wählen“ zu gehen, ist ja wohl der allerblödeste Weg … (ein Spiel mit dem Feuer, bei dem man riskiert, dass Leute an die Spitze kommen, die wirklich Probleme bereiten)

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    2. Ungültig wählen, da spart man wenigstens die Parteienförderung ein wenig und die Parteien denken dann ein wenig nach? …. oder auch nicht!

  3. Solange sich bei den Ersatzteilpreisen und leicht erhältlichen Serviceunterlagen nichts ändert können sich die Fachkräfte auf den Kopf stellen.
    Z.B. Miele Ersatzteilpreise, extrem hoch, oder ein Panel bei einem TV über den Gerätepreis.

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  4. Nein keine Sauerei, sondern nur ein falscher Ansatz.
    Unterm Strich gesehen fehlt mir ein sehr wichtiger Punkt bei dem ganzen. Eines zeigen die bisherigen Erfahrungen sehr deutlich. Reparieren funktioniert dann besonders gut, wenn es für Konsumenten einfach, leistbar und attraktiv ist.

    Gleichzeitig ist eine verlässliche Reparaturförderung entscheidend dafür, dass Fachbetriebe auch langfristig in Personal investieren, qualifizierte Mitarbeiter ausbilden und die notwendigen Fachkräfte für die steigende Nachfrage bereitstellen können. Nur wenn diese personellen Kapazitäten gesichert sind, kann auch künftig gewährleistet werden, dass Reparaturen zeitnah und fachgerecht durchgeführt werden können.

    Wer repariert, wenn keine Flächendeckende Versorgung gegeben ist. Das RepCafe´?

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    1. Das Reperatur Cafe hilft uns Fachhändlern auch nicht wirlich, das ist ein besserer Pfusch auf Steuerkosten. Niedrige Gerätepreise gepaart mit hohen Ersatzteilpreisen und hohen Stundensätzen drängt Reparaturen in einen Bereich wo nur mehr Idealisten reparieren lassen.

      1. @ GH:Das mit dem Reparatur-Café war übrigens ein wenig sarkastisch gemeint. Deinen Ausführungen kann ich durchaus etwas abgewinnen. Genau diese Entwicklung macht es für den Fachhandel zunehmend schwierig, Reparaturen wirtschaftlich sinnvoll anzubieten.
        Die Frage ist allerdings auch! Will der Fachhandel überhaupt noch reparieren, oder hat man sich insgeheim schon damit abgefunden, dass Reparatur kein Geschäftsmodell mehr sein soll? Denn wenn selbst der Fachhandel irgendwann sagt „Reparieren lohnt sich nicht“, dann dürfen wir uns auch nicht wundern, wenn am Ende nur noch Idealisten und Reparatur-Cafés übrig bleiben.

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      2. In Reparatur Cafes sind auch nur Idealisten aktiv, die einfach nicht mehr den ständig wachsenden Berg an Müll akzeptieren und nicht mehr von den Konzernen abhängig sein wollen. Die arbeiten auch ohne Förderung. Man sollte allerdings nicht ihre politische Power unterschätzen.

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