Hyperscaler vor den Toren
Dominik Schebach
Es war Anfang August, als Elon Musk bei einem Investor Call zum Q2 / 2026-Ergebnis von SpaceX von seinen Mobilfunkplänen sprach. Demnach will der CEO von SpaceX in naher Zukunft in den jährlich 600 Mrd. Dollar schweren US-Mobilfunkmarkt einsteigen. Der Launch des kommerziellen Diensts ist für Ende 2027 geplant. Basis dafür bilden demnach die neue Generation leistungsfähiger SpaceX-Kommunikationssatelliten sowie billige Bodenstationen, welche über Starlink-Module angebunden werden. Damit würde Musk über ein Mobilfunknetz verfügen, das theoretisch den gesamten Globus abdecken kann.Das erinnert ein wenig an die Strategie von Amazon. Auch dieser Mega-Konzern hat klein als Online-Buchhändler begonnen und dann sein Angebot beständig auf neue Produktgruppen sowie zusätzliche Staaten ausgeweitet. Sobald einmal die Kernfunktionen – Logistik, Billing und Customer Relationship Management – funktionierten, wurde gnadenlos skaliert, weil es Amazon im Endeffekt egal ist, ob den Kunden ein Buch, einen Rasenmäher oder ein Film-Abo verkauft wird, solange der Konzern die Kundenbeziehung kontrolliert. Aber mit jedem Produktbereich, der erfolgreich erschlossen wurde, wurde Amazon für den Kunden unverzichtbarer und die Verbindung enger. Der Konzern hat damit ein Ökosystem geschaffen, dem ein Kunde nicht mehr so schnell entrinnen kann. Finanziert wurde das alles von Finanzinvestoren, die an die Online-Story geglaubt und deswegen laufend Kapital für die Marktgewinnung nachgeschossen haben, sowie durch die Einbehaltung der Gewinne. Gleichzeitig ist nun der Konzern „to big to fail“. Die Investoren können gar nicht mehr ihr Kapital in großem Umfang abziehen. Damit hat Amazon Vorteile gegenüber seinen Wettbewerbern, die man kaum mehr ausgleichen kann.

Jetzt macht sich also Elon Musk daran, sein Ökosystem zu errichten. Nach Autos, Satelliten und globalem Internet steht nun die Telekommunikation auf dem Speiseplan. Zwar muss man Ankündigungen von Musk immer mit einer Prise Salz nehmen, aber die Überlegung ist schlüssig. Nachdem das Unternehmen seine Kerntechnologie – Satellitenstarts und globales Internet – perfektioniert hat, macht sich SpaceX daran, die Ernte einzufahren, ein Segment nach dem anderen. Wird es morgen passieren? Nein. Aber die Investoren haben die Story von Elon Musk gekauft, und jetzt wollen sie zumindest eine Wertsteigerung bei ihren Aktien sehen. Der US-Mobilfunkmarkt scheint da als erster Appetithappen gerade recht und die notwendigen Frequenzen wurden schon gekauft.
Das zeigt, dass kein Bereich der Wirtschaft sich auf Dauer sicher fühlen kann. Denn bisher war Satellitenkommunikation wegen des Preises und des technischen Aufwands sowie der fehlenden Indoor-Abdeckung für den Consumer-Markt uninteressant. Mit dem Umweg über billige Bodenstationen gilt diese Annahme nicht mehr und es wird eine Frage der Skalierung. Es zeigt aber auch, wie wichtig ein funktionierendes Ökosystem für heimische Unternehmen ist. Je mehr Verbindungen zum Endkunden bestehen, je breiter das Unternehmen aufgestellt ist, desto schwieriger wird es für Hyperscaler, in diesen Markt einzubrechen. Wer sich dagegen in der Telekommunikation auf einzelne Produkte konzentriert und diese nicht mit anderen verbindet, wird leicht ersetzbar.

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