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Freitag, 9. Oktober 2026
Rekord-Beteiligung

Oesterreichs Energie Kongress 2026: über leistbaren Strom und Branchenzukunft

Energiezukunft Die Branche | Valerie Hagmann | 22.09.2026 | |  
Der Oesterreichs Energie Kongress 2026 verzeichnete einen Teilnehmer-Rekord. Der Oesterreichs Energie Kongress 2026 verzeichnete einen Teilnehmer-Rekord. (© Oesterreichs Energie) Mit mehr als 800 Anmeldungen und über 70 Sponsoren und Ausstellern verzeichnete der Oesterreichs Energie Kongress 2026 in der Wiener Hofburg eine Rekordbeteiligung. Unter dem Motto „Zukunft unter Strom" diskutierten an zwei Tagen Vertreterinnen und Vertreter aus Energiewirtschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft über die Transformation des Energiesystems. Außerdem wurden Nachwuchstalente in der Energiebranche geehrt.

Wenn ich in den Raum blicke, sehe ich Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Energiebranche, aber eines eint uns: Wir alle wollen eine sichere, saubere und leistbare Energiezukunft“, eröffnete Generalsekretärin Barbara Schmidt die Veranstaltung. Auch Bundespräsident Alexander van der Bellen sprach am Podium und betonte die Bedeutung von Unabhängigkeit und dem Ausbau sauberer Technologien:„Wir dürfen keine Abkürzungen nehmen, die der Umwelt, dem Klima und uns selbst schaden.“ Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer unterstrich außerdem die zentrale Rolle der Energiepolitik für Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit und forderte beschleunigte UVP-Prozesse sowie den Ausbau von Wasser- und Pumpspeicherkraft: „Wer Energie kontrolliert, kontrolliert am Ende des Tages auch den Wohlstand.“

Appell für mehr Zuversicht

Der neue Präsident von Oesterreichs Energie, Michael Baminger, warb in seiner Eröffnungsrede für mehr Zuversicht in der Branche: „Was dieser Diskussion fehlt, ist ein gerütteltes Maß an Optimismus. (…)Wir müssen den Umbau als Teamplay verstehen. Nicht als Großprojekt für irgendwann, sondern jetzt im Alltag. Wenn Ziele alleine aber reichen würden, wären wir schon fertig. Es geht ums Umsetzen.“ Dabei stellt er den Kunden ins Zentrum aller Vorhaben – denn nur wenn es für die, die es betrifft, eine klare, stringente Zukunftserzählung gäbe, die das „Warum“ erklärt, würde es die notwendige Akzeptanz und Unterstützung auch in der Gesellschaft geben, die die großen Vorhaben der Energietransformation benötigen. „Der Ausbau von Erzeugung, Netzen und Speicher, die Modernisierung bestehender Anlagen, Digitalisierung, neue Technologien sowie der Schutz kritischer Infrastruktur müssen konsequent vorangetrieben werden.“

„Zukunft unter Strom“ – langfristig Strompreise senken, aber wie?

Der Ausbau erneuerbarer Energien kann Strompreise langfristig senken. Damit Haushalte und Unternehmen davon profitieren und zugleich die Versorgung sicher bleibt, braucht es aber außerdem leistungsfähige Netze, Speicher und eine engere Abstimmung zwischen Erzeugung und Verbrauch. Diese Zusammenhänge prägten auch den zweiten Tag des Oesterreichs Energie Kongresses unter dem Motto „Zukunft unter Strom“. Die Diskussionen reichten von heimischer Wertschöpfung über den Wert von Strom und internationale Praxisbeispiele bis hin zu Elektrifizierung und künstlicher Intelligenz.

Erwin Raffeiner, CEO von Sprecher Automation, plädierte für mehr Gewicht auf heimische Wertschöpfung und Cybersicherheit. Dabei müsse auch der Erhalt von Arbeitsplätzen und Know-how stärker berücksichtigt werden, außerdem sei eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Unternehmen rund um die kritische Infrastruktur essentiell dafür, internationale Abhängigkeiten zu verringern.

Im Panel „Preis und Wert von Strom“ stellte Tara Esterl vom Austrian Institute of Technology Ergebnisse einer Studie im Auftrag von Oesterreichs Energie vor. Die Berechnungen zeigen: Je näher die europäischen Staaten ihren Ausbauzielen kommen, desto niedriger sind tendenziell die Strompreise. So hat allein die aktuelle Abweichung des Ausbaus vom gesetzlich beschlossenen Ausbaupfad die österreichischen Stromkunden im Vorjahr rund 110 Mio. Euro gekostet. Den größten Effekt erzielt dabei der kombinierte Ausbau unterschiedlicher erneuerbarer Erzeugungsformen.

Herwig Hauenschild, Geschäftsführer der ENERGIEALLIANZ Austria, betonte die Bedeutung einer klaren Kommunikation gegenüber den Kundinnen und Kunden. Wechselnde Empfehlungen zu Spot- und Fixtarifen hätten Verunsicherung ausgelöst. Für die Beurteilung des Erneuerbaren-Ausbaus sei zudem eine langfristige Betrachtung entscheidend. Manuela Lenk, Generaldirektorin der Statistik Austria, verwies auf die Bedeutung der Stromkosten für die Haushaltsbudgets und sprach sich für eine Entlastung einkommensschwacher Haushalte aus.

