Die Lücke wird gefüllt
Herbst ist Messe-Zeit. Da liegt eine elektrische Spannung in der Luft und Neugierde erfüllt einen, wenn man – wie zuletzt zur IFA – die Tore einer Messe durchschreitet und man sich vom Strom der Menschen durch die Hallen tragen lässt. Immer auf der Suche nach der nächsten Neuigkeit schweift das Auge über die Präsentationen der Aussteller und saugt hungrig Informationen zu den neuesten Produkten ein. Mit allen Sinnen spürt man den jüngsten Trends nach – und fragt sich, wie diese die Branche verändern werden. In Berlin fiel dabei allerdings auch eine prominente Lücke im Aufgebot der Aussteller auf, die für das Branchen-Hirn wie das Kratzen der Kreide an der Tafel klingt.Die Lücke, von der ich spreche, hat Samsung in das Ausstellerverzeichnis gerissen. Der langjährige TV-Marktführer hat sich dieses Jahr bezüglich der IFA zu einer neuen Strategie entschlossen. Kommuniziert in schönstem PR-Deutsch hieß es da, man setze dieses Jahr auf kuratierte Content-Hubs statt Messehalle. Statt der gewohnten futuristischen Show der vergangenen Jahre, die immer eine ganze Halle belegt hatten, reduzierte Samsung seinen Auftritt auf der IFA selbst auf eine Mikro-Präsenz im Messe-Palais mit seinem denkmalgeschützten Charme der Nachkriegsjahre. Zusätzlich gab es eine Parallelveranstaltung im Humbold Carré in der Stadtmitte von Berlin – mit einem Pressetag vor dem eigentlichen Messebeginn und ansonsten den Partnern vorbehalten. Da fragt man sich unwillkürlich, findet der Konzern auf der Messe nicht mehr das gewünschte Publikum, oder war der Auftritt auf der IFA schlicht zu teuer?
Nachdem der Konzern in Korea nach einer Reihe von Top-Ergebnissen Ende Juli sein bisher bestes Quartalsergebnis der Geschichte mit 171,5 Billionen Won Umsatz und 89,5 Billionen Won (ca. 57 Mrd. Euro) operativen Gewinn präsentiert hat, kann man dem Kostenargument schwer etwas abgewinnen. Es stimmt schon, dieser Höhenflug im Q2/2026 wird vom anhaltenden KI-Boom und den dadurch ausgelösten hohen Speicherpreisen befeuert. Das CE-Business des Konzerns hat im vergangenen Quartal dagegen eine spürbare Delle erhalten. Wenn man unter diesen Rahmenbedingungen auf die Bilanz blickt, mag es sinnvoll erscheinen, bei den Marketingausgaben das Messer anzusetzen. Ob man mit einem Verzicht auf den Messeauftritt allerdings die Sparte wieder in die Gewinnzone führt, muss sich erst weisen. Beispiele aus der Vergangenheit lösen bei Branchenbeobachtern in diesem Zusammenhang eher Skepsis aus und geben Anlass zu Spekulationen. Zumindest muss man dem Konzern zugutehalten, dass man der Konkurrenz nicht vollständig das Feld überlassen hat. Allerdings ist mit der Präsentation im Humboldt Carré für Medien in Berlin Mitte, Influencern und Businesspartnern auch eine Konkurrenzveranstaltung zur eigentlichen Messe entstanden. Versicherungen seitens Samsung, dass man der IFA weiterhin positiv verbunden sei, wiegen da nicht viel. Zumal der Zugang der Medien zu der Veranstaltung eingeschränkt war.
Für die IFA verhieß diese Veränderung im ersten Moment nichts Gutes. Wenn ein Unternehmen wie Samsung einen zusätzlichen Standort bespielt, dann dämpft das nicht nur die Attraktivität der Messe, sondern zieht auch Fachbesucher vom Hauptevent ab. Diskussionen um die Zukunft der Veranstaltung und Preise werden damit wieder angefacht. Gleichzeitig gibt dies denjenigen Auftrieb, welche generell das Konzept Messe als Treffpunkt und Bühne für die Branche in Frage stellen. Zumindest aber werden sich viele kleinere Unternehmen wundern, ob der Aufwand einer IFA noch zu rechtfertigen sei.
