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Sonntag, 13. September 2026
Eine Einladung zu mehr Gelassenheit

Keep cool!

Wolfgang Schalko | 30.08.2026 | Bilder | |  Meinung
Und da war das Zug-Erlebnis auch schon wieder vergessen… Und da war das Zug-Erlebnis auch schon wieder vergessen… Nein, hier geht’s jetzt nicht ums Klima und den Rekordhitze/-dürresommer. Sondern ums „Cool-bleiben” in Situationen, in denen einem der Kragen platzen könnte und man am liebsten in Rumpelstilzchen-Manier im Kreis hüpfen möchte – obwohl es zumeist weder etwas bringt noch etwas ändert.

Sie alle kennen das: Man hat Vorstellungen und Pläne, wie Dinge laufen sollen, aber es kommt dann doch anders. Manchmal ein wenig, manchmal völlig, aber nur ganz selten (nie?) so wie gedacht. Und mit diesen großen und kleinen Ungereimtheiten, man könnte sie neudeutsch auch Challenges  nennen, kann man so oder so umgehen. Dazu ein kurzer Erlebnisbericht.

Ich verbringe dieses Wochenende im steirischen Bad Loipersdorf bei einem Firmenevent, das jedes Jahr an wechselnden Locations stattfindet (mehr dazu in Kürze in der E&W-Septemberausgabe). Erstmals wollte ich die Anreise mit den Öffis in Angriff nehmen und habe mir mit Hilfe der ÖBB-App einen entsprechenden Plan zurecht gelegt. Interessierte können an dieser Stelle gerne ihr Smartphone zücken und in der Fahrplanauskunft bei Start „Waidhofen/Thaya“ und bei Ziel „Fürstenfeld“ eingeben (der deutlich größere und somit leichter zu erreichende Nachbarort von Bad Loipersdorf). Abfahrt um ca. halb sechs in der Früh, Umstiege in Göpfritz/Wild, Wien und Wr. Neustadt, Ankunft ca. um 11 Uhr, das einladende Unternehmen hat sich freundlicherweise bereit erklärt, mich dann vom Bahnhof Fürstenfeld abzuholen. So weit, so gut.

Wohl wissend, dass es um Alternativen schlecht bestellt war, freute ich mich zunächst noch, den Zug in Wien Richtung Süden zu erwischen und es damit praktisch fast schon geschafft zu haben, als auf der Anzeigetafel die Verspätungsminuten bis Wr. Neustadt sukzessive mehr wurden – und der ÖBB am Ende tatsächlich das Kunststück gelang, auf einer 20 minütigen Fahrt gut 10 Minuten Verspätung aufzureißen, sodass ich meinen Anschlusszug in Wr. Neustadt um 2 Minuten verpasste. Dass dieser erstens pünktlich abfahren und zweitens nicht warten würde, hatte mir unterwegs auch schon ein Zugbegleiter sehr freundlich erklärt. 

Meine erste Reaktion war, dass das jetzt alles nicht wahr sein könne, denn schließlich hatte ich mir meinen Tagesplan mit Gesprächsterminen & Co. schon von A bis Z zurecht gelegt – und dementsprechend begann mein innerer Säuerlichkeitsgrad ebenso schnell wie massiv zu wachsen. Und gerade in dieser Phase wurde mir etwas bewusst, dass ich mir ohnehin für alle Lebenslagen vorgenommen hatte: Dinge so sein zu lassen, wie sie eben sind, und die Situation einfach zu nehmen und das beste daraus zu machen. Was eigentlich auf der Hand liegt: Warum sollte ich mir stimmungsmäßig meinen Tag versauen, nur weil die ÖBB nicht imstande war, einen Fahrplan einigermaßen einzuhalten? 

Also rief ich meinen Kollegen Dominik Schebach an, seineszeichens „halber“ Wiener Neustädter, der mich auf die Frage, was ein „Gestrandeter“ am Bahnhof Wr. Neustadt am besten machen solle, antwortete: „Mich besuchen!” Also nutzte ich die Gelegenheit für ein unverhofftes Plauscherl, ehe ich dann den nächsten Zug in Richtung meines Events nahm. Dass der nächste Zug nicht bis Fürstenfeld, sondern nur bis Hartberg fuhr, bedeutete weitere logistische Herausforderungen, doch auch diesen deutlich aufwändigeren Shuttleservice übernahm das Unternehmen kurzfristig  – zu meiner (und seiner) Freude durch jemanden, mit dem ich ohnehin viel zu selten zum Reden komme, und so noch ein weiteres anregendes Gespräch führen konnte. 

Schlussendlich kam ich nicht um 11 Uhr, sondern erst um 13:30 Uhr an, konnte am Start des Events um 14 Uhr teilhaben und musste im Grunde nur meinen eigenen Plan ein wenig modifizieren, damit alles ziemlich genau so funktionierte, wie ich es mir gedacht hatte. Nur war ich jetzt immer noch gut gelaunt, weil ich eben nicht einem verpassten Zug nachtrauerte. 

Diese „Kunst”, auch unerwarteten oder misslichen Situationen etwas Positives zu können und wollen und seine Energie in jene Dinge zu investieren, deren Gestaltung man tatsächlich selbst in der Hand, anstatt sich emotional an Aspekten zu verausgaben, die sowieso nicht mehr ungeschehen gemacht werden können, ist eine, die sich in unserer Welt leider mehr und mehr zu verlieren scheint. Das heißt natürlich nicht, dass einem alles egal sein soll, aber ein bisschen mehr Gelassenheit senkt nicht nur Blutdruck und Herzinfarktrisiko, sondern macht auch das (Zusammen-)Leben für alle ein bisschen leichter. In diesem Sinne: Einen schönen Sonntag und keep cool!

P.S. Noch ein kleines Detail: Dass der Zug in Wr. Neustadt, auf den ich 2 Stunden gewartet hatte, anders als der verpasste nicht pünktlich, sondern mit 6 Minuten Verspätung abfuhr (was bei meinem ursprünglichen Reiseplan locker gereicht hätte, um den Zug zu erwischen), ist der eigentliche „Witz” an der Sache. Wer könnte da nicht lachen?

Bilder
Und da war das Zug-Erlebnis auch schon wieder vergessen…
Und da war das Zug-Erlebnis auch schon wieder vergessen…
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