Doppelte Bremse für die Energiewende
(© pixabay)
Am Montag wurden von der US-Umweltschutzbehörde zentrale Vorschriften zur Begrenzung klimaschädlicher Treibhausgasemissionen von Kohle- und Gaskraftwerken aufgehoben, eine weitere bedenkliche Maßnahme am Anti-Klimaschutz-Kurs von US-Präsident Trump. Gleichzeitig belastet der KI-Boom Stromnetze und schlägt sich deutlich auf die Klimabilanz der Hyperscaler.Während der globale Strombedarf durch KI-Rechenzentren rasant steigt, schwächt die US-Regierung gleichzeitig zentrale Klimaschutzauflagen für Kraftwerke ab – eine Kombination, die Fachleute alarmiert. Laut des Verbandes Erneuerbare Energie Österreich könnte sich der Strombedarf von Rechenzentren weltweit von 485 TWh (2025) bis 2030 auf 950 TWh verdoppeln, das wären drei Prozent des globalen Energiebedarfs.
Negative Klimabilanz für KI-Treiber
Die fünf größten Technologieunternehmen im AI-Bereich investieren heuer voraussichtlich 620 Milliarden Dollar in Rechenzentren, 2025 waren es bereits 400 Milliarden Dollar – ein Trend, der sich fortsetzt. Geht man von aktuellen Trends für die Stromversorgung dieser Rechenzentren aus, würde bis 2030 etwa die Hälfte des zusätzlichen Energiebedarfs der Rechenzentren durch Erneuerbare Energien gedeckt werden, während die andere Hälfte aus fossilem Gas und aus Kohle stammen würde. Jedenfalls hat der Ausbau von KI-Rechenzentren Folgen für den Strom- und Wärmemarkt, die Netze und das Klima. Durch ihre Funktionsweise sind sie energieintensiver und haben einen höheren Kühlungsbedarf als herkömmliche Rechenzentren. Training und Betrieb von KI-Modellen können außerdem Serverlasten in Sekundenschnelle um bis zu 50% steigen lassen, und diese variablen Lasten stellen eine zusätzliche Herausforderung für die Stromnetze dar. In manchen Regionen werden Netzkapazitäten bereits knapp, weshalb große Tech-Unternehmen vermehrt in eigenständig betriebene, netzunabhängige Gasturbinen investieren. Allein in den USA könnten dadurch bis 2030 zusätzlich 15 bis 27 GW an Gaskraftwerksleistung entstehen. Die Folgen zeigen sich bereits in den Klimabilanzen der sogenannten Hyperscaler – großer Tech-Unternehmen und Cloud-Anbieter: Googles Emissionen stiegen etwa von 6,5 Megatonnen CO2 (2021) auf 15,1 Megatonnen (2025), sein Stromverbrauch wuchs binnen eines Jahres um fast 40 Prozent.

Von sinkenden Strompreisen durch Kohle und „Klimaradikalismus“
Verschärft wird die Lage durch eine aktuelle Entscheidung der US-Umweltbehörde EPA: Diese hob am 15. September zentrale Emissionsvorschriften für Kohle- und Gaskraftwerke auf, die eine Reduktion der Treibhausgase um bis zu 90 Prozent vorgeschrieben hätten. EPA-Chef Lee Zeldin begründete den Schritt mit der Aussicht auf sinkende Strompreise und einer angeblich notwendigen Entlastung der Energieversorgung – just zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage durch Rechenzentren und KI stark zunimmt.
„Mehr als 15 Jahre lang haben die Regierungen unter (Barack) Obama und Biden einen Krieg gegen die Kohle geführt, um zuverlässige und erschwingliche Energie zu zerstören“, wurde EPA-Chef Lee Zeldin in einer Mitteilung seiner Behörde zitiert. Die Regierung von Trump sei angetreten, das zu ändern. Außerdem sprach er von Klimaalarmismus“ und „Klimaradikalismus“ und warf Medien vor, die Bevölkerung zu „verängstigen“.
Die nun verkündete Aufhebung von Emissionsvorschriften bezieht sich auf Standards aus dem Jahr 2024, die Kohlekraftwerke dazu verpflichteten, ihre klimaschädlichen Emissionen drastisch zu reduzieren – konkret um bis zu 90 Prozent. Andernfalls hätten die Kraftwerke bis 2039 ihren Betrieb einstellen müssen. In einer EPA-Vorlage hatte es geheißen, die Auflagen seien unmöglich zu erfüllen und die Fristen zu knapp. Erst im Februar dieses Jahres hatte die Umweltbehörde zudem Treibhausgase für unproblematisch erklärt und damit die zentrale rechtliche Grundlage für Gesetze zum Schutz des Klimas gekippt.
Ein Schritt zurück im Klimaschutz
Umweltverbände wie der Natural Resources Defense Council kritisieren den Schritt der Umweltbehörde scharf und kündigten bereits rechtliche Schritte gegen die Aufhebung an, während die Interessenvertretung der US-Kohleindustrie, America’s Power, die Entscheidung der Behörde begrüßt. Sie werde azu beitragen, „die Zuverlässigkeit des Stromnetzes zu sichern und Stromverbraucher vor höheren Kosten zu schützen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage durch Rechenzentren, künstliche Intelligenz und fortschrittliche Fertigung stark steigt“, zitierten US-Medien aus einer Mitteilung des Verbands.
Beide Entwicklungen laufen damit in dieselbe Richtung: mehr Energiebedarf durch KI (auch dann, wenn KI-Modelle effizienter werden) und weniger regulatorische Bremsen bei den Emissionen der Stromerzeugung, die diesen Bedarf decken soll, und das kann sich am Ende nicht ausgehen. Der Ausbau von Rechenzentren muss Hand in Hand mit deren Versorgung durch erneuerbare Energie, Speichermöglichkeiten, dem effizienten Netzausausbau und der Nutzung der Abwärme geplant und realisiert werden. Auf die USA darf man hierbei wohl nicht zählen, denn nach China sind die USA derzeit der weltweit größte Verursacher klimaschädlicher Treibhausgase, historisch gesehen der größte. Zudem sind sie der größte Produzent fossiler Brennstoffe wie Öl und Gas Trump stellt den menschengemachten Klimawandel seit Jahren entgegen dem wissenschaftlichen Konsens infrage. Folglich hat er seit seinem Amtsantritt unzählige Klimaschutzmaßnahmen zurückgenommen und das, obwohl auch die USA diesen Sommer den heißesten seit Beginn der Aufzeichnung erlebt haben.

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