Nach dem zweitägigen Messebesuch glaube ich allerdings, dass man bezüglich der Bedeutung der IFA als globale Leitmesse eine vorsichtige Entwarnung geben kann. D.h. nicht, dass die IFA nicht ihre Probleme hätte. Wer sich genau umgesehen hat, sah in Berlin die unbespielten Flächen – diesmal besser kaschiert als in den vergangenen Jahren. Und einige Aussteller haben sich dieses Jahr auch mit kleineren Ständen begnügt. Andererseits galt auch hier, ein Vakuum wird schnell gefüllt: In die von Samsung hinterlassene Lücke sind fix die chinesischen Hersteller gestoßen. Begierig hat u.a. IFA-Newcomer Xiaomi die freigewordene Medienaufmerksamkeit aufgesogen. Mit seinem Auftritt auf der Messe hat der Smartphone-Auto-Hausgeräte-UE-Smart Home-Konzern zu Recht für einigen Gesprächsstoff gesorgt. Aber auch andere Hersteller wie TCL oder Hisense haben in Berlin nichts anbrennen lassen. Diese Konzerne haben mit ihren Messe-Auftritten klar ihren Anspruch signalisiert, dass sie in Zukunft auf dem europäischen Markt die entscheidende Rolle spielen wollen.

Gleichzeitig haben sich auch die europäischen WW- und Kleingeräte-Hersteller ordentlich ins Zeug geworfen und den Äther mit ihren Botschaften gefüllt. Zusätzlich sind in Berlin viele Unternehmen, sowohl aus China als auch solche aus Europa, mit interessanten marktreifen Innovationen aufgefallen, die nun nicht gegen das Samsung-Newsfeuerwerk auf der IFA ankämpfen mussten. Kurz: Für die Fachbesucher und Endkonsumenten gab es wieder viel zu sehen, während Samsung seine allgemeine Sichtbarkeit gegenüber Medien und Endkonsumenten reduziert hat.
Und das in einer Zeit, in der die Consumer Electronics vor einer neuen Herausforderung steht. Denn die Branche sieht sich nicht nur einem härteren Wettbewerb in einem stagnierenden Markt gegenüber, sondern muss sich auch mit dem wachsenden Einfluss von Künstlicher Intelligenz auf die Customer Journey herumschlagen. Vor allem die jüngeren Zielgruppen nutzen für ihre Internetrecherche verstärkt KI-Agenten. Anstatt selbst nach den gewünschten Produkten zu suchen, genügen nun ein paar Prompts und schon durchkämmt die persönlich bevorzugte KI das Web nach den begehrten Geräten, und berücksichtigt dabei den vorgegebenen Preisbereich und die Verfügbarkeit. Diese Vorauswahl reduziert den Einfluss der Marken und des Handels auf die Kaufentscheidung der Konsumenten. (Eine sehr interessante Paneldiskussion dazu – veranstaltet vom Marktforschers NiQ – konnte man ebenfalls auf der IFA besuchen). Im extremen Fall bekommt der Kunde einen Vorschlag zu seinem gewünschten Produkt, ohne jemals den Online-Shop eines Pure-Players oder Omnichannel Anbieters zu besuchen. In diesem herausfordernden Umfeld auf die Bühne der IFA zu verzichten, läuft entweder auf einen genialen Schachzug in der Unternehmenskommunikation und dem Marketing oder ein kapitales Eigentor hinaus.

….Immer auf der Suche nach der nächsten Neuigkeit schweift das Auge über die Präsentationen der Aussteller… seien wir uns mal ehrlich, viele wirklich brauchbare Neuigkeiten gab es schon auf den letzten Messen nicht zu sehen und ob das heuer anders sein wird? Und ich meine da wirklich brauchbare Ideen, die auch beim Kunden auf Gegenliebe ( und Kauffreude ) stossen.