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Freitag, 9. Oktober 2026
Erneuerbare Energien-Kommentar E&W 09/2026

Das Ende der Schönfärberei

Wolfgang Schalko | 13.09.2026 | Bilder | |  Meinung
Über Geschmack kann man bekanntlich streiten, aber aus meiner Sicht ist Braun keine schöne Farbe. Erstens, weil historisch belastet, und zweitens, weil ich – so wie vermutlich auch Sie – den ganzen Sommer lang nichts anderes gesehen habe. Kein grüner Rasen, dahinvegetierendes Gartengemüse und Obstbäume, die sich temperatur- und trockenheitsbedingt nach und nach sämtlicher Früchte entledigt haben. Kurzum: ein Trauerspiel.

Noch frustruierender als diesen natürlichen, aber keineswegs „normalen” Vorgängen hilflos ausgeliefert zu sein, ist allerdings der Umstand, dass die nationale wie internationale Politik keinen Finger zu rühren scheint, um in irgendeiner Form auf die Extremwetterbedingungen der letzten zwei, drei Monate zu reagieren. Ob man es nicht verstehen kann oder nicht verstehen will, ist – trotz der Tragweite – gar nicht die entscheidende Frage. Unter dem Deckmantel der angeblich unumgänglichen Wirtschaftsfreundlichkeit bzw. dringendst erforderlichen Rahmenbedingungen gegen die drohende Deindustrialisierung des gesamten Kontinents wird bedenkenlos alles beiseite geschoben, was heute vielleicht zwar etwas (Geld) kosten mag, sich in Zukunft aber um ein Vielfaches rechnen würde (Geld plus Lebensqualität).

Spätestens wenn Atomkraftwerke aus Wassermangel gedrosselt oder gar abgeschaltet werden müssen, sollte auch den Letzten klar werden, dass Umwelt- und Klimapolitik kein linksgrüner Firlefanz, sondern aktive und essenzielle Standort- bzw. Wirtschaftspolitik ist. Ja, sogar noch mehr: Auch Gesellschaftpolitik, denn Hitzetote sind vermeidbar, und – vielleicht am wichtigsten – Zukunftspolitik. Denn es ist defintiv nicht egal, was wir den nachfolgenden Generationen hinterlassen und welche Hypotheken wir ihnen aus fadenscheinigen Gründen aufbürden.

Betrachtet man die politische Landschaft in Österreich, dann liefern die Akteure – entgegen aller Sonntagsreden – leider weiterhin nur wenig bis keinen Anlass für einen Hoffnungsschimmer. Auf eines kann ich mir dabei schon seit längerem keinen Reim machen: Gerade bei jenen, die sich gemeinhin gerne als patriotisch geben, ganz offen eine „Austria first”-Mentalität zu Schau stellen und sich gerne als Vertreter einer „Heimatpartei” präsentieren, müsste der Schutz unserer Umwelt und unseres Lebensraumes ja eigentlich obertste Priorität haben. Doch Fehlanzeige: Klima- und Umweltthemen, zu denen auch die Energiewende und der ausbau der Erneuerbaren zu zählen sind, werden immer noch vehement ins „Öko”- und „Bobo”-Eck geschoben und sind alles andere als salonfähig.

Unsere Regierung hat kürzlich einen Herbst versprochen, der von Taten geprägt sein soll. Angesichts der bisherigen Schritte kann das durchaus als gefährliche Drohung verstanden werden, doch als Optimist bin ich der Hoffnung verschrieben und drücke uns allen die Daumen, dass der Ernst der Lage endlich in vollem Ausmaß erkannt wird und entsprechende Maßnahmen folgen. Denn der nächste Sommer kommt bestimmt.

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