Elektrobranche erholt sich, Druck für Wirtschaftsstandort bleibt
FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun und Geschäftsführerin Marion Mitsch (© FEEI/APA-Fotoservice/Arman Rastegar)
Im Zuge der Jahrespressekonferenz zog der Fachverband der Elektro- und Elektronikindustrie (FEEI) Bilanz für 2025 und das laufende Jahr. FEEI-Obmann Ing. Wolfgang Hesoun und Geschäftsführerin Mag. Marion Mitsch berichteten von einer vorsichtigen Erholung, warnten aber vor anhaltendem Druck durch weiterhin hohe Kosten, turbulente Geopolitik und ausufernde Bürokratie. Wichtig sei es jetzt vor allem, kritische Infrastruktur abzusichern.Nach zwei schwierigen Jahren zeigen die Zahlen für 2025 eine leichte Erholung der Elektrobranche, man sei damit in etwa wieder am Stand von 2022. Die aktuellen Zahlen für 2026 bestätigen den Aufwärtstrend. Verzeichnet wird ein leichtes Umsatzwachstum quer durch die Branche sowie steigende Produktion. Die Zahl der Beschäftigten ist aber weiterhin rückläufig und viele Unternehmen nach wie vor am Sparkurs. Zu angespannt war und ist die wirtschaftliche Lage noch. Für das zweite Halbjahr erwartet Marion Mitsch neue Belastungen durch steigende Energiepreise.
Den Standort stärken
FEEI-Obmann Wolfgang Hesoun betont, dass die Durchschnittszahlen irreführend seien, vor allem große Unternehmen wie Infineon, AT&S, Siemens oder Fronius wachsen kräftig. In Bereichen wie Energieinfrastruktur und Datencenter gibt es viele Investitionen, während kleinere Zulieferer deutlich unter Druck stehen. Für ihn steht fest, dass man die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs in ein besseres Licht rücken müsse, den Standort stärken. „Die aktuellen Zahlen sind ein positives Signal, aber kein Grund zur Entwarnung. Die Industrie braucht jetzt Rahmenbedingungen, die Investitionen ermöglichen und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig stärken“, betont Hesoun.
Der jüngste Abschluss bei den KV-Verträgen mit einer durchschnittlichen IST-Erhöhung von 2,32 Prozent und damit deutlich unter der rollierenden Inflation, war ein erstes wichtiges Signal für den Standort. „Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten braucht es ausgewogene Lösungen, die sowohl die Kaufkraft der Beschäftigten als auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen berücksichtigen. Der jüngste KV-Abschluss zeigt, dass dies möglich ist“, so Hesoun.
Neue Industriestruktur, mehr Resilienz
Europas jahrzehntelanges Geschäftsmodell aus Rohstoffimport und Weiterverarbeitung gerate ins Wanken, da Abnehmerländer wie China technologisch aufgeholt hätten – etwa bei Elektroautos. Rund 80 Prozent der Gewinne erwirtschaftet Österreich im Ausland und steht damit stark im internationalen Wettbewerb, gleichzeitig gehört der Standort zu den teuersten in der EU in Sachen Arbeitskosten. Eine echte Trendumkehr hält Hesoun für unrealistisch: „Wir werden uns auf eine Veränderung der Industriestruktur in Europa einstellen müssen.“ Er plädierte dafür, ausländische Anbieter stärker zu Local-Content-Investitionen in Europa zu verpflichten, ähnlich wie China dies tut.
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie verwundbar Europa bei Energieversorgung, digitalen Netzen, Lieferketten und Schlüsseltechnologien geworden ist. Für den FEEI ist daher die Stärkung der Resilienz eine zentrale wirtschafts- und industriepolitische Aufgabe. Die Unternehmen der Elektro- und Elektronikindustrie liefern wesentliche Technologien für Stromversorgung, Digitalisierung oder Industrieproduktion und bilden damit das Rückgrat der kritischen Infrastruktur.
„Resilienz entscheidet darüber, ob unsere Stromnetze, Kommunikationssysteme und industriellen Wertschöpfungsketten auch in Krisenzeiten funktionieren. Investitionen in kritische Infrastruktur und technologische Schlüsselkompetenzen müssen daher höchste Priorität haben“, betont Hesoun und fordert die Umsetzung des Schlüsseltechnologie-Beschleunigungsgesetzes.
Öffentliche Beschaffung als strategischer Hebel
Ein wesentlicher Beitrag zur Stärkung europäischer Resilienz liegt in einer modernen öffentlichen Beschaffung. Die öffentliche Hand investiert jährlich Milliardenbeträge in Produkte und Dienstleistungen und verfügt damit über einen bedeutenden Hebel zur Förderung europäischer Wertschöpfung, Innovation und Versorgungssicherheit.
„Öffentliche Beschaffung darf nicht ausschließlich nach dem niedrigsten Preis erfolgen. Kriterien wie Qualität, Innovationskraft und europäische Wertschöpfung müssen deutlich stärker berücksichtigt werden“, so Hesoun. Dass der „Made in Europe-Bonus“ ein wirksames Instrument ist und dass gezielte Anreize europäische Wertschöpfung fördern, belegen die kürzlich vom Wirtschaftsministerium veröffentlichten Zahlen zur PV-Förderung: Knapp jeder zweite PV-Förderantrag in Österreich setzt bereits auf europäische Komponenten wie Wechselrichter, PV-Module oder Stromspeicher.
Klimaschutz und Wirtschaft gemeinsam denken
Dieses Beispiel verdeutlicht auch, dass wirtschaftliche Entwicklung, europäische Wertschöpfung und Klimaziele erfolgreich gemeinsam gedacht werden können. Die Aufhebung des Verbots der CO₂- Speicherung (CCS) etwa ist besonders für energieintensive Industrien ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. Der Fachverband unterstützt den Vorschlag des Wirtschaftsministers, Klimagesetz, CCS-Gesetz und UVP-Novelle gemeinsam umzusetzen. „Klimaschutz und industrielle Wertschöpfung dürfen kein Widerspruch sein. Wir brauchen Rahmenbedingungen, die beides ermöglichen: ambitionierte Klimaziele und eine starke Industrie in Österreich“, betont Hesoun.
Privates Kapital für Innovation mobilisieren
Neben wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen und Investitionen in Infrastruktur sieht der FEEI in der Mobilisierung privaten Kapitals einen weiteren entscheidenden Erfolgsfaktor für die Zukunft des Standorts. „Österreich verfügt über ausreichend Kapital, aber zu wenig davon gelangt in produktive Investitionen. Wer Innovation, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit stärken will, muss Finanzbildung fördern und bessere Anreize für langfristige Veranlagungen schaffen“, erklärt Hesoun. Für den FEEI braucht es daher eine stärkere Finanzbildung, die Weiterentwicklung des Kapitalmarkts und gezielte Maßnahmen, um privates Kapital stärker für die Finanzierung von Innovation, Digitalisierung und industrielle Transformation zu mobilisieren.
Weichen für die Zukunft stellen
Die aktuellen Konjunkturdaten zeigen, dass eine Bodenbildung erreicht werden konnte. Damit aus diesen ersten positiven Signalen jedoch eine nachhaltige Erholung wird, braucht es entschlossenes Handeln.
„Die Industrie ist das Fundament für Wohlstand, Innovation und Versorgungssicherheit. Jetzt gilt es, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Europa seine Zukunft aktiv gestaltet, statt nur auf Krisen zu reagieren“, so Hesoun abschließend.

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