Michael Strebl, Vorstand der E-Control, wies auf die Unterschiede zwischen Winter und Sommer sowie im Tagesverlauf hin. Sein Fazit: „Es wird immer wichtiger sein, wann und wo der Kunde seinen Strom bezieht.“ Martin Hoyer von EY sah Möglichkeiten, das Preisniveau langfristig zu senken. Dafür müssten die Potenziale von Tarifgestaltung, Speichernutzung und Ausbau genutzt werden.

Mit Kooperationen und KI zu mehr Effizienz

Internationale Kooperationsprojekte („Power-Couples“) zwischen Energieversorgern und Industriekunden gelten laut Eurelectric-Generalsekretär Kristian Ruby als Blaupause für ein effizienteres Energiesystem, als Beispiel wurden eine Wärmebatterie für eine Brauerei in Portugal oder die Nutzung von Rechenzentrums-Abwärme durch eine Molkerei in Polen genannt.

Die Geschäftsführerin der KNG-Kärnten Netz Eva Tatschl-Unterberger betonte, dass solche Kooperationen das Netz vor allem bei räumlicher und zeitlicher Abstimmung von Erzeugung und Verbrauch entlasten, mahnte bei Netztarif-Anreizen aber zu einer fairen Kostenverteilung ein:„Anreize könnten zwar sinnvoll sein, die dadurch fehlenden Einnahmen, werden letztlich aber von den übrigen Netznutzern mitgetragen.“

Beim Thema Künstliche Intelligenz sah Wolfgang Gröller (Fortinet) trotz steigendem Strombedarf von Rechenzentren großes Potenzial für eine KI-gestützte Stromnetzsteuerung, sofern Cybersicherheit von Beginn an mitgedacht werde. „KI kostet uns nicht nur etwas, sondern kann uns auch etwas bringen.“

Oesterreichs Energie-Preis 2026

Im Rahmen des Kongresses wurden, gemeinsam mit dem OVE, vier Nachwuchstalente für die Energiebranche in drei Kategorien ausgezeichnet. Mit dem Oesterreichs Energie-Preis werden seit mehr als 15 Jahren wissenschaftliche und technische Nachwuchsarbeiten ausgezeichnet, die sich mit aktuellen Fragen der E-Wirtschaft befassen. Die fachliche Jury bewertete die Einreichungen neben ihrer Qualität, Innovationskraft und Aktualität auch nach ihrem Nutzen für die österreichische E-Wirtschaft.

Jasmin Mensik, Studentin an der Universität für Bodenkultur Wien, Institut für Verfahrens- und Energietechnik, wurde in der Kategorie Dissertation für ihre Arbeit „Hybrid Electricity Storage in 100 % Renewable Power Systems – A Technical Analysis of System Dynamics, Synergies and Efficiency Gains“ ausgezeichnet. Sie untersucht, wie unterschiedliche Speichertechnologien in vollständig erneuerbaren Energiesystemen zusammenwirken und die Effizienz verbessern können.

Gregor Maria Schöpf, Student an der Technischen Universität Graz, Institute of Electrical Power Systems, erhielt die Auszeichnung für seine Masterarbeit „Assessment of Grid Forming Algorithms with Hardware-in-the-Loop Tests“. Darin bewertet er Grid-Forming-Algorithmen mithilfe von Hardware-in-the-Loop-Tests.

Benjamin Kloibhofer und Luka Edler, Schüler an der HTL BULME Graz-Gösting, wurden in der Kategorie HTL-Abschlussarbeit für „From Waste to Energy – KI für nachhaltigere Photovoltaik“ ausgezeichnet. In ihrer Arbeit verbinden sie künstliche Intelligenz und Photovoltaik mit dem Ziel, PV-Anwendungen nachhaltiger zu gestalten.

Den Kundennutzen im Zentrum sehen

Zum Abschluss zog Michael Baminger, Präsident von Oesterreichs Energie, Bilanz: „Der Kongress hat geschafft, die Vielfalt der Herausforderungen und die Vielfalt der Perspektiven zu zeigen.“ Entscheidend sei, dass die Branche bewusst auch Sichtweisen von außen einbeziehe. Als roten Faden der beiden Tage nannte er die „Mischung aus Optimismus und Realismus“.

Für die kommenden Aufgaben brauche es eine ruhige Hand und zugleich die Bereitschaft, konkret anzupacken. Entscheidungen müssten auf Klarheit und Fakten beruhen. Dabei nahm Baminger die E-Wirtschaft selbst in die Verantwortung: Vertrauen müsse aktiv aufgebaut und langfristig gesichert werden. Der entscheidende Maßstab sei der konkrete Nutzen für die Kundinnen und Kunden. Sein Dank galt der Branche und allen Partnerinnen und Partnern, die den Kongress ermöglicht haben, sowie Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner für ihre Teilnahme und die Wertschätzung gegenüber der Branche.

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